WÜRZBURG

Auf Fragen viele Gegenfragen

Es ist leicht nachvollziehbar, wenn Stefan Lindner und Dagmar Dewald grundsätzlich etwas dagegen haben, dass in eine zweifellos schöne stadtnahe Landschaft eine Teil-Universität gebaut werden soll. Auch wenn die Veränderung auf einem Acker stattfindet, ist es eine Veränderung der Landschaft mit Konsequenzen. Ein Redaktionsgespräch mit der Bürgerinitiative „Alandsgrund“.
Stefan Lindner von der Bürgerinitiative Alandsgrund: Nachdrücklich, aber immer mehr um Konsens bemüht.
Foto: FOTO thomas Obermeier | Stefan Lindner von der Bürgerinitiative Alandsgrund: Nachdrücklich, aber immer mehr um Konsens bemüht.

Was könnte rechtfertigen, ein nach einem langen Genehmigungs- und Abwägungsverfahren baureifes Hochschulprojekt kurz vor Baubeginn zu stoppen? Unsere Gesprächspartner von der Initiative waren Stefan Lindner und Dagmar Dewald.

Es ist für sie nicht möglich, zahlenmäßig zu definieren, wie viele Bürger zur Initiative zählen, weil es keine Mitgliedschaft gibt. Beide vermuten, dass ein Drittel ihrer Anhänger aus dem Bereich des Stadtteils Keesburg kommt. Der Rest aus dem ganzen Stadtgebiet. Sie verwahren sich dagegen, identisch mit der Initiative „Rettet den Ringpark“ zu sein, der die Bahnhofs-Arcaden verhindert hat. Wenngleich klar ist, dass ein Teil der Aktiven aus dem „Arkaden-Projekt“ auch beim „Alandsgrund“ mit arbeitet.

Nachdem die Bürgerinitiative antritt mit dem Argument „Fachhochschule ja - am Alandsgrund Nein!“ war es eine legitime Grundfrage, wo und in welchem Zeitraum die Initiative die Chance für eine Erweiterung der Fachhochschule sieht. Wo könnte die FH auf dem Leighton-Gelände unterkommen, für das noch jede Gesamtplanung fehlt. Dazu meint Stefan Lindner:„Warum sollte für die FH nicht möglich sein, was der Universität möglich ist“. Wie schnell auf den Leightons gebaut werden könne, sei eine Frage des politischen Willens. Auf die Frage, dass dieses Gelände objektiv im Moment noch nicht zur Verfügung steht: „Wenn es sich verzögert, können wir nichts dafür“. Man habe nie behauptet, dass ein Neubau an anderer Stelle in zwei Jahren möglich sei, „wir sind für Zwischenlösungen“. Dazu zur Erläuterung: Auch die Universität baut nicht auf dem Leigthon-Areal und hat dazu auch noch keine Planungen. Sie kann am Hubland für die „Studentenschwemme“ noch auf eigenem Gelände vorsorgen.

Leer stehende Gebäude in der Stadt für die FH zu nutzen, da hat nach eigenen Aussagen die Initiative bei ihren Informationsständen in letzter Zeit in der Bevölkerung offene Ohren gefunden. Genannt wurden das Bürgerbräu-Areal in der Zellerau, die alte Augenklinik am Röntgenring, das US-Militär-Hospital am Mönchberg oder das Siemens-Gelände in der Mergentheimer Straße. Nach Aussagen eines Maklers gegenüber der Initiative wären die Siemens-Immobilien innerhalb eines Monats für den Lehrbetrieb der FH fit zu machen. Es gebe nur keinen Willen, solche Alternativen ernsthaft zu überprüfen. Die Redaktion kann aufgrund früherer Berichterstattung belegen, nahezu alle genannten Objekte auf mögliche Nachnutzungen überprüft worden sind. Dazu wurde eingeräumt:„Wir geben zu, wir haben nicht überall die Erstinformation“.

Eine Grundfrage, warum die Initiative nicht schon viel früher aktiv geworden ist, wo doch der Standort am Sanderheinrichsleitenweg schon fast zehn Jahre bekannt ist, wird damit begründet, dass erst 2007 der Abzug der Amerikaner feststand. Die Argumente wären zuvor sicher nicht anders gewesen, weil eine Bebauung in diesem Grüngürtel grundsätzlich nicht zulässig sei.

Ein besonderes Augenmerk legt die Initiative auf die Studentenzahlen. Die Grundkonzeption geht von 450 Studenten aus. Tatsächlich ist von über 1000 die Rede. Das kommt daher, dass die geplanten Studienplätze doppelt genutzt werden sollen. Hier stellen die BI-Vertreter fest, die Parkplatz-Situation sei überhaupt nicht geklärt, vor allem nicht im Hinblick auf eine größere Nutzung. 165 Parkplätze sind in einer Tiefgarage geplant. Die BI hat keine Zahlen, wieviele Studenten einen Pkw benutzen. Die BI befürchtet: „Man möchte die Dinge die schwierig werden können klein halten, das kann in der Summe aber einmal völlig anders aussehen“. Dazu gehört auch die Sorge, dass Studenten über den Alandsgrund fahren könnten, der heute eine reine Anliegerstraße ist. Auch eine Erweiterung und Erschließung über den Alandsgrund wird nicht ausgeschlossen.

Die Sprecher der Initiative glauben nicht, dass der Freistaat die Stadt „abstrafen“ wird, wenn sie jetzt ein baureifes Projekt förmlich abbläst. Der Zeitrahmen kann für Stefan Lindner nicht das entscheidende Argument sein. Lindner glaubt auch, dass man in München nicht genau weiß, wo die FH in Würzburg wirklich gebaut werden soll. Dem entgegen steht freilich, dass Minister Goppel vor einem Jahr persönlich das Grundstück am Sanerheinrichsleitenweg in Augenschein genommen hat.

Die Fachhochschule bemüht sich seit Jahrzehnten um Raumlösungen. Dazu gab es bereits einmal einen Bürgerentscheid wegen der Auslagerung des Röntgen-Gymnasiums. Da sagen die Vertreter der Bürgerinitiative, die Studenten der FH seien Jahre lang völlig unkritisch gewesen. Heute seien sie sogar teils in Schimmelbauten untergebracht.

BI-Sprecherin Dagmar Dewald             FOTO thomas obermeier
| BI-Sprecherin Dagmar Dewald FOTO thomas obermeier
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