WÜRZBURG

Würzburgerin kämpft auf Fidschi gegen den Klimawandel

Anna Halbig an einem Strand in Fidschi. Sturmfluten haben Treibholz und Müll aus dem Landesinneren angespült. Die 27-jährige Würzburgerin war im Rahmen eines Austausches junger Klimaengagierter im pazifischen Inselstaat. Foto: Shirin Engel

Ein kleiner Ort auf Fidschi. In einer provisorisch aufgebauten Schule sitzen 17 deutsche Jugendliche mit Einheimischen. Ein kleiner Junge erzählt von seinem Zuhause. Besser gesagt von seinem ehemaligen Zuhause. Der Junge ist acht Jahre alt. Als vor eineinhalb Jahren ein Zyklon über die Insel fegte, wurde das Haus seiner Familie zerstört. Seitdem ist er obdachlos. Es sind tief greifende Momente, von denen Anna Halbig erzählt. Die 27-jährige Würzburgerin ist Jugenddelegierte bei den UN-Klimaverhandlungen und war im Rahmen eines Jugendaustausches der Stiftung für die Rechte zukünftiger Generationen auf dem Inselstaat.

17 junge Menschen in Fidschi

Mit traditionellem Tanz hat am 6. November die Republik Fidschi die Präsidentschaft für die 23. UN-Weltklimakonferenz in Bonn übernommen. Teilnehmer aus aller Welt treffen sich, um über Klimaschutz zu diskutieren und zu verhandeln. In diesem Zusammenhang reiste die Würzburgerin Anna Halbig mit 16 weiteren Deutschen nach Ozeanien.

Die Jugendlichen im Alter von 18 bis 27 Jahren haben sich auf dem Inselstaat mit verschiedenen Bevölkerungsgruppen getroffen, um hautnah zu erleben und zu sehen, welche Folgen der Klimawandel haben kann. „Wir hatten viel Kontakt mit Einheimischen, die uns über ihre Probleme berichtet haben, so hatten wir die Möglichkeit zu sehen, was Klimawandel eigentlich wirklich bedeutet“, sagt die Würzburgerin. Nach dem Besuch in der Schule wurde die Gruppe an einen naheliegenden Strand geführt, welcher „alles andere als paradiesisch aussah“: entwurzelte Pflanzen, querbeet verstreute Palmenzweige und Treibholz, so weit das Auge reicht – alles Folgen von Überschwemmungen.

In einem anderen Ort konnten die Teilnehmer hautnah erleben, was der Meeresspiegelanstieg in Kombination mit Ernährungssicherheit bedeutet. „Auf Fidschi wird viel Zuckerrohr angebaut. Bei steigendem Meeresspiegel stauen sich die Flüsse und ergießen sich auf die Äcker, wodurch vermehrt Flusskrebse auf die Felder gelangen, die die Ernte anknabbern und vernichten“, erzählt Halbig. Ein weiteres Problem: Viele landwirtschaftliche Produkte sind nicht salzwasserresistent. Die Ernten werden zerstört. „Für ein Land, welches stark von der Landwirtschaft abhängig ist, ist das natürlich katastrophal“.

Klimaflüchtlinge als Uni-Projekt

Während andere Menschen in Anna Halbigs Alter in den Urlaub fahren oder feiern gehen, pflanzt sie Mangroven. Doch warum reist eine junge Frau von Franken nach Ozeanien, um sich für den Schutz des Klimas einzusetzen? „Ich hatte mich im Vorfeld schon viele Jahre mit dem Klimaschutz beschäftigt. Startschuss war ein juristisches Projekt über Klimaflüchtlinge im Rahmen meines Studiums“, erzählt sie.

