Rimpar

Abschied von Burkard Losert: Schmales Budget, viel bewegt

Mit Burkard Losert scheidet einer der dienstältesten Bürgermeister der Region aus seinem Amt. Was ihn in 18 Jahren besonders bewegt hat.
Auf der Suche nach Bündnispartnern: Bürgermeister Burkard Losert stellt FW-Staatssekretarin Anna Stolz die Situation der Mittelschule vor.
Auf der Suche nach Bündnispartnern: Bürgermeister Burkard Losert stellt FW-Staatssekretarin Anna Stolz die Situation der Mittelschule vor. Foto: Ammon

Nach 18 Jahren macht Burkard Losert in Rimpar Platz für Bernhard Weidner als neuen Bürgermeister. Gemeinsam mit dem Marktgemeinderat hat er die Geschicke der Gemeinde bestimmt – und das offenkundig mit Freude, Leidenschaft und einer gehörigen Portion Schlitzohrigkeit. Seine "kleinen Späßle" und Anekdoten in den Ansprachen und den Sitzungen des Gemeinderats, oft gefolgt mit dem Satz, das aber bitte nicht in der Zeitung zu zitieren, werden fehlen. Zur Wahl ist er nicht mehr angetreten. Dem Marktgemeinderat bleibt er jedoch treu. Die Rimparer Bürger haben ihn wieder in das Gremium gewählt. Ein Gespräch über 18 Jahre als Bürgermeister.

Frage: Das Schloss Grumbach war seit 2002 Ihr täglicher Arbeitsort. Schon bald brauchen Sie nicht mehr die steile Treppe zu ihrem Dienstzimmer hinaufzusteigen. Sind Sie erleichtert?

Burkard Losert: Die Stufen bin ich gerne gegangen und zwar zu Fuß und nicht mit dem Aufzug, den es ja auch gibt. Meine Arbeit habe ich immer als Ehrenamt für die Gemeinde gesehen. Mir ging es darum, den Leuten zu helfen und nicht sie zu ärgern. Es war aber natürlich nicht möglich, jeden Wunsch zu erfüllen.

Eine Gemeinde, die finanziell aus dem Vollen schöpfen kann, ist einfacher zu führen als eine, die stets ein Auge darauf haben muss, einen ausgeglichenen Haushalt vorzulegen.

Losert: Zu Hause hatten wir eine kleine Landwirtschaft und mussten als Kinder immer darauf achten, dass wir sinnvoll mit dem umgehen sind, was wir hatten. Taschengeld bekamen wir nicht. Dafür aber Bretter, Nägel und Hammer für einen Hasenstall. Zum Schluss hatten wir 400 Hasen. Jeden Donnerstag haben wir geschlachtet und an die Universität verkauft. Mit 18 Jahren hat es dann für ein erstes Auto, einen Opel Ascona, gelangt. Damals habe ich gelernt: Auch mit begrenzten Mitteln lässt sich einiges bewegen.

Ganz ohne Geld geht es dennoch nicht. Wie haben sie reagiert, als 2009 bekannt wurde, dass ein Kilometer des auf 40 Millionen Euro geschätzten "Jahrhundertprojekts" Umgehungsstraße beinahe so teuer kommt wie einer bei einem Autobahn-Neubau.

Losert: Das war damals eine bittere Erfahrung. Allein 18 Millionen Euro wären für die nötigen Erdbewegungen drauf gegangen. Daraufhin haben wir die Trasse geändert, intensive Gespräche mit dem Landkreis und Freistaat geführt. Vom Freistaat gibt es eine 75-Prozent-Förderung. Der Landkreis muss sich noch bewegen. Schließlich bauen wir eine Kreisstraße. Rimpar braucht eine Umgehung. Daran besteht kein Zweifel.

Es fällt auf, dass Rimpar über hervorragende Kindergärten verfügt und beim Ausbau der Kinderbetreuung Maßstäbe gesetzt hat.

