Würzburg

Auf den Spuren der Frühzeit des Christentums

Weihbischof Ulrich Boom
Foto: Markus Hauck, POW | Weihbischof Ulrich Boom

Nach Tunesien führt eine Pilgerreise unter dem Motto „Das frühe Christentum am Kreuzweg der Kulturen“ vom 14. bis 21. Oktober, bei der Weihbischof Ulrich Boom gemeinsam mit dem Bamberger Domkapitular Norbert Jung geistlicher Begleiter ist. Im folgenden Interview erklärt der Weihbischof unter anderem, warum die Reise nach Nordafrika für Christen interessant ist und gibt eine Einschätzung zur Sicherheitslage. Die Fragen stellte Markus Hauck  vom Pressedienst des Bischöflichen Ordinariats.

Frage: Herr Weihbischof, was ist das Anliegen der Pilgerreise nach Tunesien, die Sie geistlich begleiten?

Weihbischof Ulrich Boom: In der Frühzeit des Christentums war Nordafrika ein wichtiges und blühendes religiöses Zentrum. Neben dem Nildelta waren im heutigen Raum Tunesien wichtige Städte von Wirtschaft und Wissenschaft. Große Gestalten wie zum Beispiel Cyprian von Karthago oder der Kirchenvater Aurelius Augustinus wirkten von dort aus prägend für die Kirche. Die philosophischen und theologischen Auseinandersetzungen damals sind den unseren nicht fern. In Anbindung an die Frühzeit haben noch heute Weihbischöfe hier ihre Titularbistümer. So ist das meinige in Salakta, damals Sullectum, und von dem 2018 verstorbenen Bamberger Weihbischof em. Werner Radspieler das antike Thugga, heute Dougga. Vom Bayerischen Pilgerbüro in München wurde ich gebeten, zusammen mit dem Bamberger Domkapitular Norbert Jung die geistliche Begleitung dieser Pilgerfahrt nach Tunesien zu übernehmen. Da habe ich gern zugesagt.

Ist eine solche Reise nicht angesichts der Lage im Land gefährlich?

Weihbischof Boom: Zurzeit ist die Lage im Land ruhig. Ähnlich wie beim Heiligen Land möchte ich dafür werben, dass wir ein solches Land besuchen, weil hier unsere Wurzeln zu finden sind. Sollten sich die Verhältnisse bis zum Herbst ändern, dann wird vom Pilgerbüro alles unternommen, dass von der Reise zurückgetreten werden kann beziehungsweise dass sie abgesagt wird. Aber das sehe ich nicht. Nicht zwingend, aber doch unterstützend helfen diese Reisen, die Lage im Land zu stabilisieren.

Welche Rolle spielt das Christentum in Tunesien heute?

Weihbischof Boom: Wie in allen Ländern Nordafrikas ist der Islam Staatsreligion. Christen und Juden sind kleine Minderheiten. Es gibt an die 30 000 Christen im Land, von denen etwa ein Drittel Einheimische sind. Wenn Papst Franziskus nach Abu Dhabi und nach Marokko pilgert, macht er es nicht nur, um den christlich-islamischen Dialog zu fördern, sondern auch um die Christinnen und Christen im Land in ihrem Glauben zu stärken. Die Reise nach Tunesien ist auch ein Brückenschlag zwischen Afrika und Europa, von der fernen Vergangenheit in die Gegenwart und Zukunft. Für einen Dialog ist nicht die gleiche Größe einer Gruppe entscheidend, sondern der Respekt für- und voreinander. Das können wir lernen.

Wird es auch eine muslimisch-christliche Begegnung auf der Reise geben?

Weihbischof Boom: Es wird eine Menge an Begegnungen geben mit den Zeugnissen muslimischer und christlicher Kultur. Eine Begegnung mit offiziellen Muslimen ist angedacht. Das wird sich aber erst zum Sommer hin klären. Ähnliches gilt für die Begegnungen mit einer christlichen Gemeinde.

Was erwartet die Teilnehmer jenseits der Spurensuche nach „dem frühen Christentum am Kreuzweg der Kulturen“?

Weihbischof Boom: Jenseits dieser Spurensuche nach unseren Wurzeln bietet eine solche Reise natürlich auch die Begegnung und die Berührungen mit der orientalischen Welt. Das gilt im Blick auf die Städte und Landschaften, aber auch im Blick auf Essen und Trinken. Nicht weniger unbedeutend ist, dass die drei Maler Paul Klee, August Macke und Louis Moilliet vor etwa 100 Jahre (1914) ein für die Kunstgeschichte bedeutenden Reise, die Tunis, unternommen haben. Wir sind an Orten dieser Reise. Im „Würzburger katholischen Sonntagsblatt 8/2019“ fand sich ein guter Artikel unter dem Thema „Mackes Traum vom Orient“. Ich wünsche mir, dass die Teilnehmer nach der Reise sagen, was Macke im April 1914 an seinen Mäzen schreibt: „Jetzt hat die Herrlichkeit bald ein Ende. Je weiter man vom Orient wegkommt, desto mehr lernt man ihn schätzen“.

Auf dem Programm der achttägigen Flugreise stehen neben der tunesischen Hauptstadt Tunis unter anderem die große Ruinenstätte von Dougga, das UNESCO-Weltkulturerbe Kairouan, das eine der vier heiligen Städte des Islam ist, zudem Salakta, Ort des Titularbistums Sullectum von Weihbischof Boom. Außerdem besuchen die Teilnehmer die Halbinsel Cap Boom, Karthago sowie das Künstlerdorf Sidi Bou. Nähere Informationen zur Pilgerreise nach Tunesien und Anmeldung bei: Pilgerbüro der Diözese Würzburg, Kilianshaus, Kürschnerhof 2, 97070 Würzburg, Tel.: (0931) 38665141, E-Mail pilgerbuero@bistum-wuerzburg.de, Internet www.pilgerbuero.bistum-wuerzburg.de

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