Würzburg

Würzburger Adventskalender: Weihnachten vor über 70 Jahren

Teures Spielzeug, eine opulente Feier? Das war vor über 70 Jahren in der Familie von Adventskalender-Autor Georg Götz unüblich. Dennoch erinnert er sich bis heute gern daran.
Weihnachten in früherer Zeit (Symbolfoto). Foto: Getty Images

Als kleiner Bub habe ich noch ans Christkind geglaubt. In dieser Zeit, die Rede ist von den Jahren 1940 bis 1944, war es zuhause eine geheimnisvolle Zeit. Da ist es vorgekommen, dass im Gang zufällig ein Lamettafaden gelegen ist. Auf meine Frage hin hat Mutti gesagt: „Dies hat ein Engel verloren, der dem Christkind hilft.“

Neugierig war ich auch: Ich habe immer versucht, durch das Schlüsselloch zu spitzen, aber es war dunkel in der guten Stube, die seit einigen Tagen versperrt war. Einmal habe ich es wieder versucht und sah, wo der Baum steht und dass eine Kerze brennt. Man hat mich fest geschimpft. Das tut man nicht, hieß es, das störe das Christkind und ich wäre schuld, wenn es davonfliegt und die Geschenke wieder mitnimmt.

Aus farbigen Ansichtskarten wurden schöne Schachteln gebastelt

In der Zeit, wenn ich nicht in der Kinderbewahranstalt war, hat Mutti Plätzchen gebacken und da durfte ich oft beim Ausstechen mithelfen. An Abenden wurde gesungen und dabei haben die Bratäpfel aus der Ofenröhre gut gerochen. Mutti hat gebastelt und aus farbigen Ansichtskarten schöne Schachteln zusammengenäht.

Als der Heilige Abend kam, war ich ungeduldig – doch die Zimmertüre war immer noch versperrt! Aber auf einmal hat es geklingelt und die Tür stand offen. Am Fichtenbaum brannten die Kerzen, die Kugeln haben gefunkelt und aus dem alten Grammophon in der Ecke drehte sich eine Platte mit Glockengeläute und Orgelmusik.

Wir haben gesungen, und ich habe dabei über das ganze Gesicht gestrahlt – die vielen Lichter und das Spielzeug! Viel Neues war nicht dabei, aber das alte Spielzeug hat wieder wie neu geglänzt. Am verreckten Pferdewägelchen war wieder eine neue Deichsel und die Rädchen haben sich auch wieder bewegt.

Die Weihnachtskrippe war schon etwas ramponiert

Die Krippe neben dem Christbaum hatte frisches Moos und das Schäfchen mit den drei Beinen hat auch nicht gefehlt. Der heilige Josef hielt noch immer den Draht als Stab in den Händen, weil ich den hölzernen vor zwei Jahren zerbrochen hatte. Das Eselein hat einen neuen Schwanz bekommen, nur das Christkindlein in der Krippe war ein wenig ramponiert, da ich das letzte Jahr versucht hatte, die Löckchen mit der Brennschere von Mutti ein wenig einzurollen. 

Zum Anziehen hat es ein neues Leib- und Seelhöschen gegeben und ein paar grob gestrickte lange Wollstrümpfe gab es auch. Lange durfte ich an diesem Abend aufbleiben und mit Onkel und Tante feiern.

Dann war es bei uns in Grombühl Brauch, dass wir zu Mitternacht die Christmette in der Josefskirche besuchten. Wenn ich heute zurück denke, waren es die schönsten Weihnachten, die ich auf keinen Fall vergessen möchte, so lange ich lebe.

Text: Georg Götz

Georg Götz ist Vorsitzender des Main-Franken-Kreises.

In der Kolumne „Würzburger Adventskalender“ erzählen Menschen aus Würzburg Anekdoten rund um Advent und Weihnachtsfest.

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