Würzburg

Würzburger Wärmestube in der Rüdigerstraße lädt zum Kennenlernen ein

Winfried und Andrea Breidenbach, mit den Besucherinnen Maria Bell (links) und Margit Rosario-Romann (rechts), engagieren sich seit über zehn Jahren in der Wärmestube.
Winfried und Andrea Breidenbach, mit den Besucherinnen Maria Bell (links) und Margit Rosario-Romann (rechts), engagieren sich seit über zehn Jahren in der Wärmestube. Foto: Günther Purlein

Maria Bell fühlt sich hier pudelwohl. "Ich komme täglich", sagt die 83-Jährige. Vor ihr liegen ein Metermaß und eine Schere, in ihren Händen klappern die Stricknadeln. "Die Socken kriegt mein Schwiegersohn, der hat große Füße", lacht die Rentnerin.

Wer an Wärmestube denkt, vermutet kaum, hier auf Menschen wie Bell zu treffen. "Deswegen organisieren wir am 15. März einen Tag der offenen Tür", sagt Sozialarbeiter Adrian-Ernesto Jiménez. Das schreibt die Christophorus-Gesellschaft in einer Pressemitteilung.

In die Wärmestube kommen Menschen, die schon länger ohne Arbeit sind und mit jedem Euro haushalten müssen. Wohnungslose schauen vorbei. Aber auch Armutsrentner wie Maria Bell. "Ich hab 300 Euro im Monat", erzählt die Seniorin in ihrer fröhlichen Art.

Kaum Rente trotz Fabrikarbeit

Bell stammt aus Siebenbürgen, 1982 verließ sie Rumänien: "Unseren Kindern war es verboten worden, Deutsch zu lernen", erzählt sie. Die Familie landete zunächst in Kitzingen, wo Bell in einer Fabrik zu arbeiten begann: "Das war richtig harte Akkordarbeit." Trotzdem muss sie jetzt von einer minimalen Rente leben.

Das tut ihrer guten Laune jedoch keinen Abbruch. Maria Bell wirkt quicklebendig und lebensfroh. "Ich lache fast immer", bestätigt sie und strahlt. Was würde auch das Klagen nützen. So schlecht gehe es ihr nicht. "In der Wärmestube bekomme ich oft Brot, richtig gutes Brot, daran habe ich zwei Wochen und es schmeckt bis zum Schluss", sagt sie.

Ist die Tasse, die vor ihr steht, leer, kann sich Bell Tee nachschenken lassen. Das genießt sie. Jemand hat heute auch Schokolade mitgebracht. Die ehrenamtlichen Helfer Andrea und Winfried Breidenbach kommen herein und haben hart gekochte Eier, Weißwürste, Brezel und süßen Senf dabei. Bells Augen leuchten ob der Köstlichkeiten.

In der Mitte der Gesellschaft

In der Wärmestube treffen Rentner wie Maria Bell auf Rechtsanwälte, die ehrenamtlich beraten, Wohnungslose begegnen Ärzten, die sich freiwillig um ihre Blessuren kümmern. "Das hier ist nicht der Rand der Gesellschaft, wir sind mitten in der Gesellschaft", sagt Jiménez vom Leitungsteam. Beim Tag der offenen Tür können Interessierte von 12 bis 15 Uhr erleben, wie bunt und lebendig der Treffpunkt in der Würzburger Rüdigerstraße ist.

Sogar eine kleine Kunstausstellung eines kreativen Stammgastes wird es geben. Dass die Menschen hier völlig "anders" wären, ist eine Mär, meint Andrea Breidenbach, die sich seit über zehn Jahren ehrenamtlich für die Wärmestube der Christophorus-Gesellschaft engagiert. Ihr macht es Freude, die Besucher der Wärmestube ein bisschen zu verwöhnen.

Deshalb backt sie regelmäßig und organisiert etwa einmal im Vierteljahr einen aufwändigen Frühstücksbrunch. "Wenn ich auf diese Weise etwas Gutes tue, sehe ich ganz konkret, was meine Spende bewirkt", erklärt sie ihre Motivation.

Ehrenamtliche werden geehrt

Die Wärmestube hat sechsmal in der Woche geöffnet, auch sonntags. Nur montags ist Ruhetag. Zu stemmen ist die Arbeit nur durch das Engagement vieler Ehrenamtlicher. Sie engagieren sich, wie Winfried und Andrea Breidenbach, seit mehreren Jahren.

"Diese Freiwilligen wollen wir beim Tag der offenen Tür um 14 Uhr ehren", kündigt Jiménez an. Neben den Breidenbachs wird vor allem Erna Schleifer geehrt und gleichzeitig verabschiedet. Schleifer ist seit 15 Jahren ehrenamtlich als Fußpflegerin in der Wärmestube aktiv. Lange suchte sie nach einer Nachfolgerin. Nun hat sie die endlich gefunden.

Der Tag der offenen Tür in der Wärmestube der Christophorus-Gesellschaft, Rüdigerstraße 2, in Würzburg findet am Sonntag, 15. März, von 12 bis 15 Uhr statt.

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