WÜRZBURG

Würzburgs Rudervereine streiten weiter

Im letzten Jahr eröffneten die Rudervereine am 1. Mai an der Löwenbrücke die Ruder-Saison noch gemeinsam. Foto: FOTO Patty Varasano

Die Zuschauer auf der Löwenbrücke oder am Mainufer werden an diesem Montag um 10.30 Uhr optisch wohl kaum einen Unterschied bemerken: Mit dem traditionellen „Anrudern“ auf dem Main beginnt dann wie jedes Jahr seit fast 100 Jahren am 1. Mai offiziell die neue Rudersaison. Allerdings wird – wegen der anhaltenden Querelen zwischen den Würzburger Rudervereinen – das Anrudern in diesem Jahr zum ersten Mal seit Jahrzehnten nicht vom Regattaverein Würzburg organisiert.

Es sind auch nicht alle drei Rudervereine am Start: Der Würzburger Ruderverein Bayern (WRVB) hat den Auftakt zur Rudersaison bereits am vergangenen Sonntag mit einem Frühlingsfest begangen. Am Maifeiertag hat der Akademische Ruderclub (ARCW) die neu gegründete Rudergemeinschaft Olympos (ROW) zum Anrudern auf dem Main eingeladen.

Im Juli 2015 Olympos gegründet

Über die Hintergründe der Streitigkeiten hat unsere Redaktion in den vergangenen zwölf Monaten mehrfach ausführlich berichtet: Aufgrund von Unstimmigkeiten über den Führungsstil des Vorstands und finanzielle Angelegenheiten sind zahlreiche WRVB-Ruderer aus dem Verein ausgetreten und haben im Juli 2015 die ROW gegründet. Der neu gegründete Club hat allerdings das Problem, nach der Trennung vom WRVB über kein eigenes Vereinsgelände mit Bootshaus und Zugang zum Main zu verfügen.

Die ROW-Mitglieder und ihre Boote sind beim benachbarten ARCW untergekommen, würden aber viel lieber das Bootshaus Süd des WRVB nutzen. Die Bayern-Ruderer, die nach den Austritten noch gut 350 Mitglieder haben – gegenüber rund 800 beim ARCW und der ROW, die einen großen Zulauf hat – wollen den Platz im älteren ihrer beiden Bootshäuser an der Mergentheimer Straße aber nicht an die Abtrünnigen abtreten. Kaufangebote – unter anderem wollte der ARCW das Bootshaus für 300 000 Euro erwerben – wurden von der WRVB-Spitze abgelehnt. Statt dessen hat der WRVB einen Teil des Bootshauses längerfristig an den Verein „Begegnungsstätte für Hörbehinderte“ vermietet.

Soweit die Hintergründe der Streitigkeiten, die jetzt dazu geführt haben, dass der Regattaverein kein gemeinsames Anrudern aller drei Vereine mehr durchführen wollte. Im vergangenen Jahr sei die Veranstaltung, zu der auch immer der jeweilige Oberbürgermeister und die Mitglieder des Stadtrats eingeladen waren, von Seiten der Vereine in erster Linie dazu genutzt worden, bei den Politikern jeweils für die eigene Sache zu werben, erläutert Jan Philipp Neumann, der Vorsitzende des Regattavereins.

Regattaverein will Signal setzen

„Ein gemeinsames Anrudern würde der Öffentlichkeit eine Gemeinsamkeit der Rudervereine vorspiegeln, die es so im Moment leider nicht gibt“, so Neumann zum vorläufigen Aus für die Traditionsveranstaltung: „Im letzten Jahr haben die verschiedenen Seiten versucht, sich beim Anrudern für ihre unterschiedlichen Interessen Gehör zu verschaffen. Wir wollten ein Signal setzen, dass es so nicht weitergehen kann.“

Bei der Jahreshauptversammlung des Regatta-Vereins Mitte März konfrontierte Neumann die Vertreter der Vereine mit dieser Entscheidung. Über ein gemeinsames Anrudern ohne Einladung von Kommunalpolitikern – übrigens ein Vorschlag von Seiten des WRVB – konnten sich die Vereine bei dieser Gelegenheit nicht einigen. „Wir haben darum gekämpft, dass trotzdem ein gemeinsames Anrudern stattfinden kann. Es sollte nicht die Ruderer treffen, wenn die Vorstände der Vereine sich nicht einig sind“, betont Peter Köhler, der Sportvorsitzende des WRVB.

Keine Einladung an OB und Stadtrat

Dazu kam es nicht – mit der Folge, dass in diesem Jahr zum ersten Mal seit Jahrzehnten getrennt angerudert wurde und wird: Der WRVB im Rahmen seines Frühlingsfestes am vergangenen Sonntag, der ARCW und die ROW wie immer am 1. Mai auf dem Main ab 10.30 Uhr an der Löwenbrücke – übrigens dem Wunsch des Regattavereins entsprechend ohne Einladung an OB und Stadtrat.

„Es ist einfach eine schwierige Situation, die Positionen sind festgefahren“, so Neumann. Der Regattaverein will allerdings weiterhin versuchen, die Parteien an einen Tisch zu bekommen und einen Kompromiss zu finden, mit dem alle leben können. „Wir sind bereit die Vermittlerrolle zu übernehmen und werden zu einem runden Tisch einladen. Einen Termin dafür gibt es aber noch nicht“, sagt Neumann. Auf die große Bockbeutel-Regatta, die der Regattaverein traditionell immer im Herbst austrägt, werden die Querelen übrigens keine Auswirkungen haben.

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