Weikersheim

Barocke Mittel gegen Langeweile

Ein Spieltisch für das Brettspiel Dame aus Schloss Weikersheim.
Foto: Staatliche Schlösser und Gärten | Ein Spieltisch für das Brettspiel Dame aus Schloss Weikersheim.

Was tat eine Hofgesellschaft den ganzen Tag? Für das Grafenpaar, das im 18. Jahrhundert das Schloss Weikersheim ausbaute und den berühmten Garten mit seinem pittoresken Figurenprogramm anlegte, geben die historischen Dokumente laut einer Pressemitteilung der Stadt Röttingen präzise Auskunft: Graf Carl Ludwig war mit Regieren und Verwalten in der kleinen Grafschaft beschäftigt. Seine Frau, die Fürstin Elisabeth Friederike Sophie, korrespondierte mit der bedeutenden Verwandtschaft. Da blieb noch genug Zeit übrig. Doch womit verbrachten die vornehmen Herrschaften ihre Tage? Soviel sei verraten: Die einstigen „Hobbies“ des Adels sind auch heute noch beliebte Freizeitaktivitäten. Gerade an spätherbstlich-winterlich-trüben Tagen bieten sie Abwechslung und Spielspaß.

Immer in Gesellschaft

Die Gräfin bezahlte zwei Hoffräulein, die ihr ständig Gesellschaft leisteten. In den freien Stunden lasen sie, schrieben Briefe oder promenierten im Garten. Elisabeth Friederike Sophie trug wegen ihrer Herkunft aus dem Haus Oettingen-Oettingen den Titel einer Fürstin – und die Pflege der Kontakte mit der vornehmen Verwandtschaft war wichtig. Die Gräfin korrespondierte unter anderem mit der Kaiserin.

Ein Gemälde 'Spielendes Paar'.
Foto: Staatliche Schlösser und Gärten | Ein Gemälde "Spielendes Paar".

Außerdem beschäftigten sich die Damen mit feinen Handarbeiten. Wohingegen der Graf und sein Sohn einem unter adeligen Männern verbreiteten Steckenpferd frönten: der Jagd. Besuche und Gegenbesuche der Hohenlohes und anderer Familien brachten Abwechslung nach Weikersheim. Weil das Reisen mühselig war, erstreckte sich ein solcher Besuch oft auf mehrere Wochen.

Überall Spieltische

Gesellschaftsspiele waren im 18. Jahrhundert groß in Mode. Am Weikersheimer Hof spielte man Karten, etwa „L'Hombre“, ein Vorläufer von Skat, „Piquet“ und „Tressete“ oder Brettspiele wie Dame, Mühle und Backgammon. Ganze Nachmittage und Abende verbrachte man mit Spielen – im Herbst und Winter oft mehrfach in der Woche.

Wie so oft ist Schloss Weikersheim hier eine wahre Schatzkammer, was die Erhaltung der originalen Ausstattung angeht: Viele der Spieltische haben sich in Weikersheim erhalten, noch mehr sind in alten Dokumenten genannt. Im Rittersaal standen laut einem Verzeichnis von 1745 insgesamt 15 Spieltische, alle leicht transportabel. Einige konnten sogar zusammengeklappt werden.

Strenge Sitten

Neben den Gesellschaftsspielen waren bei der gräflichen Familie Billard, Scheibenschießen und Kegeln beliebt. Ein Kegelspiel für Kinder – offenbar für den kleinen Erbgrafen bestimmt – ist im Schlossinventar aufgelistet. Wobei Graf Carl Ludwig bei der Erziehung seines Sohnes freilich Wert auf Zurückhaltung beim Spielen legte. Für die Bediensteten schlug er gar ein Spielverbot vor, da die meisten „die Nachmittags Zeit lieber zum Spiehlen und Spazierengehen als arbeiten anwenden“.

Aktuell sind Schloss und Schlossgarten Weikersheim wie alle Monumente der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg gemäß der Corona-Verordnung des Landes bis mindestens zum 30. November 2020 geschlossen.

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