Würzburg

Würzburger Adventskalender: Warum es nicht lohnt, brav zu sein

Adventskalender-Autorin Carmen Schiller hatte sich wirklich Mühe gegeben, den Nikolaus mit bravem Verhalten zu beeindrucken. Das Ergebnis war eine Lehre fürs Leben.
Brav sein für den Nikolaus? Das klappt nicht unbedingt.  Foto: Daniel Peter

Die Adventszeit, sie war für mich als Kind die schönste Zeit. Ich war neun Jahre alt und mit acht weiteren Kindern im Kinderheim. Süßigkeiten bekamen wir nur in der Adventszeit im Adventskalender und zu Nikolaus. Da wir neun Kinder waren, war man nur alle neun Tage mit Öffnen eines Türchens dran. Mit unserem Taschengeld hätten wir zwar Süßigkeiten kaufen können, jedoch gab es im Umkreis von drei Kilometern kein Geschäft, wo wir hätten uns diese besorgen können. So freuten wir uns alle das Jahr über auf die Weihnachtszeit. Vor allem ich! Ich freute mich sooo sehr auf den Adventskalender und die damit verbundenen süßen Kleinigkeiten.

Eine ganze Woche nach Kräften angestrengt

Der schönste Tag von allen war jedoch der 6. Dezember, denn an diesem Tag kam der Nikolaus. Es war üblich, dass der Nikolaus den braven Kindern an ihren Platz am Frühstückstisch einen mit herrlichen Köstlichkeiten gefüllten Stiefel stellte. Also musste ich erst einmal brav sein! Eine ganze Woche lang habe ich mich so sehr angestrengt. Ich habe nicht widersprochen, nicht gestritten, habe bei der Hausarbeit geholfen, bin nie zu spät gekommen, habe meine Hausaufgaben ohne Murren erledigt und hab mich nicht hinterm Sofa versteckt, wenn es Zeit war, ins Bett zu gehen.

Der Nikolaus würde ganz sicher meinen Stiefel bis zum Rand füllen und mich am meisten belohnen. Immerhin war ich so brav wie noch nie und brav sein ist echt anstrengend, dachte ich. Endlich war es soweit. Ich lag im Bett und konnte vor Aufregung nicht einschlafen. Bitte, bitte, es sollte ganz schnell früh werden.

Am Morgen machte ich die Augen auf und sprang sofort aus dem Bett, rannte noch im Schlafanzug aus meinem Zimmer, überholte alle Kinder und huschte die Treppen zum Frühstückstisch hinunter. Der Nikolaus war da! Die vollen Stiefel mit Schokolade, Gummibärchen, Brause und Kaugummis standen schon auf den Plätzen der Kinder. Ich huschte zu meinem Platz.

Was der Nikolaus mitgebracht hatte, war eine Enttäuschung

Furchtbar: Kein Stiefel in Sicht. Das gibt’s doch nicht. Der Nikolaus wird mich doch nicht vergessen haben!? Auf dem Tisch war nichts. Vielleicht auf meinem Stuhl? Ich zog meinen Stuhl nach hinten und erstarrte vor Erstaunen. Eine Rute!! Waaas! Warum? Sofort beschwerte ich mich vehement und sagte:" Warum habe ich eine Rute bekommen? Ich war eine ganze Woche doch sooo brav!" Meine Erzieherin sagte ruhig, aber bestimmt: "Liebe Carmen, es reicht nicht, eine Woche brav zu sein. Du musst das ganze Jahr über brav sein." Beleidigt sagte ich: "DAS schaffe ich NIE!"

In diesem Moment wurde mir klar: Es lohnt sich nicht, für eine Handvoll Schokolade eine Woche brav zu sein und so war ich nie mehr brav.

Text: Carmen Schiller

Carmen Schiller ist kommunale Gleichstellungsbeauftragte für den Landkreis Würzburg.

In der Kolumne „Würzburger Adventskalender“ erzählen Menschen aus Würzburg Anekdoten rund um Advent und Weihnachtsfest.

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