Würzburg

Bunter Zucker für die Affen: Ausstellung in der BBK-Galerie

'Reservoir'.
Foto: Joachim Fildhaut | "Reservoir".

Von den vielen derzeitigen figurativen Gemäldeausstellungen in Würzburg ist Robert Matthes’ "Den Affen Zucker geben" in der BBK-Galerie die figurativste in dem Sinn, dass tatsächlich regelrechte Figurentürme und -knäuel die fünf blickfangenden Großformate beherrschen. Vom Affen zum Verfall – so ließe sich ein gemeinsames Thema formulieren; das Heilige und ein ebenso fragwürdiges Glück spielen eine ergänzende Rolle.

Diese zentralen Ballungen nehmen ein bis drei Viertel der Leinwände ein; auf dem Rest der Fläche sieht man dreimal ein Kind, einen dicken Jugendlichen und meist auch irgendwelche mehr oder weniger leicht erreichbaren Wanddurchbrüche. Da scheint es Hoffnung zu geben. Einzelne Motive variierte Matthes auf zwölf kleineren Formaten.

In Mischtechnik von Öl, Acryl und Sprühlack führte der Absolvent der Stuttgarter Kunstakademie seine Affenköpfe und andere gespenstische Wesen aus. In den ganzen Gewimmeln ist alles stets auf den ersten Blick identifizierbar: Haarsträhnen sind blutige Verdrahtungen, eine davon mit einem Knöchelchen notdürftig verschlossen. Der Erlöser wurde in Serie gestempelt oder ist von einem Kranz Injektionsspritzen umstrahlt. Gasmasken warten auf Säuglinge, hier und da erkennt man historische Vorbilder von der Renaissance bis HR Giger.

Beeinflusst von Pop- und Streetart

All das kommt meisterlich daher, beeinflusst aber auch von Pop- und Streetart. So erarbeitete der 38-Jährige sich einen höchst eigenen Stil, der in einem relativ festen Rahmen sehr weite Entwicklungsmöglichkeiten lässt.

'Casting' (Ausschnitt).
Foto: Joachim Fildhaut | "Casting" (Ausschnitt).

Zum Beispiel findet Robert Matthes’ kritische Grundhaltung winzige Entsprechungen in Störungen, in künstlichen Verunreinigungen des so genannten schönen Scheins. Seine dreiste Kombinatorik und die Neigung zu neonfarbenen Details erinnern an den sarkastischen Humor etlicher Schallplattencover Frank Zappas. Wenn den Affen Zucker gegeben wird, dann ist das der schreiend bunte aus Jahrmarktbuden. "Visuelle Überladung ist ein Grundthema von mir", sagt Matthes. Wobei er seine Gesellschaftskritik nicht auf das bloße Quantum der Reizüberflutung beschränkt. Dahinter steht ein Materialismus, den zwar keinerlei ersichtliche Utopie überwindet, der aber erstmal mit akribischem Pinselstrich gegeißelt wird.

Diese Konsequenz und die technische Brillanz fanden Anerkennung: Seit vier Jahren freischaffend tätig, hat Matthes seit 2017 Lehraufträge in Dortmund und Essen.

Vom 12. September bis zum 4. Oktober in der BBK-Galerie im Würzburger Kulturspeicher. Statt einer Vernissage wird am Freitag, 11. September, um 19 Uhr auf www.bbk-unterfranken.de ein Video von Katrin Heyer freigeschaltet.

'Weltretten später' (Ausschnitt).
Foto: Joachim Fildhaut | "Weltretten später" (Ausschnitt).
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