BAD WINDSHEIM

Zeitreise in die fränkische Vergangenheit

Hühner, die vor einem Bauernhaus herumspazieren: Dieses Bild aus dem Freilandmuseum könnte auch eine Szene aus der Verga... Foto: Fränkisches Freilandmuseum Bad Windsheim

„Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen“: Diese Erkenntnis des Dichters Matthias Claudius gilt auch für Daheim-Urlauber. Wer eine Reise in die Vergangenheit unternehmen möchte, muss sich dafür lediglich ins mittelfränkische Bad Windsheim aufmachen. Ein Besuch im dortigen Freilandmuseum wird zur Zeitreise durch 700 Jahre fränkische Alltagsgeschichte. Anhand von über 100 Gebäuden – darunter Handwerkerhäuser, Mühlen und ein Adelsschlösschen – erfährt man, wie die ländliche Bevölkerung früher gebaut, gewohnt und gearbeitet hat.

„Wir bieten das ganze Jahr über neben den allgemeinen Führungen ein spezielles pädagogisches Programm für Kinder an – das wir während der Sommermonate verdichten“, erklärt Jürgen Müller, Verwaltungsleiter des Freilandmuseums. Etwa vier Mal pro Woche gibt während der Sommerferien um jeweils 14 Uhr ein spezielles Angebot, das meist für Kinder ab dem Vorschulalter bis hin zum Jugendlichen geeignet ist. Kleinkinder in Begleitung eines Erwachsenen könnten aber in vielen Fällen auch teilnehmen, so Müller.

Butter selbst herstellen

So zum Beispiel an den „Kinderspielen“, die immer samstags angeboten werden. Dabei geht es ums Spielen mit ganz einfachen Mitteln – Klassiker, an die man im heutigen Alltag wahrscheinlich nicht denken würde, die aber Kinder seit jeher begeistern: Murmeln rollen, Stelzen laufen, Reifen treiben, Seilhüpfen oder Tauziehen.

Ebenfalls für Kinder fast jeden Alters interessant sei das Herstellen von Butter, so die Erfahrung von Museumspädagogin Eva-Maria Meyer. Im offenen Kinderprogramm „Von der Kuh zum Butterbrot“, das sowohl am 16. als auch am 30. August angeboten wird, dürfen die kleinen Besucher selbst aus Rahm Butter herstellen und diese anschließend auf einem Brot genießen. Der Programmpunkt „Schiffchen bauen“ am 21. August und am 6. September scheint generationenübergreifend gut anzukommen: „Wenn es darum geht, Nägel ins Holz zu schlagen, sind Väter oft genauso eifrig dabei wie ihre Kinder“, sagt Jürgen Müller und lacht. Die Fahrtüchtigkeit der Holzschiffchen kann anschließend direkt getestet werden – auf den Kanälen des Museumsgeländes.

Auch für Erwachsene bietet das Freilandmuseum ein vielseitiges Programm. Zu unterschiedlichen Themen finden jeden Sonntag um 11 Uhr offene und kostenlose Führungen über das Museumsgelände statt – um 14.30 Uhr außerdem durch das „Museum Kirche in Franken“. Daneben werden verschiedene Themenführungen angeboten – etwa zu „Wohnen im Wandel der Zeit“, Wildkräuter und Kräuteranbau“ oder „Bienenhaltung und Imkerei“. Auch „Bierbrauen in Franken“ komme bei den Besuchern gut an, berichtet Müller: „Auf unserem Gelände stehen zwei funktionsfähige Brauereien – eine aus dem 17. und eine aus dem 19. Jahrhundert. In letzterer wird regelmäßig Bier gebraut – häufig in Verbindung mit einer Führung.“

Zu den Themenführungen anmelden können sich Kleingruppen jeder Art wie beispielsweise Vereine, die für ihre Mitglieder einen Ausflug organisieren möchten, oder Familien, die sich für einen Besuch des Freilandmuseums zusammentun. Einzige Voraussetzung: Es müssen mindestens 13 Personen zusammenkommen.

Mätressen und Revolutionäre

Für Filmfans könnte sich der Besuch des Freilandmuseums am kommenden Freitag, 12. August, und Samstag, 13. August, lohnen. Um jeweils 21 Uhr finden im Hof der Aumühle die letzten beiden Kino-Vorstellungen dieses Sommers unter freiem Himmel statt. Die Besucher haben die Wahl zwischen romantisch oder derb: Am Freitag wird der französische Liebesfilm „Birnenkuchen mit Lavendel“ gezeigt; am Samstag eine Komödie über die Feindschaft zweier schwäbischer Dörfer: „Täterätää! Die Kirche bleibt im Dorf 2“. Sollte das Wetter nicht mitspielen, laufen die Filme in den Central Lichtspielen in Bad Windsheim.

Wem der Sinn eher nach Theater steht, für den spielt ein Ensemble aus Profis und Animateuren im Freilandmuseum vor der Kulisse des Jagdschlösschens aus Eyerlohe noch bis einschließlich Samstag, 13. August, das Stück „1848 – Kinder der Revolution“.

In der Komödie mit viel Musik wird das Schlösschen zur Drehscheibe von Flüchtenden jeder Art: „Im beschaulichen Mittelfranken des heißen Sommers 1848 treffen geschasste Mätressen, entlaufene Soldaten, geflohene Revolutionäre und ein Minister auf seiner Reise ins Exil aufeinander“, so die Ankündigung auf der Homepage des Theaters.

Fazit: Ob Erwachsener oder Kind – man kann problemlos einen ganzen Tag im Freilandmuseum Bad Windsheim verbringen. Wer sich auf eine Zeitreise in die Vergangenheit machen möchte, sollte allerdings mindestens zwei bis drei Stunden Zeit mitbringen: So lange dauert in der Regel das Kinderprogramm und auch die meisten Führungen.

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