WÜRZBURG

"Würzburger Krawalle": Wolfgang Jungs laute Stadtführung

Dem Krawall nach: Wolfgang Jung führt und erklärt. Foto: OBERMEIER

Der Main-Post-Redakteur und Basketball-„Livetickermann“ Wolfgang Jung ist wieder unterwegs zu Orten, an denen die Randalierer und Renitenten Würzburgs in den vergangenen Jahrhunderten Krawall schlugen. „Würzburger Krawalle“ heißt seine gut 100-minütige Stadtführung, mit der er im zweiten Jahr unterwegs ist.

Der Krawallführer widerspricht der Vorstellung von den kreuzbraven, angepassten Würzburgern. Diese Stadt sei „viel bunter, wilder, blutiger und auch lustiger“, als ihr „Wein-, Barock- und Bratwurst-Image“ glauben mache. Der BR stellte Jungs Stadtführung als einen „Rundgang gegen die Klischees“ vor. Widerstand und Krawall habe es in Würzburg in allen Jahrhunderten gegeben. Würzburger lehnten sich gegen die Regentschaft der Fürstbischöfe auf, gegen den bayerischen König und die Nationalsozialisten. Dem Stadtrat machen sie es auch nicht leicht.

Krawall haben aber nicht nur arme Schlucker und unterdrückte Bürger geschlagen. Zu den Krawalleuren zählt Jung auch Herrscher wie Julius Echter von Mespelbrunn. Der Journalist hält den 61. Bischof von Würzburg für den „einflussreichsten und wirkungsmächtigsten“ Mann in der Geschichte der Stadt. Und für einen Verbrecher.

Im Stadtbild aber, kritisiert Jung, spiegele sich vom obrigkeitsfeindlichen Teil würzburgischer Identität nur wenig wider. Das offizielle Würzburg erinnere mit Straßennamen und Denkmälern eher an Soldaten aus deutsch-französischen Kriegen, an Kirchenmänner und an Parteigänger der Nazis. Die Erinnerungen an die Widerständigen aber seien zu wenig bis gar nicht gepflegt worden. Ein paar der Vergessenen stellt er vor.

Das „Würzburger Stadtbuch“ schrieb, Jung „brüllt dabei und singt, er rezitiert und sinniert, er wirbelt herum, zeigt historische Fotografien, er inszeniert regelrecht, das Trottoir ist seine Bühne“. Jung macht Spaß, die Krawall-Geschichten da zu erzählen, wo sie sich ereigneten. Das sei viel plastischer, als sie nur aufzuschreiben. Und das „Stadtbuch“ meint: „Viel plastischer geht nicht. Das liegt sicher auch an seiner Statur, seiner kräftigen Stimme. Aber vor allem am brillant zusammengetragenen und süffisant zugespitzten Inhalt.“

„Würzburger Krawalle“: immer donnerstags, am 23. und 30. Mai, 13., 20. und 27. Juni. Treffpunkt: Frankoniabrunnen vor der Residenz. Start: 19.30 Uhr. Kostenbeitrag: 5 Euro. Mehr Informationen unter schreibdasauf.info.

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Basketball
  • Bayerische Königinnen und Könige
  • Fürstbischöfe
  • Julius Echter von Mespelbrunn
  • Krawalle
  • Post und Kurierdienste
  • Randalierer
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!