Lindelbach

Bärendienst an Froschgewässer: Wasserspiegel abgesenkt

Der Überlaufschacht mit den Holzkeilen, die die Betonringe anheben damit sich der Wasserstand senkt.
Foto: Lothar Deppisch | Der Überlaufschacht mit den Holzkeilen, die die Betonringe anheben damit sich der Wasserstand senkt.

Beim Bund Naturschutz (BN) ist man entsetzt: Während oben an der Straße zwischen Randersacker und Lindelbach Amphibien über die Straße getragen werden, damit sie den Unteren See sicher erreichen, läuft dort das Wasser ab. Grund dafür ist ein Arbeitseinsatz der Jäger

Wasserrauschen hatte Lothar Deppisch, den Amphibien-Spezialisten in der BN-Ortsgruppe Randersacker beim abendlichen Einsammeln von teils nach Bundesnaturschutzgesetz "streng geschützten" Arten von Fröschen, Kröten und Molchen stutzig werden lassen. Was er dann am See vorfand überraschte ihn: Die beiden oberen Betonringe des Mönchs – in der Teichwirtschaft der Überlaufschacht zur Regulierung des Wassertands – waren mit Holzkeilen aufgebockt, sodass das Wasser des Teichs ablief. Mit herbeigerufener Hilfe wurde der Wasserablauf gestoppt, doch dem Laichgewässer fehlten bereits mehrere hunderttausend Liter Wasser. "Der Wasserstand war um rund 30 Zentimetercm gesunken. Weite Teile der Flachwasserzone lagen trocken", schreibt der BN in einer Pressemitteilung.

Der gute Wille stand im Vordergrund

Tags drauf stellte sich die Manipulation am Mönch als eine kurzfristig angesetzte Maßnahme von Jäger Florian Endres mit drei Kollegen heraus, die beabsichtigten, eine Undichtigkeit am Mönch mit Zement zu verschließen und aus diesem Grund den Wasserspiegel absenkten. Er habe es "pragmatisch gesehen und auf unkompliziertem Weg abdichten wollen", als sich die Gelegenheit bot, das Abdichten kurzfristig zu erledigen, erklärt er auf Nachfrage. Endres: "Der gute Wille stand im Vordergrund", nachdem er die Undichtigkeit beobachtet hatte und "der See die letzten zwei bis drei Jahre so gut wie immer leergelaufen ist".

Ob die Undichtigkeit oder die trockenen Sommer ursächlich sind, wie es der BN erklärt, dazu gibt es unterschiedliche Einschätzungen. Auch ob der Wasserverlust durch die Undichtigkeit so groß war, dass das Abdichten unumgänglich war und wieviel Wasser ablief, ob es in den nächsten Tagen ohnehin abgeflossen wäre – wird von beiden Seiten unterschiedlich gesehen und angegeben.

Aktion im Rahmen der Hege und Pflege

Florian Endres gibt ein Absinken des Wasserspiegels um zehn Zentimeter an. Die vom BN vorgelegten Fotos sprechen eher für einen größeren Wasserverlust. Jagdpächter Alexander Weigand, der von der Aktion erst im Nachhinein erfuhr, erklärt das Engagement der Jäger an einem Gewässer im Rahmen der Hege und Pflege. Als anerkannter Naturschutzverband kümmerten sich Jäger im Bayerischen Jagdverband nicht nur um jagdbares Wild, sondern in diesem Fall auch um das Bruthabitat der Wasservögel und die insgesamt schwierige Situation beim Thema Wasser.

Denkbar ungünstigster Zeitpunkt für die Abdichtung

Letztlich müssten aber auch BN und Gemeinde daran interessiert sein, dass der Mönch an dem gemeindlichen Regenüberlaufbecken abgedichtet wird, wenngleich es wohl nicht die richtige Jahreszeit war und besser abgesprochen worden wäre, so Weigand. Dass es der denkbar ungünstigste Zeitpunkt für die Abdichtung gewesen ist, wie Deppisch erklärt, scheint inzwischen Konsens zu sein. Den potentiellen Schaden begrenzt hatte der Regen und weitere Zulauf in den Folgetagen, sodass sich der Wasserstand wieder erholt hat.

Ob die Amphibienpopulation Schaden genommen hat, weil Laich mit abgeflossen ist oder mangels Wasser zunichte gemacht wurde, wird sich zeigen. BN-Ortsgruppenvorsitzende Frauke Mesenberg-Demel befürchtet einen erheblichen Schaden für den Nachwuchs der Amphibien, der sich im kommenden Jahr bemerkbar machen wird. In jedem Fall ist es ein herber Schlag für alle Bemühungen um den Artenschutz, der hier unter großem zeitlichem und personellem und finanziellem Aufwand seit mehr als 30 Jahren betrieben wird.

Wasserstand am Regenüberlaufbecken in Lindelbach am Morgen des 31. März.
Foto: Michael Schmitt | Wasserstand am Regenüberlaufbecken in Lindelbach am Morgen des 31. März.

Die Trockenjahre hatten bereits zu einem Einbruch der Population geführt. Auf diesem Frühjahr hatten deswegen Hoffnungen gelegen, dass sich die Vorkommen an Fröschen, Kröten und Molchen wieder erholen. 2020 war hier 760 Tieren über die Straße zu ihrem Laichgewässer geholfen worden.

Wasserstand nach der Abdichtungsaktion am 5. April.
Foto: Landschaftspflegeverband Christiane Brandt | Wasserstand nach der Abdichtungsaktion am 5. April.
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