Würzburg

Bewegendes Hörerlebnis

K. Lifschitz
Foto: F. Röttger | K. Lifschitz

Der mittlerweile sechste Auftritt des russischen Pianisten Konstantin Lifschitz bei den Würzburger Bachtagen wurde für die Bach-Freunde in der gut besuchten St. Johanniskirche zu einem bewegenden Hörerlebnis. Lifschitz strahlt eine faszinierende Gelassenheit und Ruhe aus, wie man sie nur bei großen Ausnahme-Künstlern erlebt, die das Werk eines Komponisten vollkommen verinnerlicht haben.

Gespannt waren die aufmerksamen Zuhörer auf Bachs Goldberg-Variationen von 1741, die aktuell kaum jemand besser spielen kann als Lifschitz, dessen schon mit 18 Jahren zum Examen in Moskau eingespielte Interpretation seinerzeit für den Grammy nominiert wurde. Mit den Jahren wirkt sein Klavierspiel noch reifer und macht ihn zum idealen Vermittler des höchst lebendigen, narrativen Werks von Johann Sebastian Bach. Sein Klavierrecital eröffnete Lifschitz mit der Toccata in G-Dur, von denen Bach insgesamt sieben für das Cembalo schrieb. Die in jungen Jahren entstandene Komposition lebt von einer fast tänzerischen 1/16-Bewegung mit bewusst eingestreuten Ruhepunkten, einem sehr gesanglichen Mittelteil und einer eingängig-munteren Fuge im Sechsachtel-Takt, die durch mehrere Tonarten streift.

Aufmerksam registrierte die Musikwelt die zweite, schon länger angekündigte Neueinspielung der Variationen von Lifschitz 2014 beim Label Orfeo. Ihr liegt ein Live-Mitschnitt aus der Musikhochschule Würzburg zugrunde. Keineswegs eifert Lifschitz damit der kanadischen Pianisten-Legende Glenn Gould nach, der schon 1955 und 1981 die Variationen zweimal einspielte und mit seiner Spielweise selbst für große Pianisten zum Maß aller Dinge wurde. Im Gegenteil: Der Russe nutzt bei den Variationen mit stupender Fingerfertigkeit die Möglichkeiten des modernen Konzertflügels, ohne gänzlich zu vernachlässigen, dass Bach für seine Variationen das Cembalo vorsah. Ungemein deutlich arbeitet Lifschitz den Reichtum der 32 kurzen Variationen heraus, die trotz ihrer unterschiedlichen Charaktere durch eine Basslinie zusammengehalten werden. Aber er verkneift sich jeglichen Versuch, die Transparenz eines Cembalo-Klangs auf dem Klavier nachbilden zu wollen.

Ein überraschend ausgiebiges Schmankerl war die perlend-locker gespielte Zugabe von Johann Sebastian Bachs Chaconne, die für Geiger das Maß aller Dinge ist. Lifschitz interpretierte die ausschließlich mit der linken Hand zu spielende Bearbeitung von Johannes Brahms, die der Komponist der Pianistin Clara Schumann, seiner Muse und Ratgeberin, zur Schonung ihrer verletzten rechten Hand hatte zukommen lassen.

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