Würzburg

Würzburger Familie friert in Chicago

Eiseskälte in Chicago: Die Würzburger Familie Mohr lebt seit einem Dreivierteljahr in der Metropole am Lake Michigan. Wie erlebt sie gerade die arktische Kälte?
Würzburger Familie friert in Chicago
Eisschollen auf dem Chicago River, fotografiert von der dort lebenden Familie Mohr. Foto: Chistiane Mohr

Eine Kältewelle mit extremen Minus-Temperaturen hat viele Teile der USA fest im Griff, auch die 2,7 Millionen-Metropole Chicago (Bundesstaat Illinois) bibbert vor Frost. Hier in der Nähe des schönen Lake Michigan lebt seit einem Dreivierteljahr die Familie Mohr aus Würzburg. Für zwei Jahre hat es Eugen Mohr beruflich hierher verschlagen – im Dienste einer Aktiengesellschaft. Dass die Familie mitzieht, war klar, zumal seine Frau Christiane Mohr eine amerikanische Mutter hat. Die fünfjährigen Zwillinge Julius und Christopher gehen in Chicago auf eine Deutsche Schule in die Pre-school (Vorschule).

So etwas wie die Kälte der vergangenen Tage hat Christiane Mohr noch nicht erlebt, erzählt sie in einem Videogespräch mit der Redaktion. Der Blick aus ihrem Fenster zeigt Schnee und Eis auf Gehwegen und Autos. Vor allem mit kleinen Kindern sei die Eiseskälte eine Herausforderung. "Wir wohnen hier in einer Altbauwohnung, das heißt, die Heizung läuft die ganze Zeit auf Hochtouren", berichtet die 45-Jährige. Vor zwei Tagen sei in der Küche kein Wasser mehr aus dem Hahn gekommen, "die Rohre waren eingefroren". Verantwortlich für die Kälte ist der so genannte Polarwirbel.

Beim Atmen schmerzt die Lunge

Das Leben auf den Straßen Chicagos sei bei Temperaturen bis zu minus 30 Grad fast zum Erliegen gekommen, schildert Eugen Mohr. Unter Freunden und Kollegen gebe es derzeit nur ein Thema: die Kältewelle. Der Zug- und Flugverkehr sei eingeschränkt, viele Geschäfte blieben zu, Firmen stellten auf Home-Office um und viele Kindergärten und Schulen blieben geschlossen.    

Würzburger Familie friert in Chicago
Selfie in der Kälte. Foto: Christiane Mohr

"Auch unsere Söhne blieben an den kältesten Tagen zuhause", erzählt Christiane Mohr. Schon mehr als fünf Minuten an der frischen Luft seien zur  Herausforderung geworden. "Die Kinder können nur mit Skimasken und dicken Handschuhen bepackt nach draußen." Auch sie selbst lege - gut eingecremt - immer den Schal übers Gesicht. Zudem sei durch das Eis auf den Gehwegen die Rutsch- und Unfallgefahr ziemlich hoch. Auch das Atmen ist bei der Kälte unangenehm, schildert ihr Mann. "Beim tiefen Atmen schmerzt die Lunge, deshalb geht man zu einer Kurzatmigkeit über."

Beeindruckt vom Feuer an Bahngleisen

Dennoch hat das Ehepaar das Gefühl, dass die Stadt Chicago sich einigermaßen gut auf die Situation eingestellt hat. In den letzten Tagen seien vermehrt Wärmestuben für Bedürftige eingerichtet worden, erzählt Eugen Mohr. Seine Frau hat beobachtet, dass Taxis und Busse auch bedürftige Menschen gratis mitnähmen. Beeindruckt ist Christiane Mohr auch von der Tatsache, dass die Nahverkehrsbetreiber Feuer an einigen Bahngleisen legen, um Beschädigungen durch die Kälte zu regulieren. 

Mit ihrer Familie und den Freunden in Würzburg ist die 45-Jährige in stetigem Kontakt und liefert Informationen aus erster Hand. Ihre Hoffnung, dass es bald wieder wärmer wird, scheint sich laut Wetterprognosen zu erfüllen."Heute kam das erste Mal wieder die Sonne raus, und es ist nicht mehr ganz so kalt", sagt sie.    

Schlagworte

  • Würzburg
  • Katja Glatzer
  • Aktiengesellschaften
  • Arktische Temperaturen
  • Armut
  • Feuer
  • Kältewellen
  • Luftverkehr
  • Rohre
  • Unfallgefahren
  • Vorschule
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
8 8
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!