Würzburg

Zehn Jahre nach Robert Enkes Tod: Der Kampf gegen Depression

2011 wurde der Weg am Stadion in Hannover in Robert-Enke-Straße umgetauft. Foto: Julian Stratenschulte, dpa

Das kleine Stück Weg am Stadion in Hannover, vorbei am Haupteingang Richtung Maschsee, dort wo vor zehn Jahren tausende von Kerzen flackerten, heißt Robert-Enke-Straße. 2011 wurden die Schilder montiert. Sie sollen die Erinnerung bewahren an den Nationaltorhüter Robert Enke, dessen Name Synonym geworden ist für eine Tragödie. Am 10. November 2009 beendet der 32-jährige Fußball-Profi von Hannover 96 sein Leben, am Tag danach macht seine Frau Teresa Enke in einer zu Herzen gehenden Pressekonferenz die Erkrankung ihres Mannes öffentlich: Depression.

Das Schicksal Enkes berührte Deutschland in besonderer Weise und es folgte eine Trauerfeier, die die Nation so noch nicht erlebt hatte. Enkes Sarg war vor knapp 40 000 Menschen im Stadion von Hannover aufgebahrt. Dem damaligen DFB-Präsidenten Theo Zwanziger gelang es, diesem fast surrealen Ereignis Würde zu geben. "Fußball ist nicht alles", sagte er. "Denkt nicht nur an den Schein, sondern auch an den Menschen, den Zweifel, die Schwäche."  

Zehn Jahre später arbeitet Teresa Enke weiter intensiv daran, die Krankheit ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu transportieren. Die 43-jährige Fränkin, die in Hannover lebt, ist Vorstandsvorsitzende der Robert-Enke-Stiftung, die unter anderem die Erforschung und Behandlung von Depressionen zum Ziel hat. "Depression ist eine Krankheit und keine Art von Schwäche", sagt Teresa Enke im Gespräch mit dieser Redaktion.

"Depression ist heilbar": Teresa Enke. Foto: Magdalena Steinruck

Sie möchte die Krankheit enttabuisieren, rät aber gerade auch Prominenten dazu, genau darüber nachzudenken, ob sie mit ihrer Erkrankung an die Öffentlichkeit gehen: "Wenn jemand nach dem Ende seiner Karriere sagt, er habe Depressionen, dann hilft uns das. In der aktiven Zeit muss es aber nicht sein."

Schuppan: "Rückfall in alte Zeiten"

Sebastian Schuppan ist Profi und Kapitän des Fußball-Drittligisten Würzburger Kickers. Bei Dynamo Dresden hat er mit Florian Fromlowitz zusammengespielt, jenem Torhüter, der 2009 bei Hannover 96 das Trikot von Robert Enke übernahm. In seinem jüngsten Podcast spricht Schuppan darüber, wie das Ereignis Fromlowitz beeinflusst habe: "Er hatte sehr lange daran zu knabbern." Depression sei ein Tabuthema gewesen im Sport, und aktuell erlebe er "einen Rückfall in alte Zeiten. Der Druck im Fußball wird tendenziell eher mehr als weniger". Schuppan rät deshalb jedem Betroffenen, sich frühzeitig Hilfe zu suchen. 

Die Würzburger Kickers arbeiten im Profibereich nicht mit einem Sportpsychologen zusammen, im Nachwuchsleistungszentrum dagegen schon. Das ist eine Vorgabe des DFB. Der Psychologe schult die Trainer und steht den Nachwuchsspielern "jederzeit zur Verfügung", wie Kickers-Sprecher Nico Eichelbrönner sagt. 

Psychologe: "Niemand will einen Versager"

Für Valentin Markser hat sich im Profifußball seit 2009 wenig geändert. Bei dem Psychiater aus Köln war Robert Enke in Behandlung. "Niemand bestreitet heute mehr, dass es seelische Störungen im deutschen Fußball, im Leistungssport überhaupt, gibt", sagt er im Interview mit der "Frankfurter Rundschau". Aber das System sei "auf dem Stand von 2009": Vereine fürchten um das Image des Fußballs, Spieler wollen nicht über Schwächen reden und Fans hätten eine Sehnsucht nach Idolen, so Markser. "Niemand will einen Versager. Allen gemeinsam ist, dass sie vom Thema der seelischen Gesundheit im Sport wenig wissen wollen."

Markser war selbst Leistungssportler, holte als Handball-Torhüter mit dem VfL Gummersbach einige Europapokalsiege. Mentaltrainer, findet der Psychologe, könnten nur begrenzt helfen. Sie sollen primär die Leistung optimieren, sagt Markser in der "FR". Zwei Dinge hätten sich im Hochleistungssport seit Enkes Tod verändert: "Es gibt noch mehr Geld, und es gibt noch mehr Soziale Medien. Und damit auch noch mehr seelische Belastungen."

Teresa Enke, deren Bruder in Würzburg lebt, wird ihren Kampf nicht aufgeben: "Depression ist heilbar", sagt sie. "Auch Robbi kam dreimal geheilt zurück und wenn er weitergemacht hätte mit der Therapie, dann wäre es wohl auch nicht passiert."

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