WÜRZBURG

Würzburger Friedenspreis für Pat Christ

Verleihung Friedenspreis an Pat Christ       -  Für ihren Einsatz für sozialen Frieden in der Region erhielt die Journalistin Pat Christ (Mitte) den 23. Würzburger Friedenspreis, überreicht von Gerda Kresse und Armin Meisterernst vom Friedenspreis-Komitee.
Für ihren Einsatz für sozialen Frieden in der Region erhielt die Journalistin Pat Christ (Mitte) den 23. Würzburger Friedenspreis, überreicht von Gerda Kresse und Armin Meisterernst vom Friedenspreis-Komitee. Foto: Daniel Peter

Die Feier zur Verleihung des 23. Würzburger Friedenspreises an die Journalistin Pat Christ im Foyer des Mainfranken Theaters war am Sonntag eigentlich schon fast vorbei, als Hussein Mahmoud ums Wort bat. Dem 28-jährigen Kurden aus dem Bürgerkriegsland Syrien war für die Veranstaltung die Rolle des musikalischen Begleiters zugedacht, doch nun wollte er doch noch etwas sagen. Denn auch über ihn, den Virtuosen auf dem Saiteninstrument Saz, hatte die Preisträgerin schon berichtet– auf ihre Weise. „Pat Christ hat in mir immer auch den Menschen gesehen, nicht nur den Flüchtling“, sagte Mahmoud, und für einen Moment wurde es noch einmal ganz still in einer auch sonst von nachdenklichen Tönen geprägten Veranstaltung.

Pressefreiheit als hohes Gut

Dass Pat Christ, die 47-jährige Freie Journalistin aus Würzburg und Mitarbeiterin dieser Redaktion, für den seit 1995 jährlich vergebenen Friedenspreis in Betracht kam, hatte nämlich unter anderem damit zu tun: Nachdenklichkeit. Davon, vor allem aber vom hohen Gut freier und kritischer Presse war am Sonntagmittag im Theaterfoyer oft die Rede, als es um die Würdigung der Preisträgerin ging.

Der aktuelle Bezug – etwa die Verfolgung freier Berichterstattung im Nato-Partnerland Türkei – lag da auf der Hand. „Die Auszeichnung einer unabhängig tätigen Journalistin ist ein starkes Zeichen in einer Zeit, da andernorts die Pressefreiheit bedroht ist“, sagte etwa Würzburgs Bürgermeisterin Marion Schäfer-Blake in ihrem Grußwort.

Es geht um kritische Berichterstattung

Zuvor hatten Andreas Schrappe und Thomas Schmelter vom Komitee Würzburger Friedenspreis die Beweggründe für die Wahl von Pat Christ erläutert. Schrappe wies mit Blick auf das journalistische Arbeitsethos der Preisträgerin darauf hin, dass kritische Presse keine „wohlwollende Berichterstattung“ meine, was von den rund 250 Besuchern mit kräftigem Beifall quittiert wurde.

Thomas Schmelter erinnerte an das bekannte Lied „Die Gedanken sind frei“, das in unfreien Zeiten enstand und dessen Aussage nicht bedeuten dürfe, „dass wir die Klappe nicht aufmachen“.

Lesen Sie hier das Porträt der Preisträgerin Pat Christ

Welchen Mut es bedeuten kann, den Mund aufzumachen, davon berichtete Addis Mulugeta. Dem äthiopischen Journalisten und Friedenspreisträger des Jahres 2011 kam die Aufgabe zu, die Laudatio zu halten. Eine kluge Wahl des Friedenspreis-Komitees, berichtete Mulugeta doch aus eigener Erfahrung von der Bedrohung, der kritische Journalisten in seinem Heimatland ausgesetzt sind.

In Deutschland dagegen gebe es eine Pressefreiheit, „von der viele Menschen auf der Welt nur träumen können“. Allerdings gebe es auch hierzulande „nicht nur Licht, sondern auch Schatten“. Und es gebe Themen, mit denen sich Journalisten keine Freunde machten. Themen, derer sich Pat Christ annehme. „Du schaust genau hin auf die vielen Gesichter der sozialen Realität. Du stellst die richtigen Fragen und bleibst stets fair und ausgewogen“, beschrieb er die Arbeitsweise der Preisträgerin.

Pat Christ widme sich Menschen, „die sonst kaum im Focus der Öffentlichkeit stehen“ und verbinde bei ihrer Arbeit „hohe Professionalität mit Herz und viel Mut“. Ähnlich wie zuvor schon Schäfer-Blake nannte Mulugeta die Auszeichnung ein „starkes Signal für alle Journalisten, die im Exil sind, im Gefängnis oder auf der Flucht“.

Für die Geehrte, die nach der Laudatio aus der Hand der Komitee-Mitglieder Armin Meisterernst und Gerda Kresse den mit 1500 Euro dotierten Preis erhielt, war der Auftritt vor Publikum eine neue Erfahrung, wie sie in ihrer Ansprache bekannte: „Ich bin oft gern dabei, aber lieber am Rand, um beobachten zu können.“

Die Auszeichnung sei aber eine Gelegenheit, darauf aufmerksam machen zu können, „wie wichtig freie Presse ist“. Denn hier sieht die Journalistin eine wachsende Gefahr: „Ich beobachte eine eklatante Erosion in Sachen Pressefreiheit.“

Das Bewusstsein für deren Wert schwinde gerade bei jungen Menschen. „Journalistisch arbeiten heißt, Aussagen auf ihre Wahrhaftigkeit zu überprüfen“, beschrieb sie ihr Berufsverständnis. Deshalb lehne sie es beispielsweise konsequent ab, ihre Texte Gesprächspartnern vor der Veröffentlichung vorzulegen. „Es muss wieder ein Bewusstsein geben, dass alle Stellen, die mit Steuergeldern arbeiten, transparent zu sein haben“, forderte sie.

Dass sie auch künftig die dunklen Seiten der Wohlstandsgesellschaft im Blick haben wird, daran ließ Pat Christ am Sonntag keinen Zweifel und nannte als „extrem bedrückendes“ Beispiel die grassierende Wohnungsnot.

In der Journalistin und sensiblen Beobachterin Pat Christ werden die Schwachen und Unbeachteten in Würzburg und Umgebung auch künftig ihre Stimme haben, daran – so der Tenor der Veranstaltung – ist nach der Verleihung des 23. Würzburger Friedenspreises kein Zweifel.

Würzburger Friedenspreis

Der Würzburger Friedenspreis soll Frauen, Männer und Gruppen, insbesondere aus der Region, würdigen und vorstellen, die sich „von unten her“ in besonderer Weise im Bereich Frieden, Völkerverständigung oder Bewahrung der natürlichen Lebensgrundlagen eingesetzt haben.

Im Komitee Würzburger Friedenspreis wirken Initiativen und Einzelpersonen aus der Friedens-, Ökologie-, Eine-Welt- und Menschenrechtsarbeit sowie Parteien mit. Zum 50-jährigen Gedenken an die Zerstörung Würzburgs wurde der Preis 1995 zum ersten Mal verliehen.

Verleihung Friedenspreis an Pat Christ       -  Umarmung zweier Friedenspreisträger: Laudator Addis Mulugeta und Pat Christ.
Umarmung zweier Friedenspreisträger: Laudator Addis Mulugeta und Pat Christ. Foto: Daniel Peter

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