Gelchsheim

Allerheiligen: So reagieren Pfarrer im Landkreis Würzburg

Allerheiligen ist für viele Menschen ein fester Termin im Kirchenjahr. Doch wie funktioniert das Gedenken in einem Pandemie-Jahr?
Die Gräber auf dem Ochsenfurter Friedhof sind für Allerheiligen frisch hergerichtet.
Foto: Gerhard Meißner | Die Gräber auf dem Ochsenfurter Friedhof sind für Allerheiligen frisch hergerichtet.

Eigentlich stand der Plan für Allerheiligen fest: "Ich wollte alle Gottesdienste ausfallen lassen, um zeitlich alle Friedhofsgänge zu ermöglichen", erklärt Pfarrer Gregor Sauer. Der 47-Jährige ist seit 2007 Pfarrer in der Pfarreiengemeinschaft Aub-Gelchsheim, zu der die Orte Aub, Baldersheim, Buch, Burgerroth, Gelchsheim, Oellingen und Osthausen gehören. Nun die Kehrtwende.

Lesen Sie auch:

"Nun habe ich komplett alle Friedhofsgänge abgesagt", so Sauer. Die Bürgermeister von Aub und Gelchsheim hatten sich bereits am Dienstag an ihn gewandt und ihm die Empfehlung des  Kreisverbandes des Bayerischen Gemeindetags mitgeteilt: die öffentlichen Feierlichkeiten an Allerheiligen und Allerseelen in diesem Jahr entfallen zu lassen.

Infektionsschutzkonzepte erforderlich

"Die Friedhöfe in den Kommunen stehen im Eigentum der Gemeinden, wir stehen hier in der Verantwortung und müssen für die Feierstunden Infektionsschutzkonzepte erarbeiten und auch überwachen", wird Bergtheims Bürgermeister Konrad Schlier in der Pressemitteilung des Gemeindetags zitiert. Die Vorsitzende des Kreisverbands, Hettstadts Bürgermeisterin Andrea Rothenbucher, erklärt auf Nachfrage dieser Redaktion, dass es nur eine Empfehlung bezüglich der Feiertage sei. Entscheidungen sollten in Rücksprache mit den jeweiligen Pfarrern und Pfarrgemeinderäten vor Ort getroffen werden, so Rothenbucher.

Auch in der Diözese Würzburg hat man sich Gedanken über Allerheiligen gemacht: "Die Empfehlung des Kreisverbands Würzburg des Bayerischen Gemeindetags ist angesichts der aktuellen Corona-Situation verständlich. Wichtig ist dabei aber, dass die Verantwortung für gottesdienstliche Feiern auf dem Friedhof von Kommunen und Kirche gemeinsam wahrgenommen wird", erklärt Pressesprecher Bernhard Schweßinger.

"Wir können nicht überall auf Abstände drängen und dann die Menschen auf dem Friedhof zusammentrommeln. Das wäre Blödsinn."
Pfarrer Gregor Sauer

"Gottesdienstliche Feiern auf dem Friedhof zählen als öffentliche Gottesdienste im Freien nach Paragraf 6 der Infektionsschutzmaßnahmenverordnung. Nach Rechtsauffassung der Diözese hat eine Kommune nicht das Recht, einen Gottesdienst zu untersagen. Das wäre ein Eingriff in die Religionsfreiheit, zu dem die Kommune nicht befugt ist", sagt Schweßinger zu der Empfehlung des Würzburger Kreisverbands des Bayerischen Gemeindetags.

Abstimmung in den Gemeinden

Allerdings könne die Kommune als Betreiber des Friedhofs festlegen, wie viele Personen sich auf dem Friedhof aufhalten dürfen und ein Hygienekonzept für den Gottesdienst verlangen, so der Pressesprecher. "Deshalb hat die Diözese ihren Seelsorgerinnen und Seelsorgern auch immer dringend empfohlen, sich mit den Kommunen abzustimmen - und das klappt auch", sagt Schweßinger. 

Pfarrer Sauer bereut die Absage der Friedhofsgänge nicht. "Die Bitte der Bürgermeister war so deutlich, und ich persönlich stehe auch voll dahinter", sagt er. "Wir können nicht überall auf Abstände drängen und dann die Menschen auf dem Friedhof zusammentrommeln. Das wäre Blödsinn."

