Würzburg

Antwort von Peta zum Schweineskandal: "Tierquälerei pur“

Geht der Fall der 2000 toten Schweine aus dem Landkreis Würzburg juristisch vielleicht doch weiter? Die Tierrechtsorganisation Peta antwortet auf den Samstagsbrief.
Archivfoto zum Schweineskandal bei Gelchsheim: Im Mai 2018 wurden die toten Mastschweine werden aus dem Stall geräumt und mit Lastwagen abtransportiert.
Foto: Thomas Obermeier | Archivfoto zum Schweineskandal bei Gelchsheim: Im Mai 2018 wurden die toten Mastschweine werden aus dem Stall geräumt und mit Lastwagen abtransportiert.

In der vergangenen Woche ging unser Samstagsbrief an die Tierrechtsorganisation Peta. Der Anlass: Der Generalstaatsanwalt in Bamberg hat die Beschwerde von Peta zurückgewiesen, die Ermittlungen im Fall der 2000 toten Schweine im Landkreis Würzburg sind endgültig eingestellt. Hier die Antwort von Dr. Edmund Haferbeck, Leiter der Wissenschafts- und Rechtsabteilung von Peta:

Anwalt der Tiere: Dr. Edmund Haferbeck.
Foto: PETA Deutschland e.V. | Anwalt der Tiere: Dr. Edmund Haferbeck.

„Ja, es ist ,unfassbar'. Wenn Sie die Bildbeweismappe der ermittelnden Behörden einsehen könnten, würden Sie angewidert wegschauen: Es sind Schweine zu sehen, die versucht haben, sich aus den Buchten zu befreien und im Gestänge hängen geblieben und nach Stunden oder Tagen dort gestorben sind. Manche der Schweine wurden von ihren vor Hunger schreienden Artgenossen regelrecht ,angefressen'. Doch damit nicht genug: Es wurde im Vorfeld die ganze Zeit schon gegen die gesetzlichen Bestimmungen verstoßen, an die sich jeder Landwirt halten muss.

Selbstverständlichkeiten eigentlich, doch ignoriert: Durch handelsrechtliche Tricksereien über eine KG wurden die für die Anlagen erforderlichen Genehmigungen über einen Zeitraum von 2013 bis 2018 nicht eingeholt. Die Anlagen wurden schon aus diesem Grund illegal betrieben, ein klarer Verstoß gegen die gesetzlichen Bestimmungen und Tierquälerei pur. Was an Verstößen möglich war, wurde hier vollzogen. Der Tierhalter, der die KG unter anderem zur Umgehung der Gesetze gründete, wird trotz seiner Taten, die über einen Zeitraum von mindestens sechs Jahren stattfanden, für schuldunfähig erklärt.

Und ja, es ist mehr als ungewöhnlich, dass eine Generalstaatsanwaltschaft in derart kurzer Zeit einen Bescheid erlässt – in einem enorm komplexen Verfahren. Würde dieser Fall öffentlich verhandelt werden – das wäre zwingend erforderlich –, würde die Öffentlichkeit all das unvorstellbare Grauen erfahren und unwillkürlich die Frage stellen: Wie kann so etwas in Deutschland, in Bayern (!) geschehen? Will die Justiz genau dies vermeiden?

Es beschleicht mich ein schlechtes Gefühl. Der Drang seitens der Justiz, den Fall ad acta legen zu können, ist mir zu forsch, zumal die Ermittlungsakten auch eine andere Sprache sprechen. Mit gesundem Menschenverstand ist dies nicht mehr nachvollziehbar. An diesem Fall sieht man jedoch, dass die Wirklichkeit hinter den Mauern der Tierhaltungsanlagen schlimmer sein kann als man sich vorstellen kann.

Dennoch darf ich Sie korrigieren: Peta begeht keine Stalleinbrüche, um Undercover-Videos herzustellen, Peta veröffentlicht solche nur, wenn sie Peta zugespielt werden und sich als echt erweisen. Ich werde das Bayerische Staatsministerium der Justiz ,nerven', versprochen. Am Freitag ging der Schriftsatz mit Anlagen per Einschreiben raus.“


Der Samstagsbrief

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Persönlich, direkt und pointiert formuliert soll der "Samstagsbrief" sein. Mal emotional, mal scharfzüngig, mal mit deutlichen Worten, mal launig – und immer mit Freude an der Kontroverse. Der "Samstagsbrief" ist unsere Einladung zur Debatte und zum Austausch. Im Idealfall bekommen wir vom Adressaten Post zurück. Die Antwort und den Gegenbrief, den Briefwechsel also, finden Sie dann auf jeden Fall bei allen "Samstagsbriefen" hier.

Und vielleicht bietet die Antwort desjenigen, der den "Samstagsbrief" zugestellt bekommt, ja auch Anlass für weitere Berichterstattung – an jedem Tag der Woche. www.mainpost.de/samstagsbrief

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