REMLINGEN

Zur viel Phosphor im Wasser

Viel Geld muss die Marktgemeinde Remlingen in die Hand nehmen, um die Richtwerte des zweiten Bewirtschaftungsplans 2016-2021 für das Flussgebiet Rhein nach der Wasserrahmenrichtlinie einzuhalten. Der Gemeinderat stellte sich nun seiner Aufgabe zum Schutz der Gewässer.

Aufgrund neuer EU-Richtlinien überschreitet die Marktgemeinde den Phosphatanteil bei der Einleitung des gereinigten Wassers in das Gewässer. Zuviel Phosphat führt zu einer stetigen Zunahme und vermehrten unerwünschten Allgenbildung. Eine leichte Überschreitung wurde bereits nach den alten Richtwerten festgestellt.

Durch die Herabsetzung der Richtwerte sieht der Gemeinderat nun Handlungsbedarf. Bereits im Frühjahr hat er das Büro Baurconsult beauftragt, Lösungen für eine Phosphatelimination (Pges) aufzuzeigen und eine Wirtschaftlichkeitsberechnung zu erstellen.

Diese lag nun vor. Das Ergebnis: Die Gemeinde muss unterm Strich gut 100 000 Euro investieren. Zudem fallen laufende Kosten für das Fällmittel an.

Das sind keine gute Nachricht für den Haushalt – auch wenn die zuschussfähigen Kosten mit 50 Prozent durch eine Förderung gemäß „Richtlinien für Zuwendungen zu wasserwirtschaftlichen Vorhaben“ (RZWas) 2016 bezuschusst werden.

Martin Günder vom Wasserwirtschaftsamt Aschaffenburg, der zuständigen Behörde, und Christian Gora vom Büro Baurconsult Würzburg standen in der jüngsten Sitzung dem Gremium erklärend zur Seite, um eine zeitnahe und wirtschaftliche Lösung zu finden.

In kommunalen Abwässern beträgt die Phosphorkonzentration im Mittel zwischen einem und fünf Milligramm Phosphor pro Liter (mg P/l). Nach den Bestimmungen des Abwasserabgabengesetzes muss dieser Wert – je nach Größe der Kläranlage und Art des Vorfluters (kleiner Bach, großer Fluss, Binnensee oder Meer) auf 0,5 bis 1,0 mg P/l reduziert werden.

Die Durchschnittswerte lagen bei den regelmäßigen Messungen in Remlingen knapp unter 5 mg P/I, bei einigen Messungen aber auch leicht darüber. Zu hoch, sagt das Wasserwirtschaftsamt. Auf dem Gelände der Kläranlage bestehen derzeit keine Möglichkeiten, die Phosphor-Konzentration im Ablauf zielgerichtet zu senken. Aufgrund dessen empfiehlt das Amt, eine Phosphatelimination nachzurüsten.

Dafür gibt es zwei Möglichkeiten: eine chemische und eine biologische. Bei ersterer werden Fällungsmittel zugegeben, bei der anderen tut es eine biologische Abwasserreinigungsanlage.

Nach Überprüfung mehrerer Möglichkeiten und eingehender Diskussion festigte sich der spätere Beschluss das Problem mit einer sogenannten chemischen P-Fällung mit einer zusätzlichen Kläranlage mit IBC Behälter für das Fällmittel mit Dosierstation und Schaltschrank anzugehen.

Bei der chemischen Reinigung werden gelöste Phosphate mit Hilfe geeigneter Fällungsmittel in ungelöste Phosphate umgewandelt und als Feststoff aus dem Abwasser (gleichzeitig mit anderen Feststoffen) entfernt. Die abgeschiedenen Phosphate sind dann Bestandteil des Klärschlammes und gelangen als Düngemittel in den Naturkreislauf zurück.

Die Räte waren sich im Gremium einig, dass nichts ins Gewässer geleitet werden darf, was das Grundwasser gefährdet. Deshalb verständigten sie sich darauf, eine P-Fällung mit IBS-Behälter als Eliminationsanlage planen zu lassen.

Phosphor

Phosphor ist ein sehr reaktives Element und kommt daher in der Natur nicht elementar, sondern nur in Form verschiedener organischer und anorganischer Verbindungen vor.

Im natürlichen, unbelasteten Grundwasser liegt Phosphat vor allem als löslicher Bestandteil natürlicher phosphathaltiger Mineralien vor. Ein Gehalt von meist unterhalb 0,1 mg/L wird als natürlich betrachtet und kann auch im Trinkwasser vorhanden sein. Gesundheitsbeeinträchtigende Eigenschaften sind bisher nicht nachgewiesen.

Der Eintrag von Phosphor in seinen verschiedenen chemischen Bindungsformen durch die industrielle Gesellschaft hat einen wesentlichen Einfluss auf die Phosphorgehalte im Grund-, Oberflächen- und Trinkwasser. Bedingt durch eine Vielzahl phosphorhaltiger Produkte in Haushalt und Industrie ist in den letzten Jahrzehnten eine ernst zu nehmende Phosphatbelastung der Umwelt eingetreten.

Ein Großteil des konsumierten Phosphors ist als natürlicher Bestandteil in Nahrungsmitteln enthalten. Der Rest stammt aus Wasch-, Reinigungs- und Spülmitteln. Der größte Teil des Phosphors wird über die Kanalisation den Kläranlagen zugeführt, in eine schwer lösliche Form überführt und abfiltriert.

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