Würzburg

Zu viele Fahrräder: Würzburg will mehr Stellplätze schaffen

Um die Situation der Fahrradstellplätze in der Würzburger Innenstadt ist es schlecht bestellt: zu viele Räder, zu wenig Platz. Reichen die geplanten Änderungen aus?
An sieben Fahrradständern tummeln sich in der Eichhornstraße viel zu viele Fahrräder. Im PUMA geht es am Dienstag um Fahrradstellplätze in der Innenstadt.
An sieben Fahrradständern tummeln sich in der Eichhornstraße viel zu viele Fahrräder. Im PUMA geht es am Dienstag um Fahrradstellplätze in der Innenstadt. Foto: Thomas Obermeier

Immer wieder erreichen die Redaktion verärgerte Leserbriefe bezüglich der Situation der Fahrradstellplätze in der Würzburger Innenstadt. Selbst im Winter seien die installierten Abstellanlagen völlig überfüllt, vor allem in der neu ausgebauten Eichhornstraße reihten sich zahllose Fahrräder um die umkämpften Plätze. Am Dienstag, 11. Februar diskutiert hierüber der Planungs-, Umwelt- und Mobilitätsausschusses (PUMA) der Stadt.

Grundlage ist das Radverkehrskonzepts der Stadt Würzburg aus dem Jahr 2016, das im gesamten Innenstadtbereich einen Bedarf von ungefähr 2050 zusätzlichen Fahrradstellplätzen festgestellt hat. Ziel des Beschlussvorschlags ist es, den Bedarf an neuen Stellplätzen zu decken, um die Innenstadt für Radfahrer noch attraktiver zu machen und so das Autoaufkommen zu verringern.

Drei Fahrradgaragen wurden bereits gebaut, weitere sind in der Planung

Bereits bei einer Sitzung des Stadtrats im Oktober 2016 wurde die Planung von fünf überdachten, doppelstöckigen Fahrradgaragen beschlossen. Drei Standorte, an der Talavera, in der Sterngasse und in der Karmelitenstraße, wurden bereits umgesetzt, bei einer weiteren Garage an der Juliuspromenade sollen laut Pressesprecher Christian Weiß die Bauarbeiten zwischen Juli und August 2020 beginnen. Zusätzlich seien in der Eichhornstraße weitere Fahrradbügel geplant.

Der Standort Ulmer Hof ist mittlerweile nicht mehr im Gespräch und der Paradeplatz wurde verschoben. Deswegen beauftragte der Stadtrat Ende 2018 die Suche nach sieben neuen möglichen Standorten. 

Überdachte, doppelstöckige Fahrradgaragen wie hier in der Franziskanergasse/Ecke Sterngasse sollen auch an anderen Standorten in der Innenstadt Stellplätze schaffen.
Überdachte, doppelstöckige Fahrradgaragen wie hier in der Franziskanergasse/Ecke Sterngasse sollen auch an anderen Standorten in der Innenstadt Stellplätze schaffen. Foto: Thomas Obermeier

Der Plan: drei neue Fahrradgaragen, vier freistehende Abstellanlagen

Das Ergebnis, das am Dienstag dem PUMA vorgestellt wird: Von den sieben vorgeschlagenen Standorten eignen sich drei für Fahrradgaragen, vier für unüberdachte Stellplätze und in die zukünftige Nutzung des Mozartareals sollen ebenfalls Stellplätze integriert werden. Bei Teilen der Planung müssten auch Pkw-Parkplätze den neuen Abstellanlagen weichen.

Hier sehen Sie die geplanten Stellplätze im Überblick:

So soll die Planung für Fahrradgaragen in der Turmgasse und am Kolpingplatz weiterverfolgt werden, eine weitere überdachte Anlage in der Klostergasse soll zudem geplante freistehende Stellplätze am Franziskanerplatz ergänzen. Aus der Planung geht zudem hervor, dass am Kardinal-Döpfner-Platz, Kaiserplatz und Kardinal-Faulhaber-Platz der Einsatz von Garagen aus städtebaulichen Gründen, Gründen des Denkmalschutzes und der Platzgestaltung nicht möglich ist. Stattdessen sollen hier ebenfalls unüberdachte Anlagen eingeplant werden. 

