AUB

Asylprotest: Flüchtlinge fühlen sich alleingelassen

Camp im Freien: Das ist der provisorische Schlafplatz der Asylbewerber aus Afghanistan, Irak und Iran im Innenhof des Auber Schlosses. Tagsüber protestieren die Männer auf dem Marktplatz der Stadt.
Foto: Norbert Hohler | Camp im Freien: Das ist der provisorische Schlafplatz der Asylbewerber aus Afghanistan, Irak und Iran im Innenhof des Auber Schlosses. Tagsüber protestieren die Männer auf dem Marktplatz der Stadt.

Sie fühlen sich isoliert, allein gelassen. Sie haben ihre Wünsche und Forderungen in einem Acht-Punkte-Katalog zusammengefasst (siehe unten). Und sie hoffen, gehört zu werden, mit Einheimischen ins Gespräch kommen: Zehn Asylbewerber aus dem Irak, Iran und Afghanistan wollen in den nächsten vier Wochen gut sichtbar auf dem Marktplatz in Aub auf ihre Anliegen aufmerksam machen.

„Uns fehlt der Kontakt zu Kultur, Sport oder Festen.“

Ashkan Kharasoni, Asylbewerber

Dazu werden zwei Pavillons auf dem Asphaltplatz unterhalb der Mariensäule aufgebaut, die Aktion ist mit Stadt, Landratsamt und Ochsenfurter Polizei abgesprochen. „Ich habe am Montag den Stadtrat informiert, rechtlich geht es ja um eine Sondernutzung für das Gelände“ erklärte Bürgermeister Robert Melber am Telefon. „Das ist Neuland für uns“, räumt der Ortschef ein, „doch das Versammlungsrecht ist ein Bürgerrecht, das für alle gilt.“

Melber klingt entspannt, weil die Asylbewerber signalisiert haben, sich an die vereinbarten Regeln halten zu wollen: Es gibt weder einen Hungerstreik wie in Würzburg, noch nähen sich die Männer die Münder zu, noch übernachten sie auf dem Marktplatz. Schlafen werden sie im Innenhof des Schlosses, wo die Asylbewerber ein provisorisches, zweites Camp errichtet haben: Eine große blaue Plane überspannt den kleinen Bereich, wo die Betten stehen, befestigt ist die Plane mit Schnüren, die mit Steinen beschwert wurden.

Bei Regen wird es feucht, und laut sei es, wenn der Wind durchpfeift, erzählt Ashkan Kharasoni, der die Aktion auch als Zeichen der Solidarität mit den Würzburgern sieht. „Aber vor allem haben wir alle vom Warten und Nichtstun genug.“ Der 23-Jährige lebt seit 20 Monaten in Aub, war als politischer Aktivist vor seiner Flucht dreimal im Gefängnis.

„Anfangs hat es mir genügt, einfach in Sicherheit zu sein. Doch jetzt nervt es, vor allem, weil es keine Antwort gibt – weder eine positive noch negative.“ Aub ist, bei allem Respekt, für die jungen Männer die Hölle. „Hier gibt es nichts, der Bus fährt dreimal am Tag, wir sind abgeschnitten.“ Da tröstet es auch kaum, in einem Schloss zu wohnen, ohne Stacheldraht und Wachposten wie in Veitshöchheim.

„Uns fehlt der Kontakt zum Leben, zu Kultur, Sport oder Festen.“ Kharasoni rechnet vor, dass er 25 Euro im Monat für das billigste Internetangebot zahlt – und 13 Euro eine Fahrt hin und zurück nach Würzburg kostet. „Das wars dann mit 40 Euro Taschengeld im Monat.“ Das Internet sei für die politische Arbeit unverzichtbar, ebenso für den Kontakt zu Familie und Freunden.

Die jungen Männer spielen gern Fußball, was man gut an den sechs oder sieben Bällen sieht, die am Lawinenschutz auf dem Dach hängen geblieben sind. Und sie haben sich ein paar Fitnessgeräte gebastelt, um in Form zu bleiben. Schließlich ist beim Kampf gegen die Langeweile jede gute Idee willkommen.

Der Acht-Punkte-Katalog

Die Auber Asylbewerber kämpfen mit ihrem Protest um Grundsätzliches. Ihre acht Forderungen im Überblick:

1. Stopp der Abschiebungen

2. Schließen aller „Lager“

3. Essenspakete abschaffen (werden derzeit aus Protest verweigert)

4. Arbeitserlaubnis nach einem Jahr in ganz Deutschland

5. Deutschkurse (auf freiwilliger Basis)

6. Feste Frist, in der Bundesamt ja oder nein zu Asylantrag sagen muss

7. Freie Ortswahl, insbesondere zur Familienzusammenführung

8. Bewegungseinschränkung (40-km- Radius) streichen

Beteiligt sind an dem Protest aus Afghanistan Habib Asadullah, Farrid Mirzaie, Zaker Bayat, Hassan Rahimi, Einrooz Saafi. Aus dem Iran Ashkan Kharasoni, Mohsan Zefrschteivan, Morteza Tabee. Aus dem Irak Amin Sattar Mohamad und Soleiman Eskandar.
 

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