Giebelstadt

Corona-Tests für alle: Der Andrang hält sich noch in Grenzen

Seit 1. Juli können sich in Bayern auch symptomfreie Patienten kostenlos testen lassen. Wie bewältigen Hausarztpraxen in der Region diese zusätzliche Aufgabe?
Seit dem 1. Juli greift in Bayern ein neues Testkonzept, das auch Menschen ohne Krankheitssymptome kostenlose Coronatests ermöglicht. Die Kosten dafür übernimmt der Freistaat Bayern (Symbolbild).
Seit dem 1. Juli greift in Bayern ein neues Testkonzept, das auch Menschen ohne Krankheitssymptome kostenlose Coronatests ermöglicht. Die Kosten dafür übernimmt der Freistaat Bayern (Symbolbild). Foto: Karl-Josef Hildenbrand, dpa

Corona-Tests für alle: Das besagt im Grunde der bayerische Kabinettsbeschluss, der jedem Einwohner des Freistaates seit 1. Juli auch ohne Vorliegen von Symptomen die Möglichkeit eines kostenlosen Tests bietet - vorzugsweise beim Hausarzt. Wie wirkt sich die neue Regelung in den Praxen der Kassenärzte im Landkreis konkret aus? Rennen ihnen besorgte Patienten jetzt die Türe ein? Dr. Christian Pfeiffer, Vorsitzender des unterfränkischen Hausärzteverbandes, glaubt das eher nicht.

"Wenn wirklich jeder kommen würde, würde alles zusammenbrechen", sagt der Arzt aus Giebelstadt. Das sei aber, soweit ihm nach den ersten Tagen seit Inkrafttreten der Regelung aus dem Kreise seiner Kollegen bekannt geworden ist, bislang nicht der Fall. Er selbst gehört zu den Hausärzten, die bei ihren Patienten Corona-Tests durchführen, wenn diese das wünschen. Allerdings hält er wenig davon, den Test ohne weitere Nachfrage und ohne genaue Kenntnis der jeweiligen Umstände einfach durchzuführen. Deshalb erklärt er seinen Patienten genau, ob in ihrem Fall der Test überhaupt sinnvoll ist.

Dr. Christian Pfeiffer, Vorsitzender des unterfränkischen Hausärzteverbandes, verzeichnet in seiner Giebelstadter Praxis noch keine allzu große Nachfrage nach Corona-Tests.
Dr. Christian Pfeiffer, Vorsitzender des unterfränkischen Hausärzteverbandes, verzeichnet in seiner Giebelstadter Praxis noch keine allzu große Nachfrage nach Corona-Tests. Foto: Thomas Obermeier

"Ich persönlich sehe darin einen Sinn, wenn zum Beispiel jemand aus dem Urlaub zurückkehrt, oder an ein Urlaubsziel reisen möchte, wo ein Test verlangt wird", sagt Pfeiffer. Auch wer lediglich indirekten Kontakt zu einem mit dem Coronavirus Infizierten hatte und damit als "Kontaktperson Kategorie 2" gilt, könne nun nach der neuen Regelung zum Test gehen und Sicherheit erlangen, ob er sich nicht vielleicht doch angesteckt hat. Vorher war das nicht möglich gewesen.

Tests sind lediglich eine Momentaufnahme

Da die Regelung über die Häufigkeit solcher Tests keine Aussagen trifft, wäre es theoretisch denkbar, dass sehr besorgte Personen ihren Hausarzt nun alle paar Tage aufsuchen, um sich testen zu lassen. Solchen Patienten würde Pfeiffer ohne Umschweife erklären, dass das überhaupt keinen Sinn hat. "Der Test ist ja immer nur eine Momentaufnahme", sagt der Mediziner. Der Patient kann, wenn er Pech hat, direkt nach dem Arztbesuch auf der Straße angehustet werden, und schon geht alles zurück auf Anfang.

"Wir haben etwa 3500 Patienten. Wenn die jetzt alle kämen, würde es ein bis zwei Jahre dauern, sie zu testen."
Dr. Christian Wirz, Hausarzt im Ochsenfurter Mainärztehaus

Auch in der Hausarztpraxis im Ochsenfurter Mainärztehaus ist es derzeit im Hinblick auf Corona-Tests noch ruhig. "Wir haben dafür zwei Abende pro Woche vorgesehen, an denen wir jeweils fünf Patienten testen können", sagt Dr. Christian Wirz. Im Augenblick laufe das nach dem Motto "Wer zuerst kommt, mahlt zuerst." Sollte der Andrang allerdings zunehmen, müsste seine Praxis die Patienten nach Risikogruppen aufteilen und würde besonders gefährdete Patienten vorrangig testen.

Positive Testergebnisse könnten zum Problem werden

Christian Wirz fühlt sich von den Verantwortlichen etwas allein gelassen. Die Regelung wurde in München beschlossen, und die bayerischen Hausärzte müssen selbst zusehen, wie sie die Tests in ihren Praxisablauf integrieren. "Wir haben etwa 3500 Patienten. Wenn die jetzt alle kämen, würde es ein bis zwei Jahre dauern, sie zu testen", rechnet der Arzt vor. Außerdem ist da noch das Problem möglicher positiver Testergebnisse.