"Wir müssen in viel mehr Straßen zwei bis drei Parkplätze opfern, um Stellplätze zu schaffen."
Patrick Friedl, Bündnis 90/Die Grünen

Patrick Friedl, der für die Grünen im PUMA sitzt, möchte vor allem den Kardinal-Faulhaber-Platz als Standort streichen. "Das soll ein Park werden mit viel Wasser und Aufenthaltsqualität. Da ist kein Platz für Fahrradstellplätze", so der Landtagsabgeordnete. Grundsätzlich hält er die Maßnahmen für sinnvoll, fordert jedoch noch mehr: "Wir müssen in viel mehr Straßen zwei bis drei Parkplätze opfern, um Stellplätze zu schaffen." Grundsätzlich stehen er und seine Fraktion dem Beschlussvorschlag aber positiv gegenüber. 

CSU: Unterstützung für Klostergasse

Wolfgang Roth, Fraktionsvorsitzender der CSU im Stadtrat, kann sich durchaus vorstellen, dass man auch am Kardinal-Faulhaber-Platz eine Fahrradgarage in den Park integrieren kann, falls es den Platzcharakter nicht zu sehr stört. Allerdings möchte auch er die weitere Planung abwarten. Grundsätzlich geht er davon aus, dass seine Fraktion dem Vorschlag der Stadt und des Radverkehrsbeirats zustimmt, besonders den Alternativvorschlag in der Klostergasse unterstützt Roth sehr.   

Kein seltener Anblick in der Würzburger Innenstadt: Überfüllte Fahrradständer mit Rädern in durchwachsenem Zustand.
Kein seltener Anblick in der Würzburger Innenstadt: Überfüllte Fahrradständer mit Rädern in durchwachsenem Zustand. Foto: Patty Varasano

Geplante Stellplätze seien nicht ausreichend für Würzburgs langfristige Ziele

Bas Bergervoet vom Bündnis Verkehrswende Jetzt ist froh darüber, dass die Stadt einen ersten Schritt macht, aber: "Wenn man es ernsthaft machen will, muss man viel mehr machen." Immer wieder zieht er dabei den Vergleich zu seiner niederländischen Heimatstadt 's-Hertogenbosch. Außerdem kritisiert er, dass in Würzburg nur für den aktuellen Bedarf, jedoch nicht für den angestrebten Radverkehrsanteil gebaut wird. Sprich, wenn Würzburg sein Ziel aus dem Radentscheid erreicht, reichen die Stellplätze, mit denen jetzt geplant wird, nicht aus.

Bergervoet schlägt auch vor, die Parkhäuser in der Innenstadt für Radfahrer zu öffnen. So kann er sich im Parkhaus in der Bronnbachergasse und in der Marktgarage vorstellen, dass Pkw-Parkplätze zu Fahrradstellplätzen werden, natürlich ebenfalls für eine Parkgebühr. Auch hier nennt er positive Erfahrungen aus den Niederlanden als Referenz.

Auch Christian Loos, Vorsitzender des Kreisverband Mainfranken-Rhön des Verkehrsclub Deutschland, und Hans-Jürgen Beck, Sprecher der AG Radverkehr der lokalen Agenda 21, befürworten die jetzt geplanten Maßnahmen. Wichtig ist für Loos vor allem, dass vernünftige Abstellmöglichkeiten geplant werden. Beck betont jedoch auch, dass es in Würzburg gerade an Kurzparkmöglichkeiten für Räder fehle, ein Problem, das die Garagen nicht lösen würden.

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Würzburg
  • Lukas Hellmuth
  • Tim Eisenberger
  • Bündnis 90/ Die Grünen
  • CSU
  • Fahrräder
  • Innenstädte
  • Parkgebühren
  • Parkplätze und ruhender Verkehr
  • Patrick Friedl
  • Planung und Organisation
  • Radfahrer
  • Radverkehr
  • Stadt Würzburg
  • Stadträte und Gemeinderäte
  • Städte
  • Verkehrsclub Deutschland
  • Verkehrsclubs
  • Wolfgang Roth
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
2 2
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!