Hilpertshausen

Bei den Bürgern regt sich Widerstand

Projektentwickler Thomas Jungkunz von der Betreiberfirma Südwerk in Burgkunstadt war in der Bürgerversammlung zur Diskussion zum Thema Freifeld-Photovoltaikanlage rund um Hilpertshausen und Rupprechtshausen gekommen.
Projektentwickler Thomas Jungkunz von der Betreiberfirma Südwerk in Burgkunstadt war in der Bürgerversammlung zur Diskussion zum Thema Freifeld-Photovoltaikanlage rund um Hilpertshausen und Rupprechtshausen gekommen. Foto: Irene Konrad

Eine sachliche, strukturierte und disziplinierte Bürgerversammlung unter Einhaltung der Corona-Regeln fand in der Mehrzweckhalle Unterpleichfeld statt. Rund 100 Dorfbewohner waren gekommen, um mit Bürgermeister Alois Fischer, den Mitgliedern des Gemeinderats und Thomas Jungkunz von der Südwerk Projektgesellschaft mbH über Freifeld-Photovoltaik-Anlagen zu diskutieren.

Anlass für die Bürgerversammlung war ein Gemeinderatsbeschluss vom 7. Juli. Mit der knappen Entscheidung von neun zu acht Stimmen befürwortete der Gemeinderat die Änderung des Flächennutzungsplans und den Start zur Erstellung eines Bebauungsplans für 31 Hektar Freifeld-Photovoltaikanlagen. Zusammen mit deren Umfeld und Ausgleichsflächen beträgt die nötige Fläche knapp 38 Hektar.

Firma vorgestellt

Projektleiter Jungkunz von Südwerk erklärte, wie die oberfränkische Firma aufgestellt ist. Sie setze sich für eine nachhaltige und naturnahe Energieversorgung ein. Um die Energiewende zu schaffen, sei ein Mix aus mehreren erneuerbaren Energien nötig. Biogasanlagen wie die in Unterpleichfeld leisten ihren Beitrag. Freifeld-Photovoltaikanlagen ergänzen sie. Sie wären "eine sehr günstige Art, Strom zu erzeugen".

Um den Wert von erneuerbaren Energien an sich ging es den Bürgern nicht. Die beiden Unterpleichfelder Ortsteile Hilpertshausen und Rupprechtshausen haben eine Fläche von 250 Hektar. Ganze 38 Hektar davon haben nun zwei private Grundstückseigentümer der oberfränkischen Firma angeboten. Die Photovoltaik-Anlagen würden auf fünf Teilstücken gebaut. "Damit sind unsere zwei Dörfer völlig umzingelt", befürchtet Landwirtschaftsmeister Georg Zimmermann.

Der Gemeinderat der Freien Wähler hatte in der entscheidenden Sitzung mit deutlichen Worten gegen die Freifeld-Photovoltaik-Anlagen ausgesprochen. Er bedauert, "dass meine Argumente nicht überzeugen konnten". Dass er doch noch einmal energisch aktiv wird, liegt an den heftigen Reaktionen der Dorfbewohner unmittelbar nach dem Beschluss. Mit deren Widerstand habe er nicht gerechnet. Sie stärken ihm nun den Rücken. Rund 50 Unterschriften wurden gegen die Anlagen gesammelt, und etliche Dorfbewohner hätten Briefe "mit stichhaltigen Argumenten" an die Gemeinde und Ratsmitglieder geschickt.

Bürger nicht vorab informiert

"Wir sind leider in der Sitzung am 7. Juli nicht auf die Idee gekommen, eine Vertagung des Punktes zu beantragen", bedauern die Gemeinderäte Georg Zimmermann und Gerold Kober. Heute sei ihnen klar: Die Bürger hätten vor der Abstimmung über das Vorhaben informiert werden müssen. Schließlich haben sie die Anlagen "20 bis 30 Jahre vor Augen".

David Bleimann bat um eine Ortsbegehung und äußerte Bedenken darüber, dass die benötigte Fläche der Landwirtschaft entnommen wird. Christian Röttinger fragte, warum nicht eher "die Randflächen der Dörfer oder minderwertigere Flächen" herangezogen werden. Außerdem würden Jagdflächen entfallen. Rudi Götz schlug einen Kriterienkatalog für eine Genehmigung und konzentrierte Flächen im Ort vor.

Renate Straus-Saal erinnerte an den Humus, den sie als Landwirtschaftsfamilie seit Jahren auf den Feldern ringsum aufbauen. "Brauchen wir nur noch Strom und nichts mehr zu essen?", fragte sie provokant. Es sei für sie nicht nachvollziehbar, warum bester Ackerboden für Photovoltaik-Anlagen hergenommen werden statt "die Dächer von vielen Industriehallen in den Städten".

"Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen", hieß es bei der Bürgerversammlung. Im September soll das Thema mit all seinen Für- und-Wider-Argumenten noch einmal auf die Tagesordnung einer Gemeinderatssitzung. Dann geht es auch um eine spezielle Eignungsprüfung, die im Frühjahr 2010 vom Architekturbüro Struchholz gemacht wurde.

Spezielle Eignungsprüfung

Diese Eignungsprüfung habe die Gemeinde damals stolze 10 000 Euro gekostet und war Grundlage für einen Gemeinderatsbeschluss gewesen. Bestimmte 85 Hektar in der Gesamtgemeinde Unterpleichfeld mit ihren knapp 2400 Hektar Fläche wurden als Vorranggebiete für erneuerbare Energien ausgewiesen. Die fünf Teilstücke der nun geplanten Freifeld-Photovoltaik-Anlage liegen nicht in diesem Vorranggebiet.

"Für mich ist es klar, dass unser Beschluss vom 7. Juli nichtig ist", sagt CSU-Fraktionsvorsitzender Robert Wild. Vor der Abstimmung hätte das Ratsgremium erst den Gemeinderatsbeschluss aus dem Jahr 2010 zu den Vorrangflächen für erneuerbare Energien auflösen müssen.

"Wir haben nun neue Erkenntnisse, und solche Anfragen werden wohl wieder vermehrt auf uns zukommen", hofft Gemeinderätin Martina Wild darauf, "dass wir im September einen guten neuen Beschluss fassen, den alle mittragen können".

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