Losert: Es war immer ein Schwerpunkt, den Ort so zu gestalten, dass hier junge Familien gerne leben. Wir haben daher schon früh Kinderkrippen und Schülerhorte eingerichtet. Es war auch richtig, dass sich der gesamte Marktgemeinderat gegen eine mögliche Schließung unserer Mittelschule gestemmt hat. Hier ging es um die Gemeinde, nicht um Parteipolitik. Kinderbetreuung rechnet sich nicht, aber sie lohnt sich.

Manchmal wirken Bürgermeister gerade auch wenn es um kommunale Pflichtaufgaben geht wie Bittsteller bei Land und Bund.

Losert: In unserem föderalen System sind wir vergleichsweise gut aufgehoben. Wenn ich an Languidic, unsere Partnergemeinde in Frankreich denke, haben wir erheblich größere Spielräume. Es gibt viele Förderprogramme. Allzu oft muss man aber auch ein furchtloser Formularbeamter sein, um sich durch die Unterlagen zu arbeiten. Ein ausgeklügeltes und einigermaßen gerechtes Instrument ist der kommunale Finanzausgleich in Bayern. Wichtig ist es aber auch, die Ohren offenzuhalten. In Rimpar haben wir so 2005 den ersten Schülerhort im Landkreis mit einer 80-Prozent-Förderung bekommen. Wie waren damals einfach am schnellsten.

Sie sind in die Politik gegangen, als Willy Brandt Ihre Altersgenossen in seinen Bann gezogen hat. Warum haben Sie sich als junger Mensch für die CSU entschieden?

Losert: Am Küchentisch haben wir in der Familie schon immer viel über Politik diskutiert. Mein Vater war  Heimatvertriebener aus Oberschlesien. Herbert Wehner und Willy Brandt waren daher ein rotes Tuch für ihn. Mit der neuen Ostpolitik, aber auch mit der damals beginnenden Staatsverschuldung, konnte er nichts anfangen. Ich selber war Ministrant. Das hat geprägt. Der CSU bin ich erst 1997 beigetreten. Ich bin ein konservativer Mensch und überzeugt, dass ich dort gut aufgehoben bin.

Dienstlich sind sie in einem Kleinwagen mit Elektroantrieb unterwegs. Die Liebe bayerischer Politiker zu grünen Themen wirkt jedoch manchmal dem politischen Kalkül geschuldet.

Losert: Als Sohn eines Landwirts bin ich naturverbunden aufgewachsen und habe auch später den Bezug zur Natur nie verloren. In meiner Zeit in der Verwaltung von Hettstadt haben wir in den 1980er Jahren mit Waldemar Zorn eine der ersten ökologischen Kartierungen durchgeführt und schon damals Hecken gepflanzt. Auch in Rimpar war es mir wichtig, den Ort ökologisch zu gestalten. Mit unserem Hackschnitzel-Kraftwerk, Nahwärmenetz und LED-Beleuchtung haben wir Akzente gesetzt. Ich bin davon überzeugt, dass wir unsere Welt mindestens so schön weitergeben sollten, wie wir sie von unseren Vorfahren empfangen haben.

Sie sind bekennender Frühaufsteher. Dennoch überrascht es, dass Ihnen Zeit geblieben ist, etwa als BLSV-Kreisvorsitzender, im ASV und sogar als Wetterbeobachter für den Deutschen Wetterdienst ehrenamtlich Verantwortung zu übernehmen.

Losert: Stimmt, und spät ins Bett gehe ich auch. Auf der faulen Haut liegen, ist sicher nicht meine Sache. Das Ehrenamt ist jedoch kein Selbstzweck. Vereine sind gerade auch für einen Bürgermeister wichtige Netzwerke. Dies hat sich in der Flüchtlingskrise und auch jetzt wieder in der Coronakrise gezeigt. Über die Vereine ist es möglich, schnell und unbürokratisch Kontakte herzustellen und zu helfen. Ich bin überzeugt, dass das persönliche Gespräch besser ist als jeder anonyme Brief.

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