WÜRZBURG

Zeller Bock: Ein tückischer Kilometer

Bauarbeiter am Zeller Bock. Im Hintergrund die Einfahrt zur Zellerau.
Bauarbeiter am Zeller Bock. Im Hintergrund die Einfahrt zur Zellerau. Foto: Thomas Obermeier

Seit 2002 war der Zeller Bock, eine wichtige Verbindungsstraße in den westlichen Landkreis Würzburg und in den angrenzenden Kreis Main-Spessart, einseitig gesperrt. Sechs Jahre lang war er nun komplett dicht. Die Hänge und Stützmauern entlang der maroden Trasse drohten abzurutschen. Nun ist ein Ende der langen Geschichte in Sicht: In wenigen Tagen sollen die ersten Autos über die Neubaustrecke fahren dürfen.

Es war ein langer Weg bis zum heutigen Zustand der etwa 1000 Meter langen Baustelle, die nach jetzigen Schätzungen 25 Millionen Euro kosten wird.

Über einen Kreisverkehr auf der Würzburger Seite kann man in Zukunft auf den Zeller Bock einbiegen. Auf dem neuen Platz solle zur Eröffnung bereits ein Kunstwerk stehen, das das neue Entree des Würzburger Stadtteils Zellerau mitprägen wird.

Daneben entstehen gerade für 20 Millionen Euro neue, riesige Faultürme in Eiform für die städtische Entwässerung. Sie sollen nachts stimmungsvoll mit LED-Licht beleuchtet werden. „Die Leute werden hier überhaupt nicht mehr wegwollen“, witzelte im Herbst 2015 der städtische Tiefbau-Chef Jörg Roth, der für beide Projekte verantwortlich ist.

Man sieht entlang der Strecke,was alles getan wurde. Die neuen Stützmauern sind edel mit Bruchsteinen verblendet, im Mittelteil, der erst nach der Einigung mit einem Eigentümer-Ehepaar im Oktober 2014 angepackt werden konnte, entstand ein großes Regenrückhaltebecken zum Auffangen des Schmutzwassers von der Straßenoberfläche.

Wenn das nur alles wäre: Einen Großteil der 25 Millionen Euro haben die hohen Anforderungen der Würzburger Trinkwasserversorgung verschlungen. Denn die Strecke führt mitten durch das Schutzgebiet für die Zeller Quellen, die etwa die Hälfte des Würzburger Trinkwassers liefern.

Die Frage, warum es mehr als 13 Jahre gedauert hatte, bis der Zeller Bock neu gebaut war, lässt sich nicht so leicht beantworten. Zum einen hatte die Würzburger Stadtverwaltung mit einigem Gegenwind aus den eigenen Reihen zu kämpfen.

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Eröffnung des Zeller Bock

Daher wurde auch eine große Planung am Bock 2005 mit einem Paukenschlag zurückgezogen. Damals gab es keine Lösung für den Wunsch der Bevölkerung, die bis dahin bestehende Beschränkung auf Fahrzeuge unter 7,5-Tonnen aufrechtzuerhalten und dennoch staatliche Förderungen zu bekommen.

Dann die erlösende Nachricht nach massivem Einsatz der politischen Kräfte: Eine Tonnagen-Beschränkung auf 7,5 Tonnen für den Bereich der Mauern entlang des Klosters Oberzell werde zu deren Schutz von den Denkmalwächtern empfohlen. Und dann kam die Förderzusage von CSU-Innenminister Joachim Herrmann im Februar 2008: Es gibt staatliches Geld trotz Tonnagen-Beschränkung für den Zeller Bock.

Im März 2012 erklärte die Regierung die Planfeststellung für sofort vollziehbar, es konnte losgehen. Nur das Grundstück des streitbaren Ehepaares wurde ausgespart. Und das kostete nun eben diese zwei Jahre. Im Frühjahr 2014 einigte man sich außergerichtlich und auch der Mittelteil konnte ausgebaut werden.

Die Bürgermeister der umliegenden Gemeinden, allen voran die Rathaus-Chefin von Zell, Anita Feuerbach, hatten der Stadt immer wieder Versäumnisse bei den Planungen vorgeworfen und beklagten den mangelnden Informationsfluss aus dem Würzburger Rathaus.

Betroffen waren aber die ganzen Jahre über nicht nur die etwa 15 000 Autofahrer und 158 Linienbusse, die täglich weite Umwege in Kauf nehmen mussten, die Schüler, die daher oft zu spät in Würzburger Schulen zum Unterricht kamen, sondern auch viele Geschäftsinhaber im Würzburger Stadtteil Zellerau.

Die brauchten einen langen Atem, um zu überleben, endete der Stadtteil doch in einer Sackgasse. Hohe Umsatzeinbußen waren die Folge. Sie alle sehnten das Frühjahr 2016 herbei.

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