Würzburg

Abschied vom Nautiland

Badespaß auf der Abschiedsparty. Foto: Silvia Gralla
| Badespaß auf der Abschiedsparty. Foto: Silvia Gralla

Am Montag ist das Nautiland Geschichte. 1973 als Zellerauer Bad errichtet und 1990 zum Spaßbad ausgebaut, wird es trocken gelegt und komplett abgerissen, um einem Neubau Platz zu machen, der in zwei Jahren fertig sein soll. Tausende Menschen aus Würzburg und dem Umland haben sich im „Nauti“ vergnügt, dort trainiert oder das Schwimmen gelernt. Zum Abschied unterhielten wir uns mit Leuten, die sich an ihr Leben im Bad erinnern.

„Ich bin schon ein bisschen traurig und werde vor allem meine Stammgäste vermissen“, sagt Schwimmmeister Andreas Oehrlein. Der 48-Jährige kam 1992 ins Bad. Kurz nach der Wiedervereinigung kamen viele Leute aus dem Osten mit Reisebussen. „Für die war so ein Erlebnis-Schwimmbad etwas komplett Neues. Jeden Tag war's rappelvoll. Teilweise schon chaotisch.“

Gut besucht war das Bad lange, nur zuletzt gingen die Besucherzahlen stetig zurück: 2010 waren's noch 285.000, im vergangenen Jahr „nur“ noch 212.000 Gäste. Aber es war stets ein Bad für alle, was Oehrlein bestätigt. „Jeder schwamm hier. Vom einfachen Bürger bis zum Professor. Jede Altersgruppe, jede Schicht war vertreten.“ Eine besondere Erinnerung? „Ja, einmal wollte einer ein Selfie machen und fiel dabei rücklings ins Becken.“

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Schokolade zum Abschied

Eine Frau trug am Donnerstag Trauerflor am Arm, als Günter Haberland nach 16 Jahren zum letzten Mal im Nautiland die zweimal wöchentlich Senioren-Wassergymnastik leitete. Haberland - zu seinen Berufszeiten der letzte Dampflokführer Würzburgs - ist bei seinen Senioren, die überwiegend Seniorinnen sind, sehr beliebt: Zum Abschied bekommt er Schokolade und ein Dankeschön-Plakat.

Auch Haberland trug schwarz - die Badehose - ist aber nicht sonderlich traurig. „Es war eine schöne Zeit im Nautiland, aber über etwas weniger Arbeit bin ich ganz froh.“ Der Mann ist 82 und leitet in anderen Bädern wöchentlich drei weitere Senioren-Gymnastik-Stunden.

Ihre Eltern haben sie schon in jungen Jahren fürs Schwimmen im Zellerauer Bad begeistert. Seitdem zieht Barbara Will-Lutz hier regelmäßig ihre Bahnen. „Zweimal die Woche schwimme ich hier 1000 Meter“, sagt die 69-jährige ehemalige Krankenschwester aus Margetshöchheim. „Ich habe mich hier immer wohlgefühlt. Hier ist alles geboten zu einem fairen Preis.“ Was sie weiter sagt, könnte auch in einem Nautiland-Werbeprospekt stehen: „Ein Stunde im Bad ist wie Urlaub.“

Ein Stück Lebensqualität

„Schwimmen ist meine große Leidenschaft.“ Allein deshalb wird Wolfgang Brückner das Nautiland vermissen. Der 87-jährige ehemalige Uni-Professor kommt zweimal die Woche. 1974 zog er mit seiner Familie von Frankfurt nach Würzburg und ist seitdem vom Bad samt Wiese mit Festungsblick begeistert: „Ein Stück Lebensqualität.

“ Nur den Umbau zum Spaßbad „hätt's nicht gebraucht“. Den Bereich des Erlebnisbeckens unter der Glaskuppel nennt er spöttisch „Lusthalle“.

„Wir gehen mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, sagen Bernhard und Ursula Reble, die von der ersten Stunde an im Zellerauer Schwimmbad war: Das Ehepaar ist Mitbegründer der DJK-Schwimmabteilung. Hunderte Sportschwimmer zogen im Zellerauer Bad ihre Bahnen, Tausende Kinder lernten dort das Schwimmen.

