Würzburg

Würzburger Welterbe-Träume sind vorerst geplatzt

Die Würzburger Residenz ist Weltkulturerbe seit 1981. Nun sollte Röntgens Nobelpreisurkunde ins Weltdokumentenerbe folgen. Warum sagt die deutsche Unesco-Kommission nein? 
Die allererste verliehene Nobelpreisurkunde der Welt wird im Würzburger Universitätsarchiv aufbewahrt. Es ist die Urkunde für Physiker Wilhelm Conrad Röntgen und soll ins digitale Weltdokumentenerbe aufgenommen werden. Das hofft Historikern Mareile Mansky. Foto: Thomas Obermeier

Die Zuversicht war groß, doch die Uni Würzburg ist raus aus dem Rennen um einen Platz im Weltdokumentenerbe der Unesco. Zunächst jedenfalls. Beworben hatte man sich mit der ersten Nobelpreisurkunde, die jemals in Stockholm verliehen wurde - am 10. Dezember 1901 an Physiker Wilhelm Conrad Röntgen, Würzburgs bis heute bekanntesten Wissenschaftler

Ausschnitt der Nobelpreisurkunde für den Würzburger Physik-Professor. Foto: Thomas Obermeier

Wie berichtet, wird die zweiseitige, von Hand künstlerisch gestaltete Urkunde in einem Schließfach des Universitätsarchivs aufbewahrt. Röntgen, von 1888 bis 1900 Physik-Professor an der Julius-Maximilians-Universität, hatte im November 1895 in seinem Würzburger Labor die später nach ihm benannten Strahlen entdeckt.

"Zeugnisse von außergewöhnlichem Wert für die Menschheitsgeschichte"

Alle zwei Jahre nimmt die Unesco neue Dokumente in das digitalisierte Welterbe ("Memory of the World") auf - und jedes Land kann dafür zwei Kandidaten nominieren. Dokumentarische Zeugnisse "von außergewöhnlichem Wert für die Menschheitsgeschichte" sind gefragt. Sie sollen "kulturelle Wendepunkte der Geschichte" in Erinnerung rufen und Quelle sein für heutige und künftige Gesellschaften.

Wilhelm Conrad Röntgen auf einem Archivbild, das in der Brandnacht des 16. März 1945 beschädigt wurde Foto: Thomas Obermeier

Genau dafür steht aus Sicht von Historikerin Mareile Mansky aus dem Uni-Archiv die allererste Nobelpreisurkunde - für eine Epoche des Aufbruchs in den Naturwissenschaften am Ende des 19. Jahrhunderts. Doch das deutschen Nominierungskomitee hat die Würzburger Bewerbung ausgesiebt. Sie zog den Kürzeren gegen das Röntgen-Museum in Remscheid, dem Geburtsort des Physikers.

Konkurrenz aus dem Remscheider Röntgen-Museum

Dort hatte man sich mit Originaldokumenten zur eigentlichen Entdeckung der Strahlen beworben, gleichwohl diese in Würzburg gemacht wurde: die berühmte Aufnahme der Hand von Anna Bertha Röntgen sowie eines Gewehrs. "Mit den beiden Aufnahmen sollen beispielhaft die breiten Anwendungsspektren der Röntgenstrahlen in der Medizin und Materialkunde aufgezeigt werden", erklärt Katja Römer, Sprecherin der Deutschen Unesco-Kommission.

Diese hält den Nominierungsvorschlag für "vielversprechend" und räumt damit der Entdeckung der Röntgenstrahlen Vorrang ein vor deren Auszeichnung mit dem Nobelpreis. Daran konnte auch die Tatsache nichts ändern, dass es sich um die erste jemals verliehene Urkunde handelt. Zur Abgrenzung gegenüber den Hunderten späteren Nobelpreisen reichte dies nicht. Offenbar wollte das Deutsche Komitee nicht mit zwei Röntgen-Themen ins internationale Rennen gehen.

Nächste Kandidaten: Mittelalter-Liederhandschrift und weltältester Globus

Wobei für die nächste Runde zwei ganz andere Kandidaten nominiert wurden: der Codex Manesse aus der Universitätsbibliothek Heidelberg und der Behaim Globus aus dem Germanischen Nationalmuseum Nürnberg. Die Bilddokumente aus dem Remscheider Röntgen-Nachlass sollen laut Sprecherin Römer "zum nächstmöglichen Zeitpunkt" eingereicht werden. Ob es 2019 überhaupt eine internationale Entscheidung gibt, ist derzeit noch offen. Das "Memory of the World"-Programm wird überarbeitet, aktuell werden laut Römer keine Nominierungen angenommen.

Künstlerisch gestaltet ist die Nobelpreisurkunde unter anderem mit Röntgens Apparatur für seine Strahlenversuche. Foto: Thomas Obermeier

Deutschland hat bis dato 24 Einträge ins Weltdokumentenerbe, darunter das Benz-Patent als Geburtsurkunde des Automobils, Dokumente zum Bau und Fall der Berliner Mauer, Beethovens 9.Symphonie oder das Manifest der Kommunistischen Parteivon Karl Marx. 

Würzburger Bewerbung soll überarbeitet werden

Im Würzburger Universitätsarchiv ist man enttäuscht über die Absage aus Bonn. Aber den Kopf hängen lassen? Nein. Die Bewerbung soll für einen neuen Anlauf überarbeitet werden – und dann noch stärker das Alleinstellungsmerkmal als allererster Nobelpreis unterstreichen. Historikerin Mansky sieht die Würzburger Urkunde nach wie vor nicht in Konkurrenz zu Remscheid. Man wünsche dem dortigen Museum als Kooperationspartner mit der Bewerbung "viel Glück, da es für uns auf jeden Fall wichtig wäre, 'unseren' Röntgen überhaupt in der Datenbank zu wissen".

Und in zwei Jahren wird wieder Jubiläum gefeiert: 125 Jahre Entdeckung der Röntgenstrahlen.  Vielleicht ein guter Zeitpunkt für den zweiten Anlauf. "Er ist es auf jeden Fall wert", ist Mansky überzeugt. Denn die in Würzburg lagernde Debüt-Nobelpreisurkunde "ist ein absolut außergewöhnliches Stück".

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