Würzburg

Würzburger Logopäde steht ab März wegen Kindesmissbrauchs vor Gericht

Der Prozess gegen den Logopäden, der in Würzburg Kinder missbraucht haben soll, startet im März - möglicherweise zum Teil unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Dem Angeklagten droht eine lange Haftstrafe.
Pedophile standing at the entry
Symbolbild: Kindesmissbrauch Foto: KatarzynaBialasiewicz (iStockphoto)

Ein 37-jähriger Logopäde aus Würzburg muss sich ab dem 5. März vor dem Landgericht für schwere Übergriffe auf ihm anvertraute Kinder verantworten. Er ist angeklagt, über Jahre hinweg (unter Nutzung seiner Vertrauensstellung) sieben behinderte Buben sexuell missbraucht, dabei gefilmt und Aufnahmen darüber mit Gleichgesinnten getauscht zu haben. Ihm drohen bis zu 15 Jahre Haft.

Elf Verhandlungstage

An voraussichtlich elf Verhandlungstagen wollen die Richter am Würzburger Landgericht um den Vorsitzenden Michael Schaller den Vorwürfen auf den Grund gehen. Am 30. April könnte ein Urteil fallen. Dies bestätigte auf Nachfrage dieser Redaktion Rainer Volkert, der Pressesprecher des Landgerichts. Die Eltern einiger missbrauchter Buben wollen als Nebenkläger teilnehmen.

Die Generalstaatsanwaltschaft Bamberg hatte nach den monatelangen Ermittlungen wegen des Vorwurfs des sexuellen Missbrauchs von Kindern in 66 Fällen Anklage gegen den Würzburger erhoben. Der Beschuldigte war am 20. März 2019 zuhause festgenommen worden, als er gerade am Computer saß. Er hat die Taten während der Ermittlungen gestanden und der Polizei Passwörter genannt, die den Beamten Zugang zu verborgenen Dateien auf seinem Computer gaben.

Prozess möglicherweise teils nicht öffentlich

Umfangreiche Ermittlungen einer Sonderkommission der Polizei ergaben: Der Beschuldigte soll sich zwischen 2012 und 2019 wohl sieben männliche Opfer unter sechs Jahren gesucht haben.

Dieses Schild auf einem Zettel am Eingang zur einer Praxis für Logopädie zeugte von den Ermittlungen.  Foto: Daniel Karmann

Man könne davon ausgehen, dass es immer Buben waren, "bei denen zu erwarten war, dass sie sich nicht an Eltern oder Erzieher wenden", sagt Generalstaatsanwalt Thomas Janovsky in Bamberg. "In der Regel war es immer nur ein Kind, solange, bis dieses die Einrichtung verließ oder der Behandlungsvertrag endete." Die vom Missbrauch betroffenen Kinder waren teilweise schwer behindert. Nur eines habe sprechen können.

Da vor Gericht auch intime Einzelheiten erörtert werden, ist es fraglich, ob durchgehend öffentlich verhandelt wird. „Eine Entscheidung darüber ist noch nicht gefallen“, sagt Pressesprecher Rainer Volkert auf Anfrage. "Es ist aber mit großer Wahrscheinlichkeit zum Schutz der geschädigten Kinder zu erwarten, dass zumindest zeitweise die Öffentlichkeit von der Verhandlung ausgeschlossen wird.“

Im Zuge dieser Ermittlung hatte die Zentralstelle Cybercrime beim Generalstaatanwalt zahlreiche weitere Missbrauchsfälle im In- und Ausland entdeckt. Die konspirativ arbeitende Szene ist untereinander vernetzt und tauscht Bilder, teilweise auch Adressen, an denen Missbrauch von Kindern tatsächlich stattfindet.  Es gab 42 weitere Ermittlungsverfahren mit insgesamt zehn Verdächtigen.

Schlagworte

  • Würzburg
  • Manfred Schweidler
  • Angeklagte
  • Anklage
  • Computer
  • Festnahmen
  • Generalstaatsanwälte
  • Kinder und Jugendliche
  • Kindesmissbrauch
  • Missbrauchsaffären
  • Polizei
  • Pressesprecher
  • Öffentlichkeit
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
1 1
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!