WÜRZBURG

Würzburgs einziger Straßenmaler: Künstler auf Asphalt

Bodenmalerei als Lebensunterhalt: Marcel bemalt Würzburger Straßen – im Sommer bei über 30 Grad im Schatten, im Winter bei Minusgraden. „Aber es hält fit. Als Straßenmaler wird man nicht dick“, sagt der 59-jährige Wahlwürzburger.
Bodenmalerei als Lebensunterhalt: Marcel bemalt Würzburger Straßen – im Sommer bei über 30 Grad im Schatten, im Winter bei Minusgraden. „Aber es hält fit. Als Straßenmaler wird man nicht dick“, sagt der 59-jährige Wahlwürzburger. Foto: PATRICK WÖTZEL

Ein möglichst glattes Stück Asphalt, gute Kreiden, ein Polster für die Knie, festes Schuhwerk, einen Hut und trockenes Wetter: Mehr braucht Marcel Heinzelmann nicht, um seine Kunstwerke auf die Straße zu bringen. Der 59-jährige Rheinländer ist seit zwölf Jahren Würzburgs einziger Straßenmaler und hat noch lange nicht vor, damit aufzuhören: „Ich möchte die Straßenmalerei nicht missen. Ich will das machen, solange ich es kann.“

Dass er im Sommer anno 2001 auf dem Weg nach Italien in Würzburg hängen geblieben ist, liegt an einer Frau. Künstler-Kollege Markus Westendorf, früher selbst Pflastermaler und heute Würzburgs Stadtgrafiker, hatte Marcel Heinzelmann an den Main eingeladen: „Markus erzählte mir, dass in Würzburg mehrere Jahre niemand mehr auf der Straße gemalt hat. Ich war zwei Tage hier, habe ganz gut verdient und meine jetzige Freundin kennengelernt“, erinnert sich der 59-Jährige.

„Es läuft hier kaum einer über die Bilder, das ist sehr angenehm.“

Straßenmaler Marcel über das Würzburger

Publikum

Sein Künstlername ist einfach nur „Marcel“, geboren wurde er in der Nähe von Köln, und seine rheinische Herkunft ist auch nach zwölf Jahren Unterfranken am Dialekt noch gut zu erkennen. Nach Abitur und abgeschlossenener Lehre als Industriekaufmann begann er seine Künstler-Karriere mit der Gestaltung von Fassaden, sein größtes Wandgemälde misst 180 Quadratmeter. Auch mit der Bemalung von Dachziegeln, als Schmuck-Designer und mit der Herstellung von Holz-Schwertern und -Schilden für Kinder und englischen Langbögen für Mittelalter-Märkte hat Heinzelmann früher seinen Lebensunterhalt verdient.

Das Handwerk des Straßenmalers hat Marcel vor 30 Jahren von Freddy, einem bekannten Kölner Kollegen, gelernt. Noch im selben Jahr gewann er zum ersten Mal den Publikumspreis beim bekannten Straßenmaler-Wettbewerb in Geldern in Nordrhein-Westfalen. Er war in ganz Europa unterwegs, hat in Spanien, Italien und Frankreich die Straßen bemalt. In England war er nur einmal: „Da ging nichts, weil es zwei Wochen am Stück geregnet hat.“

Auch am großen internationalen Treffen der Straßenmaler im italienischen 400-Seelen-Ort Grazie di Curtatone bei Mantua hat der Wahl-Würzburger schon oft teilgenommen. Dort treffen sich jedes Jahr an Maria Himmelfahrt die besten Straßenmaler Europas, in Italien „Madonnari“ genannt. Marcel hat in Grazie zweimal einen der Wettbewerbe gewonnen – und darf sich seitdem „Madonnaro Qualificato“ nennen.

Es ist nicht immer angenehm, unter freiem Himmel als Straßenmaler seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Marcel macht das auch im Winter bei Minusgraden. Und wenn das Thermometer im Sommer auf über 30 Grad im Schatten steigt, ist die Arbeit auf dem heißen Asphalt alles andere als ein Vergnügen. „Aber es hält fit. Als Straßenmaler wird man nicht dick“, sagt der 59-Jährige.

Was er mit seinen Tafel- und Pastellkreiden auf den Asphalt zaubert – meist klassische Motive oder Kopien von bekannten Gemälden – ist für ihn eine „Performance“, die die Passanten sehen wollen. Wenn er beim Malen eine Pause einlegt, landet nur selten eine Münze im Hut: „Die Leute wollen mich knechten sehen.“

Die Würzburger hat er in zwölf Jahren auf der Straße sehr gut kennengelernt. „Die meisten sind sehr nett“, sagt der 59-Jährige. Und sie respektieren seine Kunst: „Es läuft hier kaum einer über die Bilder, das ist sehr angenehm.“

Die Kommunikation mit den Menschen ist für Marcel das Wichtigste an der Straßenmalerei: „Zuhause im stillen Kämmerlein ist es mir viel zu öde.“ Lieber hält der leidenschaftliche Hobbykoch auf der Straße ein Schwätzchen mit Bekannten oder erklärt Passanten seine Bilder. Und für jede Münze, die er bekommt, gibt es von ihm ein freundliches „Dankeschön“ zurück. Außerdem sind seine Pflasterbilder Werbung in eigener Sache: Marcel hat auch schon in vielen Gaststätten der Region Wandbilder gemalt.

Kontakt: Im Herbst bietet Marcel auf vielfachen Wunsch einen Malkurs an. Interessenten können sich melten unter Tel. 0176–513 697 05.

Marcel Heinzelmann: Würzburgs einziger Straßenmaler.
Marcel Heinzelmann: Würzburgs einziger Straßenmaler. Foto: PAtrick Wötzel

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