Ochsenfurt

Abgucken ist erlaubt

Gau-Hauptstadt: Als Zentrum des südlichen Landkreises Würzburg gehört Ochsenfurt gleich zwei kommunalen Allianzen an. In den kommenden Tagen ist die Stadt Schauplatz der Unterfränkischen Kulturtage und des Tags der Franken.
Foto: Claudia Schuhmann | Gau-Hauptstadt: Als Zentrum des südlichen Landkreises Würzburg gehört Ochsenfurt gleich zwei kommunalen Allianzen an.

Wortschöpfungen wie „integrierte ländliche Entwicklung“ oder „interkommunale Allianzen“ scheinen auf den ersten Blick nicht viel mit Kultur zu tun zu haben. Dass ausgerechnet ein „Tag der Allianzen“ am Samstag, 28. Juni, den Auftakt zu den unterfränkischen Kulturtagen in Ochsenfurt bildet, hat aber gute Gründe. Viele Projekte, die Teil dieser Zusammenarbeit zwischen Gemeinden sind, sind mit Kunst und Tradition, mit Tourismus und regionaler Identität verknüpft.

Ochsenfurt hat unter den teilnehmenden Gemeinden eine Sonderstellung inne, denn die Stadt gehört gleich zwei interkommunalen Allianzen an: der „Allianz fränkischer Süden“ und der „Allianz südliches Maindreieck“. Deshalb werde deren Arbeit im Rahmen der unterfränkischen Kulturtage vorgestellt, sagt Sebastian Grimm, der für den „fränkischen Süden“ als Allianzmanager fungiert.

Der Tag der Allianzen soll den Bürgern Gelegenheit bieten, sich ganz konkrete Beispiele erfolgreicher Zusammenarbeit anzugucken. Zusammenschlüsse von Gemeinden gebe es in Unterfranken unter dem Stichwort „integrierte ländliche Entwicklung“ (ILE) mittlerweile fast flächendeckend, sagt Grimm. Viele dieser Gemeinden, die teilweise schon seit Jahren zusammenarbeiten, werden sich und ihre Projekte am Tag der Allianzen an eigenen Ständen vorstellen. Sie zeigen Beispiele, wie Kommunen gemeinsam Ziele erreichen, die jede für sich nicht hätte stemmen können.

„Es soll ein Erfahrungsaustausch stattfinden“, sagt Ottmar Porzelt, Leiter des Amtes für ländliche Entwicklung, das die beteiligten Gemeinden unterstützt. Dabei könnten die Regionen gern auch voneinander abgucken und Projekte, die auf Ochsenfurt und seine Umgebung passen würden, für sich übernehmen. Porzelt nennt als Beispiel das Hofheimer Land, wo im Rahmen der interkommunalen Zusammenarbeit Bürgerbusse und Dorfläden entstanden seien.

Ochsenfurts Bürgermeister Peter Juks ist Sprecher der Allianz fränkisches Maindreieck, die noch nicht ganz so weit vorangeschritten ist wie der „fränkische Süden“. Die Gemeinden am Main wollten sich zuerst der Weiterentwicklung des Tourismus widmen, sagt Juks. Anfang 2015 soll es mit konkreten Projekten losgehen. Die Tatsache, dass auch Gemeinden aus dem Landkreis Kitzingen zu dieser Allianz gehören, empfindet er als spannend. Ein Hindernis für die Zusammenarbeit sei das nicht, Landkreisgrenzen seien oft nur mentale Grenzen.

Sein Bürgermeisterkollege Robert Melber aus Aub ist stellvertretender Sprecher der Allianz fränkischer Süden. Er beschreibt die Anfänge der Zusammenarbeit der 14 Gemeinden zwischen Main und Tauber, die in ihrer Struktur recht unterschiedlich sind. Zwischen Tourismus und Landwirtschaft fanden die Beteiligten mit dem landwirtschaftlichen Kernwegenetz trotzdem ein gemeinsames Thema.

Auch den Leerstand in den Ortschaften wollen die Allianzen angehen und dazu zunächst einmal sämtliche Neubaugebiete erfassen. Immer mehr neue Baugebiete seien überhaupt nicht notwendig, findet Melber. Und Porzelt ergänzt: „Jeder Neubau im Baugebiet ist ein Leerstand im Altort.“

Die Konzeptentwicklung, bei der die Mitarbeit der Bürger gefragt war, ist zwar mittlerweile abgeschlossen. „Es kann aber immer noch jeder Ideen einbringen“, sagt Sebastian Grimm. In einem späteren Stadium soll es wieder Arbeitsgruppen geben, die an den jeweiligen Projekten mitwirken. Peter Juks sieht darin einen Vorteil. Er hat bemerkt, dass sich viele Bürger nicht mehr langfristig an ein Ehrenamt binden wollen. Sie für einzelne Projekte zu begeistern, funktioniere aber nach wie vor sehr gut.

Auf einer großen Bühne vor dem Ochsenfurter Rathaus wird von 12 bis 18.30 Uhr ein Rahmenprogramm geboten. Unter anderem wird die Jagdhornbläsergruppe des Kreisjagdverbandes Ochsenfurt auftreten, sowie das Ensemble der Frankenfestspiele aus Röttingen und die Laienschauspieler der Giebelstadter Florian-Geyer-Spiele, die einen Schaukampf zeigen wollen. Auch der Erlacher „Teufelsgeiger“ Florian Meierott wird ebenso dabei sein wie weitere Kapellen und Chöre aus der Umgebung.

Am gleichen Tag findet übrigens in Ochsenfurt auch die nicht öffentliche Arbeitstagung bayerischer Heimatpfleger statt.

Tag der Allianzen

Samstag 28. Juni

Programm:

10.30 Uhr: Ausstellungseröffnung „Fastnacht in Ochsenfurt – damals und heute“ in den Geschäftsräumen Hauptstraße 30, präsentiert vom Ochsenfurter Carnevals Club

12 bis 18 Uhr: Vorstellung der beiden Allianz-Regionen Fränkischer Süden und Südliches Maindreieck:

• Präsentationen und Ausstellungen der Mitgliedskommunen, musikalische und schauspielerische Auftritte.

• Informationen zur Integrierten Ländlichen Entwicklung (ILE) durch das Amt für Ländliche Entwicklung Unterfranken.

• Vorstellung und Präsentation der unterfränkischen ILE-Allianzen mit Beispielen erfolgreicher interkommunaler Zusammenarbeit.

• Rahmenprogramm, große Bühne vor dem Rathaus, Moderation: Elmar Marquardt, Radio Charivari.

• Ausstellungen mit Gesprächsmöglichkeit zu Umfang und Zielsetzungen unterfränkischer Gemeindeallianzen.

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