Würzburg

Azubi rappt über fiktive Insolvenz der Würzburger Mainmühle

Corona-Lockdown: 22-Jähriger Azubi dichtet über die Situation der Gastronomie. Diese sieht der Verband der Branche sehr kritisch. Was ist mit den versprochenen Hilfen?
Philipp Kruger vor dem Lockdown am Mainkai. 
Foto: Kruger | Philipp Kruger vor dem Lockdown am Mainkai. 

Ein 22-jähriger Azubi der Würzburger Mainmühle rappt über seine Situation im Lockdown und postet das Video auf Facebook und Co. "Wenn mir langweilig war, habe ich halt ein bisschen auf dem Tisch herum geklopft und dann sind mir ein paar Wörter zum Rhythmus eingefallen", schildert Philipp Kruger die Entstehungsgeschichte seines kurzen Ständchens, das in den sozialen Netzwerken viel Beifall bekommen hat.

Rap über seine Situation

"Ich sitze auf der Arbeit und beiße in mein Brot. Denn ich hab' gerade Pause und heut' ist auch nichts los. Ich arbeite in 'nem Laden, den ihr alle kennt. Es ist die Mainmühle und wir gehen insolvent." Diese Zeilen rappt der 22-Jährige in einem kurzen Video und klatscht den Takt dazu.  

"Ein bisschen Humor schadet auch in diesen Zeiten nicht", sagt Kruger, der in der Alten Mainmühle seit 2019 eine Ausbildung im Restaurantfach macht. Außerdem wollte er auf die Situation der Gastronomie aufmerksam machen und für die Alte Mainmühle in Würzburg Werbung machen.      

"Mit uns war das nicht abgesprochen, aber ich verstehe, was ihn antreibt", sagt sein Chef Jan Endres, der in Würzburg die Alte Mainmühle, das Sternbäck und die Sternbar mit zusammen 170 Mitarbeitern betreibt. "Insolvent sind wir nicht", betont Endres. "Aber die Situation ist für uns und die ganze Branche eine Katastrophe."

Wann kommt Unterstützung?

Die Gastronomie ist laut Endres von den Einschränkungen und vor allem durch die beiden Lockdowns extrem gebeutelt. Und bis heute stünde nicht fest, wie viel und wann Unterstützung vom Staat kommt. 

"Dass wie von der Politik versprochen, noch im November Hilfen ausgezahlt werden, wäre schön, aber ich kann es mir eigentlich nicht vorstellen", sagt Claudia Amberger-Berkmann, Kreisvorsitzende des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga in Würzburg und Besitzerin des Hotel Amberger in der Ludwigstraße.     

Screenshot: Philipp Kruger in seinem Video.
Foto: Screenshot Kruger | Screenshot: Philipp Kruger in seinem Video.

Wie berichtet, hat die Regierung Ende Oktober den Unternehmen, die vom Teil-Lockdown betroffen sind, Zuschüsse in Höhe von 75 Prozent des durchschnittlichen Umsatzes im Vorjahr November versprochen. Aktuelle Einnahmen, zum Beispiel über Straßen-Verkauf und Zuschüsse, wie zum Beispiel Kurzarbeitergeld, sollen abgezogen werden und die Hilfe muss nicht zurückgezahlt werden. Doch beantragt werden kann die Hilfe über die staatliche Plattform erst ab Mittwoch, 25. November.

Humor müsse erlaubt sein

"Im Moment müssen Gastronomen und Hoteliers Schulden machen, um zu überleben", schildert Claudia Amberger-Berkmann die Situation in der Branche. Das könnten nicht alle Betriebe über einen längeren Zeitraum stemmen. "Deswegen erwarte ich eine Insolvenzwelle, wenn die Hilfen nicht versprochen schnell kommen werden." 

Die Menschen und Betriebe, die in echter Notlage sind, will der Azubi Kruger mit seinem Song nicht verspotten. "Die Situation ist natürlich hart, aber Humor muss trotzdem erlaubt sein," sagt Kruger, der auch bei den Carnevalfreunden Zellerau aktiv ist und Schlagzeug in einer Band spielt.

Nach dem Motto "Humor ist wenn man trotzdem lacht" nimmt Kruger mit seinen Zeilen seine eigene  derzeitige Situation aufs Korn: Statt Gäste zu bewirten, was ihm viel Spaß macht, und Erfahrungen für seinen zukünftigen Beruf zu sammeln, muss er jetzt oft Däumchen drehen. Die fünf Azubis in der Mainmühle organisieren im Lockdown das To-Go-Geschäft. "Das ist ein Stück weit Beschäftigungstherapie", sagt Gastronom Endres, denn Auszubildende dürfen nicht in Kurzarbeit gehen. Vermutlich wird Kruger in den nächsten Tag noch Zeit für das eine oder andere Ständchen haben.            

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