WÜRZBURG

Würzburger greifen nach dem Weltall

Staatssekretärin Brigitte Zypries (SPD) zu Besuch an der Universität in Würzburg       -  Besuch in Würzburg: Bundestagsabgeordneter Bernd Rützel, Staatssekretärin Brigitte Zypries und Landtagsabgeordneter Volkmar Halbleib (alle SPD) im Kleinsatellitenzentrum der Uni. Anschließend besuchte Zypries das Bayerische Zentrum für Angewandte Energieforschung (ZAE) am Hubland.
Besuch in Würzburg: Bundestagsabgeordneter Bernd Rützel, Staatssekretärin Brigitte Zypries und Landtagsabgeordneter Volkmar Halbleib (alle SPD) im Kleinsatellitenzentrum der Uni. Anschließend besuchte Zypries das Bayerische Zentrum für Angewandte Energieforschung (ZAE) am Hubland. Foto: Daniel Peter

Im Moment fliegen drei „echte Würzburger“ durch das Weltall. So nennt Professor Klaus Schilling die Kleinstsatelliten, die im Zentrum für Telematik (ZfT) entwickelt und gebaut wurden und die nun in einer Höhe von 600 Kilometern die Erde umkreisen. Der Erste mit Namen UWE startete schon im Jahr 2005, UWE-2 und UWE-3 folgten 2009 und 2013. Und Schilling will noch höher hinaus. Geht es nach ihm, wird am Kleinsatellitenzentrum der Uni Würzburg ein Testzentrum eingerichtet. Das erste seiner Art in Deutschland. Am Mittwoch war deshalb Brigitte Zypries, Staatssekretärin im Bundeswirtschaftsministerium, am ZfT zu Gast. Ob Unterfranken dafür auf Unterstützung aus Berlin hoffen darf, ließ die SPD-Politikerin allerdings offen.

Mit Hilfe von Hunderten miteinander vernetzten Kleinstsatelliten – die in Formation um die Erde fliegen – könnte schnelles Internet an jeden Ort der Welt gebracht werden. Die Winzlinge mit einer Kantenlänge von rund zehn Zentimetern sind dabei vor allem günstiger als ihre großen Brüder, die in 36 000 Kilometern den Äquator umrunden. Hinter der Technologie der sogenannten Pico-Satelliten steckt aus Sicht des ZfT enormes wirtschaftliches Potenzial. Denn neben privaten Internetnutzern sei sie vor allem für die weltweit vernetzten industriellen Produktionsanlagen relevant. Die Bundesregierung unterstützt hier im Programm „Industrie 4.0“ die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft.

Gegenüber der Idee eines Kleinstsatelliten-Testzentrums in Würzburg, ist Zypries zwar aufgeschlossen und lobte die Arbeit Schillings. Zu konkreteren Aussagen ließ sie sich im Gespräch mit der Redaktion allerdings nicht hinreißen. „Man muss erst einmal sehen, wie sich das realisieren lässt und miteinander über mögliche Konzepte sprechen. Es soll ja nicht so sein, dass nur die öffentliche Hand bezahlt, ich sehe hier auch die Industrie gefordert“, meinte sie. Es gelte zu klären, wie sich die Industrie beteiligen könne.

In den USA ist man schon etwas weiter. Bekannte Firmen wie OneWeb oder Google forschen in dem Bereich. Entsprechende Konferenzen ziehen Tausende Interessenten aus Wissenschaft, Industrie und Militär an. Die Firma SpaceX plant unterdessen, eine Satelliten-Konstellation von über 1000 Satelliten zu installieren – und will seinen Mitarbeiterstamm von derzeit 40 auf 1000 Mitarbeiter aufstocken.

Mit Blick auf den Boom in den Vereinigten Staaten mahnt Bernd Rützel, SPD-Bundestagsabgeordneter aus Gemünden (Lkr. Main-Spessart): „Was in Würzburg entwickelt wird, ist im Moment Weltspitze. Aber man darf sich darauf nicht ausruhen.“ Rützel lotste gemeinsam mit der unterfränkischen SPD Zypries nach Würzburg und versprach, sich auch weiterhin für das Testzentrum am ZfT stark zu machen. „Ich werde mit Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel noch einmal darüber sprechen“, sagte er. Vielleicht ergebe sich schon in diesen Tagen eine Gelegenheit dazu, wenn die SPD-Bundestagsfraktion zu ihrer Klausur in Mainz zusammenkommt.

An der Arbeit Schillings wird es wohl nicht scheitern. Der Wissenschaftler bekam für seine Arbeit jüngst eine der höchsten internationalen Forschungsauszeichnungen. Laut Schilling wäre die Etablierung eines Kleinstsatelliten-Testzentrums in Würzburg ein „großer Schritt für die Region“. Schließlich käme die Forschung nicht nur der Satellitentechnik zugute.

Auch die Bereiche des Maschinenbaus oder der Automobilzulieferer könnten davon profitieren. Die Forschungsbedingungen hält Schilling in Würzburg für bestens geeignet. Mit dem Preisgeld für seine Forschung wird nun in einer Halle des ZfT ein Test mit mehreren Satelliten, die eine Formation einhalten, realisiert. Und spätestens Anfang 2016 soll mit UWE-4 der vierte Würzburger ins All fliegen.

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