WÜRZBURG

Yoga-Stunden für Jogis Buben

Main-Post-Mitarbeiterin Adrienn Sümeg hat Patrick Broome, den Yogalehrer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, interviewt. Foto: Privat

Würzburg Oliver Bierhoff, Manager der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, vermittelte Patrick Broome 2005 den Kontakt zum damaligen Trainer Jürgen Klinsmann. Der promovierte Psychologe und Yogalehrer Broome durfte zunächst dem Trainerstab eine Yogastunde geben. Seither arbeitet er regelmäßig mit dem Team, auch unter Joachim „Jogi“ Löw. Patrick Broome wurde 1968 in Kulmbach geboren; er wuchs in Kalifornien und Deutschland auf und lebt jetzt mit seiner Familie in München. Wir trafen ihn bei einem Kurs für Jivamukti Yoga.

Frage: Wie haben die Jungs damals auf das ungewöhnliche neue Angebot reagiert?

Patrick Broome: Alle haben gleich mitgemacht und genau das getan, was ihnen gesagt wurde. Hier und da gab es ein paar kleine Irritationen, aber alle haben es probiert und ihr Bestes gegeben. Schon in der ersten Übungseinheit haben mich Eifer, Disziplin und Konzentration der Spieler beeindruckt und positiv überrascht.

Was bringt Yoga den Fußballern?

Broome: Ein Leben, wie es Fußballer heute führen, verursacht enorme mentale Anspannung. Sie müssen den ganzen Tag ihre Gedanken kontrollieren, dürfen sich kaum Gefühlsausbrüche erlauben, müssen wach und konzentriert sein und die für ihren Job nötigen Routinehandlungen mit traumwandlerischer Sicherheit beherrschen. Misserfolge sollen sie ohne große innere Beteiligung hinnehmen. Mit Stress auf dem Platz und im Privatleben müssen sie souverän fertig werden. Das wird manchmal zu viel. Dann kann ein Karussell aus negativen Gedanken langsam Fahrt aufnehmen. Yoga ermöglicht ihnen, sich besser von diesen negativen Gedanken zu befreien.

Wie würden Sie einem Laien erklären, wie das funktionieren soll?

Broome: Die Spieler werden wacher, konzentrierter und gelassener. Sie lernen mithilfe von Yoga, auch bei Misserfolgen noch handlungsorientiert zu denken. Und sie bekommen ein perfektes Ventil, um mal die Anspannung aus dem Körper abzulassen. Yoga ist gerade in Stresssituationen gut – wer schon unter erschwerten Bedingungen ruhig bleiben kann, dem gelingt es im Alltag sogar noch besser. Die Yogapraxis wurde gerade aus dem Umstand geboren, dass nicht immer alle durchgehend glücklich und zufrieden sind.

Yoga ist doch so ein Frauending. Wie passt das zu Fußball, wo Männer rennen, schwitzen und kämpfen?

Broome: Sehr gut. Um dort hinzugelangen, wo diese Ausnahmespieler heute stehen, mussten sie sich in der Vergangenheit selbst beobachten, diszipliniert sein und fleißig. Im Yoga nennen wir diese Qualitäten Svadhyaya und Tapas. Die sind bei den Spielern gut ausgeprägt. Yoga wurde auch jahrtausendelang von Männern an andere Männer weitergegeben. Erst in diesem Jahrhundert und durch die Verbreitung im Westen ist es zu einer Frauendomäne geworden.

Sicher befürchten manche, dass die Fußballspieler durch Yoga verweichlicht werden.

Broome: Dass sich dieses hartnäckige Vorurteil immer noch hält, dass Yogis schlaff und langweilig sind, kann ich nicht verstehen. Es geht ja um Konzentration und nicht um Entspannung. In einer Jivamukti Yoga-Stunde müssen die Spieler etwa 70 Minuten lang sehr konzentriert und sehr hart körperlich arbeiten. Erst danach folgt eine Entspannung, die lange nachwirken kann. Alle großen Yogis, die ich bisher in meinem Leben treffen durfte, haben innerlich und äußerlich vor Energie und Leidenschaft geglüht.

Main-Post-Mitarbeiterin Adrienn Sümeg ist freie Journalistin und Yogalehrerin mit eigenem Studio. Ihre „Yogainsel“ bietet als erste Yogaschule in Würzburg Jivamukti Yoga an. Bekannt geworden ist dieser 1984 in New York entstandene Stil durch Prominente wie Madonna, Sting und Topmodel Christy Turlington. Die Gründer von Jivamukti Yoga, zwei New Yorker Künstler namens Sharon Gannon und David Life, haben lange in Indien gelebt. Kontakt: yogainsel.wordpress.com, Tel. 01 79 - 25 891 99, per E-Mail: yogainsel@gmail.com

Patrick Broome: Die Würzburger Main-Post-Mitarbeiterin Adrienn Sümeg traf den Yogalehrer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei einem Kurs. Foto: Adrienn Sümeg

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