Abteilungsleiter Rebele zieht unterm Strich eine positive Bilanz, auch wenn?s für die Vereine im Bad, das zweimal von Schließung bedroht war, nicht immer einfach war. Der Schwimmfan erinnert sich an die Übergangszeit vom Zellerauer Bad zum Nautiland mit strikt getrenntem Trainingsbetrieb in Hallen- und Freibad. Auch Preiserhöhungen fallen ihm ein: „Plötzlich mussten wir pro Nutzungsstunde statt 90 Mark 300 zahlen.“ Dann wieder habe es geheißen, die Vereine müssten ganz raus.

Jetzt wird die DJK während der Bauzeit ins Sandermare und in die Bäder Lindleinsmühle und Friedrich-Koenig-Gymnasium ausweichen. Der 73-Jährige freut sich auf das neue Bad, wo man dann auch wieder „ein bis zwei große Wettkämpfe“ im Jahr veranstalten möchte. Das war im Nautiland nur im kleinen Rahmen möglich. Am Schluss offenbart Reble Erstaunliches: Er habe es gar nicht so mit Schwimmen. „Ich lasse gerne schwimmen und laufe lieber.“

Spiele unter Wasser

Langjähriger Stammgast im Nautiland war auch die Tauchsportgruppe mit ihren 350 Mitgliedern und rund 25 Unterwasser-Rugby-Spielern. Sportchef Peter Endres ist seit und 30 Jahren im Bad in der Zellerau aktiv. Und wie DJK und Wasserwacht kämpfte auch er im „Aktionsbündnis Nautiland“ erfolgreich gegen die 2006 angedrohte Schließung des Bades. „Sehr nervig“ sei die jahrelange Hängepartie um den Fortbestand des Bades gewesen.

„Das Nautiland ist mit seiner Beckentiefe von 3,50 Metern für uns ideal. Es hat dort auch immer alles super geklappt“, sagt der 53-Jährige. Jetzt trainieren die Tauchsportler im Bad der Bereitschaftspolizei und tragen ihre Spiele im Lindleinsmühlenbad aus. An Spieltagen will man dann ins neue Bad, um große Unterwasser-Rugby-Ziele anzugehen: „Wir wollen zurück in die Bundesliga.“

Für Klaus Friedrich ist das Ende des Nautiland „kein Abschied“. „Ich freue mich aufs neue Bad. Das haben wir ja gewollt“, sagt der Sprecher vom „Aktionsbündnis für den Erhalt von Nautiland-Bad und Eisbahn“. Dieses hatte sich 2006 gegründet, als der Fortbestand des Bades, wie schon 2002, gefährdet war. Über Parteigrenzen hinweg kämpften die Bündnismitglieder, allesamt Bad-Nutzer, letztlich erfolgreich für den Erhalt des Bades, das jetzt sogar ein neues wird. „Ein schöner Beleg, dafür man mit konstruktivem Einsatz was bewegen kann“, resümiert der 54-jährige Nautiland-Fan Friedrich.

Das Bad vermissen werden auch Schüler. So schreibt Silvio van Musscher, Sportlehrer an der Jakob-Stoll-Realschule, dass es beim Sportunterricht der Fünft- bis Siebtklässler einen klaren Favoriten gab: das Nautiland.

Ein Flohmarkt als Abgesang

Am Sonntag ist letzter Badetag mit Abschiedsparty, ab Montag wird dann ausgeräumt und am Freitag, 10. März, kommen Schnäppchenjäger und Freunde von Erinnerungsstücken auf ihre Kosten. Denn dann ist von 10 bis 14 Uhr Schlussverkauf im Nautiland. Dabei ist viel bewegliches Inventar im Angebot: Spinde, Tische, Stühle, Spiegel, Schilder, Föne, Lampen, Schwimmutensilien und mehr werden verkauft. Der Erlös kommt der Krebsstation „Regenbogen“ zugute.

 

 
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