WÜRZBURG

Zum 16. März: Die Uraufführung eines Klangexperiments

Das Gedenkkonzert zum 16. März 1945 wurde in der Würzburger Neubaukirche mit einer Uraufführung eröffnet. Martin Sturms „Antiphon“, eine vierteilige Komposition, die mit den vom Solotenor fast geflüsterten Worten „Libera me“ eingeleitet wurde und sich zunächst nur in einzelnen kurzen oder länger anhaltenden Tönen, die einem genauen Zeitschema folgten, fortsetzte.

„Stille, Ton und Geräusch“ sind nach Aussage des Komponisten die Elemente seiner Komposition, die sich erst am Ende in einem gewaltigen Cluster entlädt, der neben den Instrumenten den phänomenalen Monteverdichor einbezieht und ebenfalls wieder mit den Worten „Libera me“ endet.

Schade nur, dass sich ausgerechnet in die Passagen der „Stille“ des Anfangs Fremdgeräusche durch Türenschlagen und Husten mischten.

Etwas Ratlosigkeit beim Hörer

Irgendwie bleibt bei diesem Klangexperiment – es fällt schwer, im klassischen Sinn von Musik zu sprechen – beim Hörer etwas Ratlosigkeit zurück, Ratlosigkeit, die möglicherweise gewollt ist angesichts des Untertitels „zum Andenken an die Zerstörung Würzburgs 1945“. Denn dann hat diese dem Monteverdichor und seinem Leiter Matthias Beckert gewidmete Komposition den richtigen Nerv getroffen.

Hauptwerk an diesem Abend war Alfred Schnittkes Requiem von 1975. Auch in diesem im besten Sinn „stimmungsvollen“ Werk spürt man in gelegentlichen Effekten den Filmkomponisten Schnittke, der dieses Werk, um geistliche Musik schreiben zu können, als Bühnenmusik für eine Inszenierung von Schillers „Don Carlos“ umfunktionierte. In der Tat zeigt sich die für Schnittke typische Polystilistik in seinem Requiem ganz besonders. Da darf dann auch einmal ein Satz in seinem archaischen Sprechgesang wie Orff klingen.

Klänge wie ein Glockengeläut

Mit dem Instrumentarium aus Zupf-, Schlag- und Tasteninstrumenten, nur im „Tuba mirum“ und dem vom Komponisten eigens eingefügten „Credo“ kommen Posaune und Trompete hinzu, werden faszinierende Klänge erzeugt, Klänge, die an Glockengeläut oder auch an Jazz erinnern. Dass an diesem Abend nicht nur stimmungsvolle Musik, sondern echt Gefühlvolles entstand, ist in erster Linie dem gastgebenden Monteverdichor mit seinen traumwandlerisch sicher intonierenden Sopranen zu danken.

Aber auch die Solisten, allen voran Anna Nesyba mit ihrem strahlenden, kräftigen Sopran, dann die Sopranistin Anna Feith, mit feinsinniger Gestaltung und warmtönend, auch in der Tiefe schön und kräftig im Duett Barbara Buffy, sangen von einer besseren Welt. Dem Tenor Christian Heidecker waren die Melismen des „Sanctus“ anvertraut worden. Das Träumerische dieses traurigen Moll-Satzes lag bei ihm in guten Händen.

Am Ende ergriffene Stille

Schnittkes bewegende Requiem-Botschaft gegen den Tod hinterließ am Ende gläubig ergriffene Stille. Die Pianissimo-Ruhe des Endes wagte zunächst keine applaudierende Hand zu stören. Dann aber gab es stürmischen Beifall.

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