Würzburg

Bischof und Mediziner zu Corona: "Gesundheitssystem fehlt nötige Dynamik"

Würzburgs Bischof Franz Jung und August Stich, Chefarzt in der Missio-Klinik, äußern sich in einer gemeinsamen Erklärung zum Jahrestag von Corona. Ihre Appelle.
Würzburgs Bischof Franz Jung entzündete bei der Aktion #lichtfenster am Fenster des Bischofshauses eine Kerze zum Gedenken an Verstorbene und deren Angehörige in der Corona-Krise. Jetzt äußerte er sich zum Jahrestag der Pandemie.
Foto: Markus Hauck, POW | Würzburgs Bischof Franz Jung entzündete bei der Aktion #lichtfenster am Fenster des Bischofshauses eine Kerze zum Gedenken an Verstorbene und deren Angehörige in der Corona-Krise.

Es ist ein eindringlicher Appell zum Jahrestag von Corona: "Wir müssen uns im Bewusstsein halten, dass die Pandemie nicht in Deutschland und nicht in Europa zu besiegen ist, sondern nur wenn alle weltweit zusammenstehen und füreinander und miteinander handeln." Zu diesem Schluss kommen in einer am Dienstag veröffentlichten gemeinsamen Erklärung Würzburgs Bischof Franz Jung und Professor August Stich, Chefarzt der tropenmedizinischen Abteilung des Klinikums Würzburg Mitte. "Wir müssen jetzt die Chance ergreifen und Lehren aus der Pandemie ziehen", lautet ein weiterer Appell.

Lesen Sie auch:

Niemand habe sich vor einem Jahr vorstellen können, was letztlich auf der ganzen Welt passieren würde, schreiben Jung und Stich. Beide setzen jetzt, in der zweiten Welle, die Hoffnung auf Impfmöglichkeiten, Medikamente und gegenseitige Achtsamkeit. Sie stellen kritisch fest: "Unserem Gesundheitssystem fehlt die nötige Dynamik, um aus der Pandemie zu lernen." Zudem drohe die Gesellschaft sich in unversöhnlicher Weise zu spalten. Der Bischof und der Infektiologe hätten erlebt, wie die Bereitschaft für Dialog und gegenseitigem Verständnis abnimmt.

Professor August Stich, Chefarzt der Tropenmedizin am Missionsärztlichen Institut in Würzburg, zum Jahrestag von Corona: 'Unserem Gesundheitssystem fehlt die nötige Dynamik, um aus der Pandemie zu lernen.'
Foto: Daniel Peter | Professor August Stich, Chefarzt der Tropenmedizin am Missionsärztlichen Institut in Würzburg, zum Jahrestag von Corona: "Unserem Gesundheitssystem fehlt die nötige Dynamik, um aus der Pandemie zu lernen."

Klimawandel, Verlust der Artenvielfalt, Armutsspirale sind weitere Stichworte in dem Zwischenruf. Sie seien die direkte Konsequenz dessen, "was wir Globalisierung, Weltwirtschaftsordnung und Ressourcennutzung nennen". Die Folgen würden erst für zukünftige Generationen in aller Dramatik spürbar sein. "Unser aktuelles Verhalten gefährdet die Existenz vieler Menschen und Mitlebewesen nicht nur irgendwo auf der Erde, sondern auch direkt bei uns."

Deshalb fordern der Bischof und der Mediziner dazu auf, solidarisch das Wohl aller in den Blick zu nehmen und "unsere Verantwortung als Christinnen und Christen" wahrzunehmen. "Haben wir den Mut zur Veränderung in unserem eigenen Land und weltweit." Etwa durch Bewahren der natürlichen Ressourcen, nachhaltigem Wirtschaften, Verzicht in vielen Dingen, Achtung vor der Schöpfung – und Einsetzen für eine gerechte Verteilung der Impfdosen und Medikamente.

Nichts mehr verpassen: Abonnieren Sie den Newsletter für die Region Würzburg und erhalten Sie dreimal in der Woche die wichtigsten Nachrichten aus Ihrer Region per E-Mail.
Themen & Autoren
Würzburg
Christine Jeske
Bischöfe
Chefärzte
Christen
Coronavirus
Franz Jung
Gerechtigkeit
Gesundheitssystem
Globalisierung
Infektiologen
Pandemien
Lädt

Damit Sie Schlagwörter zu "Meine Themen" hinzufügen können, müssen Sie sich anmelden.

Anmelden

Das folgende Schlagwort zu „Meine Themen“ hinzufügen:

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits.

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
Kommentare (1)
Aktuellste Älteste Top

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!