Würzburg

Adventskalender: Ein bisschen Zauber und Magie müssen schon sein

Adventskalender: Ein bisschen Zauber und Magie müssen schon sein
Foto: Symbolbild Sebastian Gollnow, dpa

Von Ines Procter

Ich bin in Erlabrunn als eine von drei Töchtern aufgewachsen und in meiner Erinnerung gab es für meine Eltern in erster Linie Arbeit. Ob im Beruf oder im Nebenerwerb als Hobbywinzer, Maler, Hausmetzger mit genug Feldern und Obst, es wurde ständig nur "g'schafft".

Aber trotz aller Schufterei war es meinem geliebten Papa immer ein großes Bedürfnis, gerade zur Weihnachtszeit die nötige Magie und den Zauber walten zu lassen und notfalls auch mal nachzuhelfen. Er fühlte sich mit dieser Weihnachtszeit immer sehr verbunden, vielleicht lag es an seinem Geburtsdatum, dem 14. Dezember 1933, oder aber an seinem Zweitnamen, denn er hieß Karl Nikolaus Muth.

So war die Advents- und Weihnachtszeit ab und an mit "zauberhaften" Begebenheiten geschmückt. Beispielsweise hing einmal in der heiligen Nacht ein goldener Stofffetzen am Eingangstor vor unserem Haus, weil das Christkind gar so schnell das Haus verlassen hatte. In einem Jahr lag Schnee und es waren minikleine Fußspuren zu sehen, die jedoch nur in eine Richtung vom Haus weg führten, und im Wohnzimmer lagen ein paar weiße Federn.

Die Geschichte, die mein Vater hierzu zu erzählen hatte, war, dass das Christkind sich am Flügel wohl verletzt hatte und deshalb dann zu Fuß von dannen ziehen musste. Auch der Nikolausabend wurde zu einem sagenumwobenen, besonderen Tag gemacht, an dem schon auch mal am frühen Nachmittag Reisigreste draußen im Hof lagen, die wohl vom Knecht Ruprecht stammten und mir somit häufig auch etwas bange vor dem bevorstehenden Abend werden ließen. Wie es auch heute noch üblich ist, wurden natürlich tagsüber die Schuhe geputzt und vor der Haustüre aufgestellt.

In einem Jahr habe ich meinen Papa gefragt ob es denn wichtig sei, welche Schuhe vor der Türe stehen. Als er dies verneinte, putzte ich seine riesigen Schlacht-Gummistiefel und stellte sie voll freudiger Erwartung, ob der vielen Süßigkeiten, die da rein passen würden, vor die Türe. Am nächsten morgen jedoch stellte ich fest, dass zwar oben Schokolade und anderer Süßkram herausragten, jedoch der Inhalt von gut vier Fünftel der Stiefel leider nur mit Orangen, Mandarinen und Walnüssen gefüllt wurden. Es lag ein Zettel mit dabei, auf dem stand: "Um in diese Stiefel zu passen, musst Du viel Obst und Nüsse essen, kleines Erdenkind!"

All diese kleinen "Zaubereien" hatten zur Folge, dass ich bis zum Alter von fast 13 Jahren allen Freunden gegenüber vehement die Existenz von Christkind, Nikolaus und Co verteidigte. Lasst auch Euren Kindern, gerade in der heutigen Zeit, möglichst lange den Glauben an etwas Magie!

Ines Procter ist Kabarettistin und unter anderem als "Putzfraa" aus "Fastnacht in Franken" bekannt. Sie lebt in Erlabrunn.

In der Kolumne „Würzburger Adventskalender“ erzählen Menschen aus der Region Würzburg Anekdoten rund um Advent und Weihnachtsfest.

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