Remlingen

Zwei Jahre nach Ramonas Unfalltod: "Fasching geht nicht mehr"

Seit dem Tod ihrer Tochter ist für Ute und Norman Siegordner alles anders. Über Jahrzehnte hatten sie den Fasching in Remlingen geprägt. Jetzt gehen sie von der Bühne.
Beim Landratsempfang in Greußenheim nahmen Ute und Norman Siegordner Abschied von den Gesellschaften und verließen mit Eberhard Nuß (links), der Ende April aus dem Amt scheidet, die Faschingsbühne. Foto: Familie Siegordner

Der Abschied fällt ihnen nicht leicht, doch es sei nicht anders gegangen. Ute und Norman Siegordner verlassen die Narrenbühne der Remlinger Faschingsgesellschaft (RFG). 18 Jahre lang war Norman Siegordner als Sitzungspräsident das Gesicht der RFG. Seine Frau Ute war als Initiatorin und Organisatorin drei Jahrzehnte der Kopf und Motor der Kinder- und Jugendsitzung. Ein schrecklicher Unfall aber veränderte alles.

"Wenn das Herz nicht mehr für den Fasching brennt und die Seele nicht mehr strahlen kann, dann wird es Zeit von der Bühne zu gehen", sagt der 55-jährige Sitzungspräsident. In der aktuellen Festschrift zum 33-jährigen Bestehen der RFG schrieb Siegordner in seinem Grußwort: "Es wurde zusammen gelacht, gekämpft und geweint. So manchen Rückschlag mussten wir einstecken, aber wir sind immer wieder aufgestanden und haben gemeinsam weiter gemacht."

Bei der Jubiläumsprunksitzung wurde es nicht nur deshalb sehr emotional. Gäste, Präsidium und alle Akteure verneigten sich vor dem Ehepaar Siegordner - voller Verständnis für die Beweggründe. Die Mitglieder des Vereins waren den Siegordners in den vergangenen beiden Jahren auch Familie und Tröster gewesen.  

Die Liebe zum Fasching haben Ute und Norman Siegordner an ihre Kinder weitergegeben: Hier ein Foto mit Ramona beim großen Rathaussturm im Jahr 2014 in Würzburg. Foto: Familie Siegordner

Der Rücktritt kam nicht plötzlich. Durch den tragischen Unfalltod ihrer Tochter Ramona im April 2018 verloren Siegordners die Freude an der Fastnacht. Die 22-Jährige war mit dem Motorrad bei Wertheim-Reicholzheim (Lkr. Main-Tauber) verunglückt. Der ganze 1500-Seelen-Ort im Landkreis Würzburg nahm Anteil und trauerte. Bei der Beisetzung ließen geschätzt 1000 Menschen auf dem Friedhof bunte Luftballons steigern und nahmen Abschied von der beliebten Kollegin, Freundin, Tanztrainerin.  

"Fasching geht nicht mehr", sagt Mutter Ute. Die 22-jährige Ramona war wie ihre Eltern tief verwurzelt im Remlinger Fasching gewesen. Sie war Kinderprinzessin, Tanzmariechen, Gardemädchen, Trainerin der Garden, Prinzessin der Session 2016/17, oft auch Büttenrednerin. 

Umso schmerzhafter sind für die Eltern nun die Prunksitzungen. Ute Siegordner stehen oft die Tränen in den Augen. "Von der ehemaligen Freude kommt nichts mehr bei uns an, wir spulen routiniert den Abend ab, und das ist nicht gut."

Als Prinzenpaar begann die aktive Zeit von Ute und Norman Siegordner bei der RFG 1987/88. Foto: Familie Siegordner

Die aktive Zeit von Ute und Norman Siegordner bei der RFG hatte als Prinzenpaar begonnen. Nach der Vereinsgründung 1987 wurden die beiden schon in der ersten Session zum Gesicht des Remlinger Faschings. Ute noch mit sehr viel mehr Begeisterung als ihr Mann. Doch bald saß Norman im Elferrat, Ute begann Kinderprunksitzungen zu planen. Eigentlich, so erinnert sich die 53-Jährige, seien sie nicht nur miteinander, sondern auch mit der RFG verheiratet gewesen.

Ihre Kinder Alexander und Ramona hatten die Leidenschaft geerbt: "Bei uns war Fasching das ganze Jahr", erinnert sich die Chefin der Kinder- und Jugendprunksitzung, die auch die Rot-Weiß-Garde und die Prinzengarde betreute, Reden für die Kinder schrieb, alles organisierte, sich um Kostüme und Jugendschutz kümmerte, sich als Trainerin weiterbildete und Gastbesuche vereinbarte.

Ute Siegordner hielt viele Fäden in der Hand und stand auch selbst in der Bütt mit den legendären Zehntberglerchen oder als Tratschweib. Bei ihren Reden achtete sie wie ihr Mann auf Lokalkolorit und Fingerspitzengefühl. Denn eines wollen die beiden Narren nicht: jemanden mit ihren Geschichten persönlich zu verletzen. "Das kommt oft einem Drahtseilakt gleich", sagen sie über die Anekdoten, die sie das Jahr über im Dorf sammelten. Auch mit ihrer Tochter Ramona hatte die Elferratsdame  auf der Bühne gestanden. Legendär ihre Auftritte als Bauchrednerin mit ihrer frechen Puppe, Ramona.

Auch ihr Mann Norman versuchte sich mal als Büttenredner, erkannte aber schnell: "Das ist nicht meine Stärke." Mehr Erfolg hatte er als Tänzer beim Männerballett, dem er 14 Jahre angehörte. Als Schatzmeister saß er dann neun Jahre im Präsidium, bevor er das Amt des Sitzungspräsidenten übernahm.

Als diplomierter Biersommelier begründete der 55-Jährige die "Närrische Bierprobe" in Remlingen. Aus einer kleinen Runde vor 22 Jahren ist mittlerweile der erfolgreiche Faschings-Auftakt geworden. Bier spielt auch im Privatleben des Ehepaars eine große Rolle. Norman Siegordner arbeitet als Gebietsverkaufsleiter bei der Ochsenfurt Kauzen Bräu und hat mit Braumeister Jacob Pritzl ein "Original RFG-Bier" kreiert, das für Juni angekündigt ist.

Ramona und Ute Siegordner standen zwei mal als Bauchredner zusammen in der Bütt. Den Text hatte Vater Norman geschrieben. Foto: Familie Siegordner

Beim Festkommers zum 33-Jährigen wurde den Siegordners vom Bund Deutscher Karneval (BDK) jetzt die höchste Auszeichnung, der Verdienstorden in Gold, überreicht. Den Till von Franken, höchste Auszeichnung des Fastnacht-Verband Franken, hatten sie bereits vor zehn Jahren erhalten. Beim Landratsempfang in Greußenheim (Lkr. Würzburg) verabschiedeten sich die beiden ganz privat von den Gesellschaften und von Landrat Eberhard Nuß, betraten dafür aber nicht mehr die Bühne.

Ute und Normen Siegordner sind stolz auf das  was sie mit vielen Freunden und Weggefährten in den letzten 33 Jahren für "ihre RFG" erreicht haben. Und auch wenn sie nicht mehr auf der Bühne stehen, so werden sie doch weiter mit Rat und Tat den Verantwortlichen zur Seite stehen.

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