Würzburg

Würzburger Norden: Ein Tunnel durch den Steinberg soll helfen

Die Uniklinik wächst und wächst. Die Bewohner des Würzburger Nordens fühlen sich mit den Verkehrsproblemen alleine gelassen. Die Freien Wähler haben eine Idee.
Mit einem Tunnel von der B27 im Bereich Ständerbühlstraße sollen die Unikliniken nach Vorschlag der Freien Wählergemeinschaft  künftig erschlossen werden. Das Projekt wurde am Dienstag bei einer Pressekonferenz vorgestellt. Die Kosten bezifferte FWG-Chef Josef Hoffmann auf rund 35 Millionen Euro, die Bauzeit incl. Genehmigungsverfahren schätzt er auf vier bis fünf Jahre.
Mit einem Tunnel von der B27 im Bereich Ständerbühlstraße sollen die Unikliniken nach Vorschlag der Freien Wählergemeinschaft künftig erschlossen werden. Das Projekt wurde am Dienstag bei einer Pressekonferenz vorgestellt. Die Kosten bezifferte FWG-Chef Josef Hoffmann auf rund 35 Millionen Euro, die Bauzeit incl. Genehmigungsverfahren schätzt er auf vier bis fünf Jahre. Foto: Visualisierung FWG

Bislang war es relativ ruhig im Rennen um die Stadtratssitze im Würzburger Rathaus. Doch jetzt meldet sich mitten im Wahlkampf die Freie Wählergemeinschaft (FWG) um ihren Vorsitzenden Josef Hofmann mit einer Idee zu Wort, die vor allem, aber nicht nur, den Würzburger Norden betrifft.  

Rund 1,2 Milliarden Euro werde der Freistaat in den kommenden Jahren in den Ausbau und die Verbesserung des Universitätsklinikums stecken, erläuterte Hoffmann jetzt bei einer Pressekonferenz. "Aber es fehlt seit Jahren ein schlüssiges Verkehrskonzept, was Grombühl, den Zinklesweg, das Steinlein, die Lindleinsmühle und Oberdürrbach betrifft.  Wie sollen die neuen Kliniken erschlossen werden ohne noch mehr Stau und Lärm?", fragte der FWG-Vorsitzende.

"Der Verkehr muss gebändigt werden."
Josef Hofmann - FWG-Fraktionsvorsitzender

 "Kleine Krankenhäuser auf dem Land werden schließen, immer mehr wird sich in Würzburg abspielen, Oberdürrbach hat man schon bei der Eingemeindung Anfang der 1970er Jahre einen besseren Anschluss an das restliche Stadtgebiet versprochen", fasste er zusammen. Betroffen vom Verkehr rund um die Kliniken seien 23 000 Menschen in den Stadtteilen des Würzburger Nordens. "Der Verkehr muss gebändigt werden." Man könne nicht den Gesundheitsstandort stärken und die Anwohner dabei krank machen, so Hofmann.

Die Antwort: Ein Tunnel von der Bundesstraße 27 im Bereich Ständerbühlstraße hinauf zum neuen Klinikgelände.  "Der Vorteil: So einen Tunnel kann an bereits bestehende Verkehrsverbindungen angebunden werden", so Hofmann. Der Tunnel selbst soll bei einer Steigung von rund fünf Prozent etwa 860 Meter lang durch den Untergrund des Steinbergs geführt werden. Auf der Stadtseite wird er mit einer Schleife von der Ständerbühlstraße aus mittels einer Brücke über die Bundesstraße 27/Nordtangente angeschlossen, droben über eine Brücke über die Rimparer Steige und einen Kreisverkehr an die Verbindungsstraße von Grombühl  und den Unikliniken nach Oberdürrbach. 

Der größte Teil der benötigten Flächen befindet sich im Besitz der öffentlichen Hand

Für die Einfahrt in den sogenannten "Schalksbergtunnel" würden lediglich rund 80 Quadratmeter der insgesamt rund 645 000 Quadratmeter großen Rebfläche des Steinbergs benötigt, rechnete Hofmann vor. Die größten Teile der benötigten Flächen, auch für eine Brücke über die Rimparer Steige, würden sich ohnehin im Besitz der öffentlichen Hand, Freistaat oder Stadt, befinden und die Eingriffe in die Natur wären minimal. Im Bereich der Schleife an der Ständerbühlstraße könnten entweder eine Grünfläche oder ein P&R-Parkhaus mit 800 bis 1000 Plätzen entstehen. Dessen Nutzer könnten über einen Shuttlebus durch den neuen Tunnel hoch zu den Unikliniken  gelangen oder über einen Fußgängertunnel unter den Bahngeleisen zum Hauptbahnhof und in die Innenstadt.

Dies würde zu einer deutlichen Entlastung der betroffenen Stadtteile und des Greinbergknotens führen, führte Hofmann weiter an. Oberdürrbach bekäme seine Anbindung, die Kliniken wären perfekt an das Straßenverkehrsnetz angebunden, die Wege für Rettungsfahrzeuge wären kürzer und die Menschen im Würzburger Norden bekämen endlich mehr Lebensqualität, fasste er zusammen.

Die Gesamtkosten sollen laut Hofmann rund 35 Millionen Euro betragen

Bleiben die Kosten. "Folgt man den Ansätzen des bayerischen Verkehrsministeriums, kommt man für den Tunnel auf Kosten von rund 20 Millionen Euro. Etwa fünf Millionen Euro veranschlagen die Freien Wähler für den Innenausbau, für Brücken und Anbindung kämen weitere zehn Millionen hinzu. Dies führe zu Gesamtkosten von rund 35 Millionen Euro, rechnete Hofmann vor.

"Das ist sicherlich nicht zu hoch gerechnet", sagte er und griff Kritikern gleich vor: "Die staatliche Förderung für den Ausbau des Zeller Bocks lag bei 80 Prozent. Bleiben der Stadt rund sieben Millionen Euro. Zudem nehmen wir der Uni damit sämtliche Sorgen, also sollte sich auch die beteiligen. Verteilt man den Rest auf drei Haushaltsjahre, wird das zum Schnäppchen."

Verwaltung soll nach den Kommunalwahlen die Pläne prüfen und bewerten

Inklusive Genehmigungsverfahren rechnen Hofmann und seine Mitstreiter mit "vier bis fünf" Jahren, in denen sich der Vorschlag verwirklichen ließe. "Aber solche Planungen können wir nicht alleine in Gang setzen", weiß der Fraktionsvorsitzende, "das geht nur im Zusammenschluss mit den anderen Fraktionen im Stadtrat".  Ähnliche Pläne waren bereits vor rund zehn Jahren im Stadtrat diskutiert worden, jedoch wieder im Sande verlaufen. Nach den Kommunalwahlen am 15. März jedenfalls, wollen die Freien Wähler im Stadtrat beantragen, die Pläne durch die Verwaltung prüfen und bewerten zu lassen.

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