Frauenland

Würzburgs amerikanische High School hat doch eine Zukunft

Lange war das Schicksal der alten High School am Galgenberg ungewiss. Jetzt erhält das 1955 erbaute Haus eine neue Nutzung. Die Bauarbeiten haben bereits begonnen.
In Juni 2008 stellten die amerikanischen Schulen in Würzburg, darunter die High School, ihren Betrieb ein. Zum Schluss gab es die typische Zeremonie des Fahne-Einholens. Foto: Theresa Müller

Noch vor wenigen Jahren war unklar, was mit der amerikanischen High School in der Emil-Fischer-Straße im Uni-Campus Hubland Nord passieren sollte; auch ein Abriss des großen Komplexes stand zur Debatte. Klar war lediglich, dass ein relativ neuer Anbau erhalten bleiben würde, der schon seit Jahren Labors für Biologiestudenten enthält.  

Doch dann wurden erste Klassenzimmer im 1955 erbauten Hauptgebäude saniert und der technische Betrieb der Uni zog ein. Vereinzelt kamen weitere Bereiche hinzu, und plötzlich bevölkerten Studierende die ersten neuhergerichteten Seminarräume und Unibedienstete kamen zu Weiterbildungsveranstaltungen.

Die amerikanische Oberschule (High School) inmitten des Wohngebietes "Skyline Housing Area" nach der Eröffnung 1955. Später wurden mehrere Erweiterungsgebäude errichtet. Die Turnhalle (rechts) wurde im Jahr 2013 wegen der mangelnden Stabilität des Daches abgerissen.  Foto: Walter Röder

Im ehemaligen Schulhaus herrschte wieder Leben, wenn auch nicht so viel wie vor 30 Jahren, als über 1000 amerikanische Oberschülerinnen und Schüler aus ganz Unterfranken mit den charakteristischen gelben Schulbussen nach Würzburg gebracht wurden.  

Aus der High School wird ein Ausweichquartier fürs Philosophiezentrum

Seit Kurzem dokumentiert jetzt ein Gerüst, dass das Gebäude eine langfristige Zukunft hat: Es soll als eines von mehreren Ausweichquartieren für das Philosophiezentrum im alten Campus Hubland Süd dienen, wenn dieses in den nächsten Jahren seinerseits saniert wird.

Ein Gerüst an der ehemaligen amerikanischen High School auf dem Gelände des Uni-Campus Hubland Nord zeigt an, dass das Gebäude für eine neue Nutzung fit gemacht wird. Foto: Roland Flade Foto: Roland Flade

Auf Anfrage bestätigte Gunnar Bartsch von der Uni-Pressestelle, dass Teile des Hauses "dauerhaft gut hergerichtet" werden. Das bedeutet eine neue Elektrik, neue Decken in ehemaligen Klassenzimmern, neue Toiletten und ein neues Dach. Schon bald – im Gespräch ist das Frühjahr 2020 – sollen hier die ersten Lehrenden und Studierenden aus dem 50 Jahre alten Philosophiezentrum, wo unter anderem Germanistik, Anglistik und Geschichte unterrichtet werden, einziehen.

Die High School entstand zeitgleich mit den Wohnblocks für die US-Soldaten

Zusammen mit zahlreichen Wohnblocks für US-Soldaten und ihre Familienangehörigen war die "Würzburg American High School" (WAHS) 1955 auf dem Gelände östlich der Leighton Barracks – von den Amerikanern "Skyline Housing Area" genannt – erbaut worden. Zuvor hatten die Schülerinnen und Schüler die High School in Nürnberg besucht und dort unter der Woche auch gewohnt.

Als die Würzburger High School ihren Betrieb aufnahm, existierte die gegenüberliegende amerikanische Grundschule ("Elementary School") schon seit vier Jahren. Diese beherbergt heute unter anderem das Uni-Archiv und das Institut für Hochschulkunde.

Die High School, eine von 44 in der Bundesrepublik, wurde 1976, 1986 und 1989 erheblich erweitert. Der Anbau einer Bibliothek und von sechs Fachunterrichtsräumen kostete allein 4,6 Millionen D-Mark.

Die Jungen und Mädchen spielten in mehreren Sportteams, die sich "Würzburg wolves" ("Würzburger Wölfe") nannten. Außerdem existierten eine Schulband und eine Theatergruppe, die jährlich ein Musical einstudierte.

  • Sehen Sie hier ein Video aus dem Jahr 2014, als die Zukunft der meisten Teile der High School noch unklar war:

Video

Im Juni 2008 stellten die Elementary School, die High School und die 1990 eröffnete Middle School (heute Sprachenzentrum der Uni) ihren Betrieb ein. In diesem Jahr zogen auch die letzten US-Truppen aus Würzburg ab. Der Abriss der Turnhalle der High School im Jahr 2013 schien das Ende des Gebäudes einzuläuten.

Jetzt, sechs Jahre später, ist der scheinbare Niedergang einer neuen Aufbruchstimmung gewichen. Die ehemaligen Schülerinnen und Schüler, die auf einer eigenen Facebook-Seite Kontakt untereinander halten und sich alle zwei Jahre treffen, werden das mit Erleichterung zur Kenntnis nehmen. Denn: Die Schule hatte für sie eine besondere Bedeutung. "Als Soldatenkinder, deren Eltern alle paar Jahre versetzt wurden, konnten wir nirgendwo richtig Wurzeln schlagen – außer fur ein paar Jahre in der Schule", unterstrich eine von ihnen. "Die High School war deshalb so wichtig fur uns."

Auch im Innern der High School wird gearbeitet. Hierher soll ein Teil des Philosophienzentrums vom Campus Hubland Süd umziehen, wenn dessen 50 Jahre alten Gebäude demnächst saniert werden. Foto: Roland Flade

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