Würzburg

Besondere Ausstellung: Kleiderspende mit Geschichte

Die Künstlerin Gabi Weinkauf zeigt im Johanna-Stahl-Zentrum die Ausstellung „Ich wasche meine Hände in Unschuld“. Sie bezeichnet ihre Werkreihe als Rauminstallation.
Foto: Theresa Müller | Die Künstlerin Gabi Weinkauf zeigt im Johanna-Stahl-Zentrum die Ausstellung „Ich wasche meine Hände in Unschuld“. Sie bezeichnet ihre Werkreihe als Rauminstallation.

Ein kleiner Stapel weißer Wäsche liegt im Saal des Johanna-Stahl-Zentrums. Er ist der Mittelpunkt der Ausstellung „Ich wasche meine Hände in Unschuld“. Die Künstlerin Gabi Weinkauf bezeichnet ihre Werkreihe als Rauminstallation. Denn auf diesen Wäschestapel bezieht sich alles. Vor 75 Jahren übergab eine Veitshöchheimer Jüdin die guten Stücke ihrer Nachbarin Ida Gerhard mit der Bitte, sie aufzuheben, bis sie sie wieder abholen könne. Sie kam nach ihrer Deportation nie zurück.

Zur Wäsche der Anonymen legte Gabi Weinkauf ein paar Dutzend dicker runder Wäschebündel, drei kleine Künstlerbücher, projizierte das titelgebende Video und hängte zwölf Bilder. Eins davon ist die genähte Zeichnung eines Menschenzugs, der den ersten Eindruck des Betrachters bestätigt: Die Wäschebündel lassen sich Menschen auf der Flucht oder Vertriebenen zuordnen.

Ein stimmiges Ganzes

So erklären sich viele Einzelteile der Installation wechselseitig und bilden ein stimmiges Ganzes. Gegenüber dem Händewasch-Video steht auf einer Collage „Schuld“. Das gedruckte Wort kombinierte Weinkauf mit ausgerissenen handschriftlichen Zahlenreihen aus einer Buchhalterkladde. Verwaltung und existenzielle Grundbegriffe gehen auch in den anderen sechs Werken dieser Reihe eine Einheit ein und bleiben auch dann beklemmend, wenn Gabi Weinkauf in einer anderen Arbeit statt „Schuld“ den Schriftzug „Glück“ verwendet.

Überfluss und Verletzlichkeit kehren bei der 1958 geborenen Künstlerin häufig wieder. Diesen persönlichen Ansatz bringt sie behutsam mit in die Installation ein. In erster Linie aber stellt sie sich in den Dienst ihres Themas, das von dem gestifteten Wäschestapel der ermordeten namenlosen Jüdin ausgeht.

Jedes Kunstwerk der Installation „Ich wasche meine Hände in Unschuld“ lebt davon, Teil eines Ganzen zu sein. Es kann zwar auch für sich allein bestehen. Dann allerdings besteht die Gefahr, dass seine Bedeutung verblasst. Oder dass es zu pathetisch wird. Das Thema gelangte auf zweifache Weise zu der Künstlerin. Für ihre Wäschebündel nimmt sie gern Sachspenden entgegen, seitdem sie 2010 mit einem drei Meter hohen textilen Berg in Düsseldorf debütierte. Unlängst bot ihr eine Bekannte die Hinterlassenschaft des Holocaust-Opfers an und erzählte auch die Geschichte dazu.

Das Kulturamt als Partner

Zum zweiten rief die Arbeitsgemeinschaft bayerischer Kulturämter heuer – wie alle zwei Jahre – ein gemeinsames Aktionsthema in ihren 25 Mitgliedsstädten aus. Nach lokalgeschichtlicher Literatur und Heimatklängen war heuer die Bildende Kunst dran. Die Arbeitsgemeinschaft Stadtkultur stellte die Aufgabe: Die Beiträger sollten etwas mit Textilien machen.

Die Aufgabe kam Weinkauf wie gerufen. Mit dem Kulturamt als Partner und dem jüdischen Thema obendrein gelang es, das frühere jüdische Dokumentationszentrum als Ausstellungsort zu gewinnen. Zum ersten Mal überhaupt findet eine Kunstschau im Johanna-Stahl-Zentrum statt.

Zur Eröffnung erklang eine Lesung aus einer Seminararbeit. Der Enkel von Ida Gerhard, die die Weißwäsche ihrer Freundin oder Nachbarin in Verwahrung genommen hatte, forschte unlängst über seine eigene Familiengeschichte. Aus diesem Text las der Schauspieler Martin Menner sachlich wie eindringlich wichtige Passagen vor.

Rauminstallation von Gabi Weinkauf: „Ich wasche meine Hände in Unschuld“. Bis 12. Juni im Johanna-Stahl-Zentrum im Haus Shalom Europa, Valentin-Becker-Straße 11. Mo.-Fr. 10-17 Uhr.

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