Würzburg

Bunte Symbole für Lateinamerika

"Erst wenn der Mais älter wird und somit reifer, fängt er mit der Einfärbung an." Gartenbautechnikerin Magdalena Becker auf dem Feld mit den Maispflanzen, die für die Eröffnung der Adveniat-Weihnachtsaktion ausgesät wurden.
Foto: Kerstin Schmeiser-Weiß | "Erst wenn der Mais älter wird und somit reifer, fängt er mit der Einfärbung an." Gartenbautechnikerin Magdalena Becker auf dem Feld mit den Maispflanzen, die für die Eröffnung der Adveniat-Weihnachtsaktion ...

Ungewöhnliche Pflanzen sind derzeit in der Ausbildungsgärtnerei auf dem Sankt Markushof in Gadheim zu sehen. Neben bunten Herbstblumen und Zierkürbissen wächst hier aktuell Ziermais. Er wird als Dekoration für die bundesweite Eröffnung der Adveniat-Weihnachtsaktion 2020 benötigt, die am 28. und 29. November im Bistum Würzburg stattfindet.

Die Aktion steht unter dem Motto „Über-Leben auf dem Land“. „Es ist etwas Interessantes, etwas zum Ausprobieren für unsere Auszubildenden“, sagt Gartenbautechnikerin Magdalena Becker. In der vom Diözesan-Caritasverband und der Deutschen Provinz der Salesianer Don Boscos getragenen Einrichtung können junge Menschen mit Handicap eine Ausbildung im Garten- und Landschaftsbau absolvieren. Wenn alles nach Plan läuft, werden die Pflanzen mit ihren farbig gemusterten Blättern und bunten Kolben die Adveniat-Eröffnungsgottesdienste schmücken.

Mit Beginn des Herbstes waren die Maiskolben aber vor allem eines – grün. „Jetzt ist er noch unreif. Erst wenn er älter wird und somit reifer, fängt er mit der Einfärbung an“, erklärt Becker. Routiniert entfernt sie die Blätter von einem Kolben. Blassgelb ist er, mit einem zarten Hauch von Rosa. Wenn der Erdbeermais ausgereift ist, leuchten seine Kolben in einem satten Rot und sehen tatsächlich aus wie eine überdimensionierte Erdbeere. „Wir haben insgesamt drei verschiedene Sorten Ziermais ausgewählt. Sie sind dekorativer als Futtermais“, erläutert Becker.

Kolben in Braun, Rot und Gelb und Blätter mit Streifenmuster

Der Japonica ist zwar klassisch gelb, aber die Blätter zeigen schon jetzt ein hübsches grün-rotes Streifenmuster. Bunte Kolben in Braun, Rot und Gelb trägt die Sorte „Baby Fingers Mix“. Jeweils 50 Stück von jeder Sorte wurden ausgesät: ein Drittel auf dem Feld, ein weiteres im Gewächshaus und der Rest in Containern im Schutz einer zwei Meter hohen Hecke. Mais sei durch seine Höhe recht windanfällig, erklärt Becker. Während Futtermais bis zu bis 2,30 Meter hoch wird, erreicht Ziermais zwischen 1,40 und zwei Meter.

„Mais ist das typische Lebensmittel in Südamerika. Er ist das, was für uns Weizen oder Brot ist“, erklärt Alexander Sitter, Diözesanreferent für Südamerika. Mais werde in Form von Körnern oder Mehl verwendet und sogar zu alkoholischen Getränken vergoren. „Er ist die Symbolpflanze für Lateinamerika.“ Deshalb hätten die Organisatoren der Adveniat-Eröffnungsfeier beschlossen, Maispflanzen als Dekoration für die Eröffnungsgottesdienste zu verwenden. Die Ausbildungsgärtnerei sei aus zwei Gründen als Partner ausgewählt worden: Zum einen gehöre sie „zur Familie der Kirche“, zum anderen unterstütze man damit ein soziales Projekt.

Im November wird es für den Mais draußen zu kalt

Doch jetzt gilt es erst einmal, ein wenig die Natur zu überlisten. „Normalerweise hat Mais im Juni seine Endhöhe erreicht. Wir haben ihn deutlich später ausgesät, weil er erst Ende November gebraucht wird“, erklärt Becker. Je nach Standort haben sich die Pflanzen unterschiedlich entwickelt. Während jene in Containern im September bereits ihre Endhöhe erreicht hatten, war der Ziermais im Freiland noch deutlich kleiner. Weil der Sommer und auch der September überdurchschnittlich warm und sonnig waren, mussten die Auszubildenden darauf achten, dass die Pflanzen keinen Trockenschaden davontrugen. „Ich muss beobachten, wie das Wetter wird und wie sich die Pflanzen entwickeln. Danach entscheiden wir, ob wir sie draußen lassen oder nach innen holen“, sagt Becker. Sie will die Zeit, die die Pflanzen im Gewächshaus verbringen, möglichst kurz halten. „Draußen sind sie einfach abgehärteter.“

Spätestens im November werde es für Mais einfach zu kalt. Bei Kälte bestehe die Gefahr, dass die Blätter braun und trocken werden, erklärt Becker. Doch zur Adveniat-Eröffnung sollen die Pflanzen frisch aussehen: „Es sieht schöner aus, wenn die Blätter noch grün sind.“ Er habe eine „große Sensibilität“ für die Idee von Adveniat gespürt, lobt Sitter die Ausbildungsgärtnerei. „Die Eröffnung ist schließlich außerhalb der Vegetationszeit.“

Von den insgesamt rund 150 Maispflanzen werden letztlich 25 bis 30 für die Adveniat-Eröffnung benötigt, schätzt Sitter. Aber auch für die überzähligen Pflanzen gibt es eine Verwendung, sagt Becker. „Der Rest wird geerntet und für Dekorationen verwendet.“

Gottesdienste in etlichen Orten zur Adveniat-Weihnachtsaktion

Am Samstagabend, 28. November, stimmt um 18 Uhr eine Lichterfeier im Würzburger Kiliansdom auf die Adveniat-Weihnachtsaktion ein. Am Sonntag, 29. November, werden jeweils um 10 Uhr dezentrale Eröffnungsgottesdienste gefeiert: in der Pfarrkirche Sankt Johannes in Hammelburg mit Bischof Bernardo Johannes Bahlmann aus dem brasilianischen Partnerbistum Óbidos; in der Pfarrkirche Maria Rosenkranzkönigin in Stockstadt am Main mit Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck (Bistum Essen); in der Pfarrkirche Sankt Johannes der Täufer in Hofheim mit Bischof Dr. Franz Jung. Bereits um 9 Uhr gibt es in der Pfarrkirche Sankt Johannes in Bibelried eine Wort-Gottes-Feier. Eine weitere Eucharistiefeier mit Bischof Overbeck ist für 19 Uhr in der „kross – Junge Kirche“ in Schweinfurt geplant.

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