Als Klimaflüchtlinge werden Menschen bezeichnet, die aufgrund von starken Umweltveränderungen gezwungen werden, ihre Heimat zu verlassen. „Das Projekt beschäftigte sich im Grunde damit, ob diese Personen auch Flüchtlinge im rechtlichen Sinn sind. Von daher war es das Eindrucksvollste für mich zu sehen, dass das tatsächlich stattfindet.“

Tropische Stürme werden intensiver

Fidschi ist eine isolierte Inselgruppe im Südwestpazifik und besteht aus insgesamt 332 Inseln. Nicht wenige von ihnen seien infolge des steigenden Meeresspiegels vom Untergang bedroht, so die Juristin. Von der Bevölkerung her ist der Staat kleiner als Frankfurt, jedoch gibt es jetzt schon 50 Orte, die möglicherweise evakuiert werden müssen. Einige Dörfer wurden bereits in höher liegende Regionen umgesiedelt.

Nach einer Studie der Universität Hamburg seien dort einzelne Inseln in den letzten 70 Jahren um bis zu 30 Meter geschrumpft. Ein höherer Meeresspiegel führt dazu, dass auch die tropischen Stürme, die die Inseln regelmäßig heimsuchen, mit verstärkter Intensität zuschlagen. Doch nicht nur durch den Anstieg des Meeres werden Stürme stärker. Der Klimawandel führe auch direkt zu häufigeren und heftigeren Stürmen, so die Autoren der Studie. Manche prophezeien für den Südpazifik eine Zunahme der Sturmstärken um durchschnittlich zehn bis 20 Prozent.

Alleine im Jahr 2015 mussten fast 20 Millionen Menschen als Folge von Umweltkatastrophen ihre Heimat verlassen. „Für mich war das wahnsinnig spannend, das eher theoretische Projekt aus dem Studium vor Ort hautnah zu erleben und Betroffene kennenzulernen. Das war sehr einprägsam“, erinnert sich Anna Halbig.

Juristen beschäftigen sich mit Energiewende

Mittlerweile hat die 27-Jährige fertig studiert, auch ihr Referendariat hat sie bereits abgeschlossen. Um ihr ehrenamtliches Engagement fortzusetzen, arbeitet sie jetzt bei der Stiftung Umweltenergierecht in Würzburg. „Wir sind Juristen, die sich mit der Energiewende beschäftigen“, erzählt sie. Die Stiftung schaut, welche energie- und klimapolitischen Ziele die Bundesregierung setzt und wie man diese Ziele ins Gesetz umsetzen kann.

„Das ist eine große Motivation auch für meine berufliche Arbeit, wenn ich auf Fidschi bin und merke, dass ich tatsächlich einen Beitrag dazu leisten kann, dass die Welt am anderen Ende der Welt ein bisschen besser wird“, sagt sie stolz. Dies sei auch ein Ziel auf den Klimakonferenzen: „Wir wollen Präsenz schaffen gegenüber den Länderdelegierten, um das Anliegen der Inselstaaten zu fördern, wollen aber auch dafür werben, dass Anpassungsmaßnahmen folgen.“

An die Zeit in der ozeanischen Republik wird sich die junge Frau noch lange erinnern. Besonders fasziniert haben sie die Fidschianer selbst: „Klimawandel wird oft düster dargestellt und die Probleme in den Vordergrund gehoben. An der Kultur fand ich es so schön zu sehen, dass der Mut nicht verloren geht, sondern aktiv daran gearbeitet wird, etwas zu verändern.“

Anna Halbig (Zweite von links) und die anderen Teilnehmer des Jugendaustausches im Gespräch mit Dorfvorstehern über ihre Erfahrungen mit dem Klimawandel. Foto: Lagi Seru
Anna Halbig (links) und zwei Kolleginnen zu Besuch in einer Schule. Die 17 deutschen Teilnehmer des Jugendaustausches informieren sich vor Ort über die Folgen des Klimawandels in Fidschi. Foto: René Kieselhorst
Zurück in Würzburg: Anna Halbig erzählt über ihren Aufenthalt in Fidschi. Seit 2013 ist die Würzburgerin als Klima-Botschafterin für die Stiftung für die Rechte zukünftiger Generationen ehrenamtlich engagiert und war als UN-Jugenddelegierte auf verschiedenen UN-Klimakonferenzen. Foto: Sophia Scheder

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