Blick in das eigene Innere

würzburg (rdf) Den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften bekam der Psychologe Daniel Kahneman von der Princeton University (USA) im Jahr 2002 verliehen. Nun kann er eine weitere Auszeichnung für sich verbuchen, nämlich die Ehrendoktorwürde der Universität Würzburg für seine Beiträge zur experimentellen Erforschung höherer geistiger Prozesse (wir berichteten).

Dieses Gebiet war in der 1896 von Oswald Külpe begründeten "Würzburger Schule der Psychologie" erstmals zum Gegenstand der psychologischen Forschung erhoben worden. "Professor Kahneman ist somit der vielleicht herausragendste Vertreter einer Forschungstradition, der sich die Würzburger Psychologie von Grund auf verpflichtet fühlt", so der Sozialpsychologe Fritz Strack in seiner Laudatio.

Zur "Würzburger Schule": 1879 gründete Wilhelm Wundt das erste psychologische Institut an der Uni Leipzig. Das Forschungsprogramm, das Wundt und seine Schüler - darunter Oswald Külpe - verfolgten, zielte darauf ab, komplexe psychische Sinneserfahrungen in ihre grundlegendsten Bestandteile zu zerlegen: Dabei hatten Experten die Aufgabe, "in ihr eigenes Inneres" zu blicken und so die Grundbausteine der psychischen Erfahrungswelt zu identifizieren.

"Die Psychologie im Sinne von Wundt beschäftigte sich also mit Erfahrungen. Dagegen galten psychologische Prozesse wie das Nachdenken, Urteilen oder gar das Fällen von Entscheidungen damals nicht als legitime Forschungsgegenstände der Psychologie", so Strack. Hier trat Külpe auf den Plan. Er distanzierte sich von Wundts Forschungsprogramm und machte auch höhere mentale Phänomene für die experimentelle Forschung zugänglich. 1896 gründete Külpe in Würzburg das Institut für Psychologie. Er begann mit Experimenten, bei denen die Teilnehmer mentale oder kognitive Aufgaben absolvieren mussten und gleichzeitig die dabei ablaufenden psychischen Prozesse durch die Methode der Introspektion, also durch ein "in sich selbst Hineinblicken", erkunden sollten.

"Doch so sehr Külpe und seinem Forschungsprogramm, das als ,Würzburger Schule der Psychologie' bekannt wurde, Anerkennung gebührt - seine Experimente avancierten nicht zu den Klassikern des Fachs", wie Strack sagte. Zwar habe Külpe Grundlagen für spätere Durchbrüche in der Denk- und Sprachpsychologie gelegt, doch erst durch moderne Forschungsmethoden konnten Erkenntnisse erzielt werden, die der Erklärung des menschlichen Denkens zum Durchbruch verhalfen.

Strack zu dem Gast aus USA: "Ihre Arbeit hat die Ideen von Wundt und Külpe zusammengeführt."

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