Würzburg

Zivilcourage: Innenminister ehrt Iris Kaufmann für ihren Mut

Im Dezember 2018 ging Iris Kaufmann zwischen die gewalttätige Auseinandersetzung zweier Männer. Ihr mutiges Einschreiten war für die Würzburgerin selbstverständlich.
Iris Kaufmann hält ihre "Medaille für Verdienste um die Innere Sicherheit" hoch. Die Würzburgerin wurde vom bayerischen Innenministerium für ihr entschlossenes Eingreifen in eine gewalttätige Auseinandersetzung ausgezeichnet.
Foto: Thomas Obermeier

Eigentlich hatte Iris Kaufmann am 5. Dezember 2018 in der Würzburger Innenstadt bloß auf ihre beiden Töchter gewartet. Ein lautstarker Streit zwischen zwei Männern auf dem Barbarossaplatz, ganz in ihrer Nähe, weckte jedoch ihre Aufmerksamkeit. Als die 39-Jährige nach dem Rechten sehen will, wirft einer der beiden Kontrahenten den anderen gerade hemmungslos zu Boden, tritt brutal auf ihn ein.

Iris Kaufmann sah nicht tatenlos zu

Die zweifache Mutter kann nicht tatenlos wegsehen: "Ich habe nur kurz beobachtet, wie er mit dem Kopf fast schon Fußball gespielt hat", schildert die Würzburgerin die Szene von vor einem Jahr. Entschlossen ging Iris Kaufmann damals dazwischen, packte den Prügelnden am Kragen und forderte ihn auf, von dem Verletzten abzulassen. Der Mann, völlig überrascht von ihrem energischem Auftreten, folgte ihrer Aufforderung. 

Getrieben von Wut über die unvermittelte Gewalt, habe sie gar nicht über ihr Handeln nachgedacht, so Kaufmann: "Es überkommt dich dann – in dem Moment handelst du einfach." Erst viel später sei ihr bewusst geworden, dass sie sich selbst in Gefahr begeben hatte. Für ihr vorbildliches und couragiertes Verhalten wurde die Würzburgerin nun mit der Medaille für "Verdienste um die Innere Sicherheit" vom Bayerischen Innenministerium ausgezeichnet.

Iris Kaufmann erzählt von dem gewalttätigen Konflikt in der Würzburger Innenstadt: Heftige Tritte gegen den Kopf eines am Boden liegenden Mannes hatten Kaufmann zum Einschreiten bewegt. Foto: Thomas Obermeier

An jenem Nachmittag im Dezember herrschte alltägliches Treiben in der Würzburger Innenstadt. Dennoch griff keiner ein, als der Streit auf dem Barbarossaplatz eskalierte. "Die haben einfach nur geguckt und nichts gemacht", erinnert sich Kaufmann heute.

Sie kann die Tatenlosigkeit der anderen nicht verstehen – Hilfe zu leisten ist für die Würzburgerin eine Selbstverständlichkeit, egal in welchem Moment. Würde sie durchs heimische Fenster eine Person auf der Straße schwächeln sehen, beschreibt Kaufmann, auch dann würde helfen: "Ich habe einfach so ein Helfersyndrom in mir." 

Als Kaufmann ein halbes Jahr nach dem Vorfall am Prozesstag erfährt, dass sie offiziell geehrt werden solle, weiß die Würzburger Verkäuferin zunächst nicht damit umzugehen. Zu sehr beschäftigte sie in diesem Moment im Verhandlungssaal, dass ihr noch eine Zeugenaussage bevor steht – das ist ihr unangenehm. Sie empfindet es als schwere Verantwortung. 

Den offiziellen Termin zur Verleihung der Medaille für Zivilcourage bei Innenminister Joachim Herrmann im September in München konnte Kaufmann nicht wahrnehmen, ein lang ersehnter Familienurlaub hatte Vorrang. Eigentlich sei sie ganz froh darüber gewesen, erzählt die Würzburgerin, dem zeremoniellen Rummel entgehen  zu können: Auf einer Bühne zu stehen und andere Menschen vortragen zu lassen, was sie geleistet hätte; "sowas brauche ich nicht. Ich bin auch nur ein Mensch und eine Mutter. Wegen dieses Eingriffs bin ich nichts besonderes", sagt die mutige Frau über sich selbst. Sie schäme sich fast, wenn andere Menschen sie wegen ihres couragierten Verhaltens hervorheben. 

Ehrung aus den Händen des Polizeipräsidenten

Stattdessen nahm die 39-Jährige die Auszeichnung jüngst aus den Händen des unterfränkischen Polizeipräsidenten Gerhard Kallert in Würzburg entgegen. Dieser lobte "die herausragende Zivilcourage" und "das couragierte und resolute Eingreifen" von Iris Kaufmann, wie es in einer Mitteilung der Polizei heißt.

Ein Jahr nach dem Ereignis hängen der 39-Jährigen noch immer die Bilder des Streits nach. Mit ihrer Familie spreche sie viel darüber, sonst jedoch habe sich für sie in ihrem Alltag nichts verändert, erzählt sie.

Auf die Frage, ob Sie sich vorstellen könne, über ihre Erlebnisse und das Thema Zivilcourage auch in Schulen zu sprechen, antwortet Iris Kaufmann: "Ja, das könnte ich mir vorstellen. Um zu helfen."

Die Medaille für Verdienste um die Innere Sicherheit
Seit 1994 ehrt das bayerische Innenministerium jedes Jahr Bürgerinnen und Bürger aus Bayern, die sich durch couragiertes Verhalten in besonderer Weise für andere Menschen eingesetzt und so für das Gemeinwohl stark gemacht haben. 
Neben Iris Kaufmann wurden in diesem Jahr 37 weitere Menschen ausgezeichnet, unter ihnen auch zwei Männer aus Unterfranken: Andreas Wucherpfennig beobachtete im März 2019, wie ein Mann Steine von einer Brücke auf die B 27 warf. Der 41-Jährige informierte die Polizei und verfolgte den Täter bis zur erfolgreichen Festnahme durch die Einsatzkräfte.
Rolf Reisten wurde im Februar 2019 in einem Aschaffenburger Park Zeuge, wie ein Mann mehrfach seine Begleiterin schlug. Der 82-Jährige wollte schlichtend eingreifen, wurde daraufhin selbst vom Täter am Kopf verletzt. Nach Auskunft des Bayerischen Innenministeriums konnte der Täter bislang noch nicht ermittelt werden. 

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