Auf den meisten Friedhöfen sei es nicht möglich, die Abstände einzuhalten, so Sauer. "Die Menschen sind natürlich enttäuscht, aber verstehen es auch", sagt er und wird selbst wehmütig: "Es ist wieder ein Teil des Kirchenjahres, der ausfällt. Das Jahr 2020 kann man streichen. Von Ostern bis jetzt war eigentlich nichts, was das Jahr normalerweise prägt."

"Das Jahr 2020 kann man streichen. Von Ostern bis jetzt war eigentlich nichts, was das Jahr normalerweise prägt."
Pfarrer Gregor Sauer

Die Menschen können dennoch auf den Friedhof gehen und beten, so der Pfarrer. Zwar sei die Gräbersegnung eine schöne Tradition, aber das tue schließlich jeder Friedhofsgänger selbst, wenn er Weihwasser spritze. Dass der Friedhofsgang schon einmal ausgefallen ist - davon ist ihm nichts bekannt: "Ich würde ihn vielleicht kürzer halten, wenn es wie aus Kübeln schütten würde, aber dass es ihn gar nicht gab, daran kann ich mich nicht erinnern."

Lesen Sie auch:

Am Mittwoch hatte die Diözese in einer Rundmail alle Seelsorgerinnen und Seelsorger im gesamten Bistum erinnert, dass "bei gottesdienstlich gestalteten Friedhofsgängen auf jeden Fall Maskenpflicht gilt und dass die Mindestabstände eingehalten werden müssen", erklärt Bernhard Schweßinger.

Da hierdurch auf vielen Friedhöfen im Landkreis die üblichen Segnungen nicht möglich seien, sollen die Seelsorgerinnen und Seelsorger auch alternative Formen des Totengedenkens nutzen, so der Pressesprecher der Diözese. Zu alternativen Gedenkformen zählen beispielsweise kleinere Feiern, seelsorgerische Präsenz auf dem Friedhof oder Gebetshilfen.

Gebetshilfen in der Kirche

Solche Gebetshilfen gibt es zum Beispiel in der Pfarreiengemeinschaft Kreuz Christi von Eisingen, Kist, Waldbrunn und Reichenberg. "Die Kirchen sind offen. Hier liegen für die Menschen Gebetsblätter aus", sagt Pfarrer Jerzy-Andrzej Jelonek. Daneben finden sich diese auch auf der Internetseite der Pfarreiengemeinschaft. 

Vor Allerheiligen laufen letzte Vorbereitungen an einem Grab auf dem Friedhof in Ochsenfurt.
Foto: Gerhard Meißner | Vor Allerheiligen laufen letzte Vorbereitungen an einem Grab auf dem Friedhof in Ochsenfurt.

Denn auch dort fallen in diesem Jahr alle Friedhofsgänge aus, wie Jelonek erklärt: "Auf Wunsch und Empfehlung der Landkreis-Bürgermeister und mit Blick auf die Corona-Situation sagen wir die Andachten auf unseren Friedhöfen ab." Auch er hält deshalb an den Gottesdiensten in allen Gemeinden fest. Zudem will Jelonek an Allerheiligen die verschiedenen Friedhöfe besuchen und die Gräber segnen. "Aber ohne Öffentlichkeit", wie er sagt.

Der Pfarrer ist in diesen Pandemie-Zeiten froh, dass man auf Alternativen ausweichen kann und seinen Mitarbeitern, Pfarrgemeinderäten und der Kirchenverwaltung für ihr Engagement dankbar, erzählt er: "Gerade jetzt spürt man, dass die Menschen etwas tun wollen."

Nichts mehr verpassen: Abonnieren Sie den Newsletter für die Region Würzburg und erhalten Sie dreimal in der Woche die wichtigsten Nachrichten aus Ihrer Region per E-Mail.
Weitere Artikel
Themen & Autoren
Gelchsheim
Aub
Eisingen
Reichenberg
Kist
Waldbrunn
Ochsenfurt
Julia Back
Allerseelen
Andrea Rothenbucher
Jesus Christus
Kirchenjahr
Konrad Schlier
Ostern
Pressesprecher
Lädt

Damit Sie Schlagwörter zu "Meine Themen" hinzufügen können, müssen Sie sich anmelden.

Anmelden

Das folgende Schlagwort zu „Meine Themen“ hinzufügen:

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits.

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
Kommentare (2)
Aktuellste Älteste Top

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!