WÜRZBURG

Würzburger öffnen Schranken in Berlin

Hektische Betriebsamkeit: In der Leitstelle der SVG laufen die Fäden für mehr als 100 000 Parkplätze aus ganz Deutschland zusammen. Foto: Norbert Schwarzott

Die Stadtverkehrs-GmbH (SVG) betreut und bewirtschaftet in Würzburg 7300 Stellplätze und versorgt so pro Jahr drei Millionen Autofahrer mit Parkplätzen. In die Schlagzeilen kommt die Tochter des Energiekonzerns Würzburger Versorgungs- und Verkehrs-GmbH (WVV) immer dann, wenn die Parktarife in der Domstadt wieder einmal erhöht werden sollen. Tatsächlich ist die SVG aber ein hoch technisiertes Unternehmen, das bundesweit und in den Nachbarländern Österreich und Schweiz bei der Bewirtschaftung von Parkflächen ganz vorne mitspielt.

Walter Beck ist der Mann der ersten Stunde. 1988 war er der erste Angestellte in der neuen Gesellschaft. Heute ist er der SVG-Chef. Eine seiner damaligen Aufgaben: Wie schafft man es, die Würzburger Parkhäuser rund um die Uhr in Betrieb zu nehmen? Beck suchte lange Zeit eine Firma mit dem technischen Knowhow. Und entwickelte die Leitstellentechnik selbst mit.

Zeitsprung: Im Jahr 2014 hat die SVG 54 Mitarbeiter, eine zentrale Leitstelle in der Kapuzinerstraße und 170 Anlagen mit über 100 000 Stellplätzen im ganzen Bundesgebiet zur Betreuung. Eine Erfolgsgeschichte, auf die Beck auch sichtlich stolz ist. Die SVG gibt es mittlerweile 26 Jahre. Sie macht derzeit einen Umsatz von zehn Millionen Euro im Jahr.

Was macht das Würzburger Unternehmen so erfolgreich? „Wir sind die Pioniere, die mit nur einer Leitstelle arbeiten“, sagt Walter Beck. „Und durch unsere flexible Vorgehensweise spart der Betreiber vor Ort Personalkosten und Investitionen.“ Denn alle Kunden sind auf die eine Stelle in der Würzburger Kapuzinerstraße aufgeschaltet. Und da herrscht ganz schöne Betriebsamkeit. 2000 Anrufe pro Tag gehen ein und werden beantwortet, meist Fragen von Parknutzern, die sich schnell klären lassen.

Das Geschäft ist hart, die 19 mehrsprachigen SVG-Angestellten in der Leitstelle arbeiten im Schichtbetrieb und sind sogar an Zeitlimits gebunden. Beck: „Wir haben uns vertraglich verpflichtet, Anrufe binnen 20 Sekunden entgegen zu nehmen. Sonst gibt es Geldabzug vom Kunden.“ Die mittlere Wartezeit für Kunden in ganz Deutschland beträgt vier Sekunden.

„Wir sind die Pioniere, die mit nur einer Leitstelle arbeiten.“
Walter Beck, Leiter der Stadtverkehrsgesellschaft

In der Leitstelle laufen viele Monitore mit Kamerabildern von Brennpunkten. Wenn ein Anruf eingeht, kann der Mitarbeiter das dazugehörige Kamerabild aufrufen. Und in der Leitstelle sind Datenblätter von allen Parkgaragen und -plätzen hinterlegt, die auch genaue Anweisungen für die SVG-Leute in Würzburg beinhalten. Bei einem Brand, beispielsweise in Berlin, werden sofort die Schranken von der Kapuzinerstraße aus geöffnet, die jeweilige städtische Feuerwehr angerufen, der Geschäftspartner informiert und technischer Support angefordert.

„Bisher sind wir zum Glück vor großen Problemen verschont geblieben“, resümiert der SVG-Chef. Und so geht es meist um defekte Schranken – ein Handwerker vor Ort fährt hin und repariert –, verlorene Parktickets oder um Leute, die Informationen haben wollen. „Unsere Mitarbeiter haben genaue Pläne und können so weiterhelfen, wenn der Kunde beispielsweise wissen möchte, wo in welchem Einkaufszentrum welcher Laden ist,“ sagt Beck.

Wenn man sich so spezialisiert hat, kommen die Interessenten auch schon mal von weiter her. Ein Schrankenhersteller hatte Probleme mit dem Aufbau in Kuwait, die Würzburger Techniker machten sich auf den Weg in die Wüste. Der gute Ruf in der Branche sorgt für immer neue SVG-Partner. So betreut das Würzburger Unternehmen mittlerweile 44 ECE-Shoppingcenter, 48 Karstadt-Warenhäuser – unter anderem das KADEWE in Berlin –, die Nürnberger Kliniken Nord/Süd und die Uniklinik in München Groß-Hadern und in der Innenstadt.

Der ECE-Auftrag mit den Einkaufs-Malls brachte zuerst nicht nur Freude. „Wir wurden von einem Mitbewerber verklagt“, erinnert sich Beck. Eigentlich darf die SVG als WVV-Tochter nur in der Region im Rahmen der Daseinsvorsorge tätig werden. Und daher werden dann Aufträge im In- und Ausland schon von der Konkurrenz skeptisch beäugt. Umsätze, die außerhalb der Region erwirtschaftet werden, müssen in einer privaten Gesellschaft abgebildet werden, erläutert der SVG-Chef. Gemeinsam mit der Regierung von Unterfranken fand man dann ein helfendes Konstrukt: die Sparkassen-Stiftung als privater Gesellschafter bei der SVG, Problem gelöst.

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