Würzburg

Corona-Impfung: Zweifel an Karten-Kampagne für die Senioren

Mit der Möglichkeit, Karten zu schreiben, will der Minister den Senioren die Anmeldung zur Impfung erleichtern. Warum die Zuständigen vor Ort darüber nicht begeistert sind.
Mit einer 'Karten-Kampagne' will der bayerische Gesundheitsminister Klaus Holetschek die Bereitschaft älterer Menschen, sich impfen zu lassen, steigern.
Foto: Symbolbild: Michael Sohn, dpa | Mit einer "Karten-Kampagne" will der bayerische Gesundheitsminister Klaus Holetschek die Bereitschaft älterer Menschen, sich impfen zu lassen, steigern.

Acht Wochen lang mussten sich die Über-80-Jährigen, die gegen Corona geimpft werden wollen, in Bayern mit einem nicht so ganz leicht zugänglichen Online-Impfportal und überlasteten Telefon-Hotlines herumschlagen. Nun hat Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) ein Einsehen mit vielen genervten Senioren. Er will ihnen per Post Karten und einen frankierten Rückumschlag zuschicken lassen, damit sie ihren Impfwunsch schriftlich melden können. Telefonisch sollen sie dann über Impftermine informiert werden.

Doch bei den Städten und Landkreisen in Unterfranken stoßen die Karten-Pläne aus München nicht gerade auf Begeisterung. Der Grund: Viele Kreisverwaltungsbehörden haben längst selbst die Initiative ergriffen und die Senioren in ihrer Region angeschrieben. Meistens wiesen die Verwaltungen die Über-80-Jährigen in einem Brief von Landrat oder Oberbürgermeister auf das Impfportal und die Hotline des zuständigen Impfzentrums hin.

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Manchmal geht der Service noch weiter: So bieten Stadt und Landkreis Aschaffenburg den älteren Mitbürgern ausdrücklich die Möglichkeit, sich schriftlich zum Impfen anzumelden. Ihren Brief mit den persönlichen Daten können sie im Rathaus ihrer Wohngemeinde einwerfen. Von dort wird er an das Impfzentrum weitergeleitet. Folgerichtig heißt es nun aus dem Aschaffenburger Landratsamt, man werde die 5000 Karten, die der Minister nun zur Verfügung stellt, "voraussichtlich nicht versenden und auch nicht anderweitig nutzen".

"Zusenden der Karte würde verwirren"

Auch beim Landratsamt in Bad Kissingen kann man mit dem Angebot aus München, jedem Landkreis 5000 Karten für Senioren zur Verfügung zu stellen, nicht viel anfangen. "In vielen Fällen würde das individuelle Zusenden der Karte eher für Verwirrung und Unsicherheit sorgen, insbesondere bei den Personen, die sich bereits registriert haben", sagt Sprecher Burkhard Lamer. "Durchaus denkbar" aber sei das Auslegen der Karten an öffentlichen Stellen, dann könnten sich Interessierte bei Bedarf  selbst bedienen. Die Kreise Miltenberg und Haßberge wollen die Karten über die Kommunen an Arztpraxen, Sozialstationen und Apotheken verteilen. 

Setzt bei der Impfanmeldung jetzt auch auf Karten: Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU).
Foto: Matthias Balk, dpa | Setzt bei der Impfanmeldung jetzt auch auf Karten: Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU).

Was Minister Holetschek bewegt hat, nun doch noch bayernweit die schriftliche Anmeldung zu gestatten, sind vermutlich die Zahlen: Seinen Angaben zufolge haben sich bislang erst rund 402 000 der 700 000 bayerischen Senioren über 80 Jahren, die nicht in einem Alten- oder Pflegeheim leben, bei ihrem Impfzentrum angemeldet. Das sind nicht einmal 60 Prozent. Gerechnet hatte die Politik mit einer deutlich höheren Impfbereitschaft in dieser Altersgruppe. Die "Karten-Kampagne" solle die Registrierung nun erleichtern, lässt sich Holetschek in einer Pressemitteilung zitieren.

201 000 der Über-80-Jährigen in Bayern sind geimpft

Zahlen, wie hoch der Anteil registrierter Senioren in den unterfränkischen Impfzentren bislang ist, konnten die Gesundheitsämter am Mittwoch nicht nennen. Eine solche regionale Auswertung gebe die Software nicht her. Bayernweit haben laut Gesundheitsministerium bis Mittwochvormittag knapp 201 000 der Über-80-Jährigen eine Erstimpfung erhalten. Den vollen Immunschutz mit einer Zweitimpfung hätten 94 000 hochbetagte Bürger.

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Nach Kritik der Grünen-Landtagsfraktion hat das Gesundheitsministerium mittlerweile auch eine Broschüre herausgegeben, die in leichter Sprache über die Corona-Schutzimpfung informiert. Sie sei in den Impfzentren, bei ambulanten Pflegediensten, Apotheken, Arztpraxen und auch in einigen Kirchengemeinden erhältlich. Interessierte finden die Informationen in leichter Sprache auch im Internet (stmgp.bayern.de). 

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