ASPACHHOF

Agrarpolitiker besuchen den Aspachhof

Mit ruhiger Hand führt Iwona Kobrzynska die Pinzette zur Ähre der Sommergerstenpflanze. Zielsicher werden Blüte für Blüte die drei Staubblätter, der männliche Teil der Blüte, im unreifen Zustand entfernt. Wenn dann nach etwa drei Tragen das weibliche Blühorgan reif ist, wird es von einer anderen Pflanze bestäubt.
Sichere Hand: Iwona Kobrzynska (links) und Stefan Streng (rechts) zeigten dem Ausschussvorsitzenden Albert Füracker (Zweiter von links) und Uffenheims 2. Bürgermeister Ewald Geißendörfer, wie auf dem Aspachof neue Getreidesorten entstehen.
Foto: GERHARD KRÄMER | Sichere Hand: Iwona Kobrzynska (links) und Stefan Streng (rechts) zeigten dem Ausschussvorsitzenden Albert Füracker (Zweiter von links) und Uffenheims 2.

In der Saatzuchtwirtschaft Streng auf dem Aspachhof bei Uffenheim wird in den Wintermonaten im Zuchtgarten eifrig gekreuzt, um Sorten von Winterweizen, Winter- und Sommergerste zu züchten, die optimal zu den Anbauregionen passen.

Der stetige Klimawandel könne mit der klassischen Zucht gemeistert werden, Kummer bereiten die extremen klimatischen Situationen.

Gearbeitet wird auf dem Aspachhof „ohne Gentechnik, sondern konventionell mit viel Handarbeit“, versichert der Chef des mittelständischen Betriebs Stefan Streng. Doch hier liegen auch schon die Probleme, was mögliche Verunreinigungen betrifft.

Darüber informierte er nun den Vorsitzenden des Ausschusses für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten im Bayerischen Landtag, Albert Füracker, der zusammen mit Mitgliedern der Arbeitsgemeinschaft Landwirtschaft der Kreis-CSU den Betrieb besuchte.

Weltweit gebe es bereits riesige Flächen, auf denen gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut würden. Streng befürchtet, dass es irgendwann zum Beispiel auf dem Transportweg wie Lkw oder Schiff zu gentechnischen Verunreinigungen des Saatguts kommen könnte. Dann entstehe schnell ein Millionenschaden und er könne seinen Betrieb schließen, obwohl er nichts dafür könne, erklärte Streng.

Denn in Deutschland gebe es anders als zum Beispiel in Österreich „Nulltoleranz beim Saatgut“. Bei Futtermitteln dagegen sei ein Schwellenwert eingeführt. Deshalb fordert Streng einen solchen Wert auch für das Saatgut und denkt dabei an 0,1 Prozent. „Eine solche Verunreinigung sollte tolerierbar sein“, meint der Züchter, der seinen Betrieb in der vierten Generation führt.

Füracker nahm dieses Anliegen gerne auf, weil er die Arbeit der mittelständischen regionalen Betriebe nicht durch falsche Entscheidungen im Landtag erschweren möchte. Auch gelte es dafür Sorge zu tragen, dass kleinere Betriebe neben den Großkonzernen existieren könnten.

In der Entwicklung einer Sorte stecke viel Zeit, informierte Züchtungsleiter Peter Greif. Bis zu 15 Jahre könne es dauern. Zeit spare man durch die Winterarbeit im Gewächshaus und durch den Anbau in Chile. Jüngst sei aus dem Betrieb eine Wintergerste mit nachgewiesener Resistenz gegenüber UV-Strahlung, als erste Sorte in Deutschland, auf den Markt gekommen. Diese werde nun weiterentwickelt.

Das Produkt genieße einen so genannten Sortenschutz, denn es steckt laut Streng „geistiges Eigentum in jeder Sorte“. Von Saatgutfirmen gebe es dafür Lizenzgebühren, doch auch Landwirte könnten „nachbauen“, müssten dafür aber eine Gebühr berappen, was nicht alle tun. Sie nutzten eine Lücke im Gesetz, demnach der Züchter nachweisen müsse, dass seine Sorte nachgebaut werde. Erst dann sei der Landwirt auskunftspflichtig.

Hier forderte Streng eine Änderung, um mittelständische Betriebe zu sichern. Auch wenn sein Betrieb gut aufgestellt sei, schaue er doch besorgt in die Zukunft der Pflanzenzüchtung, da man als „Kleiner“ gegen „Multis“ bestehen müsse.

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