"Wenn ein Patient von mir positiv getestet wird, dann muss ich als ,Kontaktperson 1' zwei Wochen in Quarantäne", sagt Wirz. "Und nicht nur ich, sondern die ganze Praxis." Das heißt, dass die Praxismitarbeiter auch bei völlig symptomfreien Patienten die Tests in voller Montur machen müssen, mit Mundschutz, Brille, Ganzkörperanzug und langen Handschuhen - ein nicht unerheblicher Aufwand.

Die Auswertung ist schwierig

Ganz abgesehen davon glaubt Christian Wirz, dass die Auswertung der Testergebnisse schwierig sein wird. Denn welche Schlussfolgerung soll man letztlich aus der Erkenntnis ziehen, welcher Prozentsatz symptomfreier Menschen dennoch infiziert war, fragt sich der Mediziner.

"Kein Labor kann eine Immunität feststellen."
Dr. Christian Pfeiffer, Vorsitzender des unterfränkischen Hausärzteverbandes

In der Praxis von Dr. Katrin Langmann in Rimpar hält sich die Nachfrage nach Tests bislang ebenfalls in Grenzen. Drei symptomfreie Patienten seien in dieser Woche da gewesen, berichtet die Ärztin. Zwei davon hätten nach entsprechender Aufklärung dann aber auf den Test verzichtet. Katrin Langmann hat den Eindruck, dass vielen Patienten die Zusammenhänge nicht klar sind.

Tests ersetzen nicht das richtige Verhalten

Manche etwa wollten den Test, um abklären zu lassen, ob sie eine Corona-Infektion in der Vergangenheit bereits durchgemacht hätten. Dabei kann das der staatlich finanzierte Test gar nicht feststellen, sondern lediglich eine akute Infektion nachweisen. Im Ergebnis hält die Ärztin aus Rimpar "Corona-Tests für alle" für Resourcenverschwendung.

Zu den häufig mit den Tests für akute Infektionen verwechselten Antikörpertests sagt Christian Pfeiffer: "Kein Labor kann eine Immunität feststellen." Das heißt: Wer eine Coronainfektion durchgemacht hat, sei möglicherweise, aber nicht zwingend, zunächst immun gegen das Virus. Kein Test, so der Arzt, ersetze das richtige Verhalten der Menschen. Für jeden müsse daher in jedem Fall weiter gelten: Abstand, Hygiene, Alltagsmasken.

Rückblick

  1. Bad Kissingen: Am Donnerstag schon wieder zwei neue Coronafälle 
  2. Haßbergkreis: Keine Anzeichen für eine zweite Corona-Welle
  3. Maskenpflicht im ÖPNV: Polizei kontrolliert heute im großen Stil
  4. Bad Kissingen: So weh tut Corona der Stadt
  5. Nach Bombendrohungen: Strengere Zugangskontrolle am Landratsamt
  6. Zeil: Natascha Kohnen hört die Klagen der Erzieher und Lehrer
  7. Corona trennt Liebende: Sie ist in Büchold, er in Florida
  8. Corona: Erneut zwei Fälle im Kreis Kissingen
  9. Corona und Spätfrost: Was fränkischen Winzern wirklich zusetzt
  10. Russischer Impfstoff: Würzburger Forscher warnen vor Risiken
  11. Versorgungsarzt Helmut Klum lernt während der Corona-Krise täglich Neues
  12. Gerolzhofen bewirbt sich um Corona-Testzentrum
  13. Corona-Kontrollen am Main und auf der Alten Mainbrücke
  14. Söder kündigt Corona-Testzentren in ganz Bayern an
  15. Corona-Krise: Poetry Slam startet Spendenaktion
  16. Wie Kultur in Bronnbach mit Abstand gelingt
  17. Stadtentwicklung: Hat Würzburgs Innenstadt (k)eine Zukunft?
  18. Klinik will Anlaufstelle für Volkskrankheiten bleiben
  19. Kitzinger Klinik zieht Corona-Zwischenbilanz
  20. Corona in MSP: Aktuell drei positiv Getestete
  21. Mellrichstadt: Restaurant Arena wieder geöffnet
  22. Grillen verboten: Warum die Stadt Würzburg jetzt durchgreift
  23. Landkreis Haßberge sagt Kirchweihen und Flohmärkte ab
  24. Pest, Cholera, Corona: Warum Covid-19 eine Seuche ist
  25. Schwimmbadbesuch in Corona-Zeit: Trotz Einschränkungen läuft's
  26. Corona: Anzeige gegen Würzburgs OB nach Kickers-Empfang
  27. Kommentar: "Corona-Gegner" müssen geächtet werden
  28. Kommentar: Wir dürfen nicht jeden Corona-Gegner aufgeben
  29. Zwei weitere Corona-Infizierte im Landkreis
  30. Tourismus: Wie beliebt ist Unterfranken jetzt als Urlaubsziel?
  31. Landratsamt: Ein neuer Corona-Fall im Landkreis Haßberge
  32. Bad Kissingen: Corona kehrt mit zwei Fällen zurück
  33. Dorothee Bär: Corona ist der Ruck, den die Digitalisierung braucht
  34. Nach Corona-Verdacht: "Bei Damir" in Mellrichstadt darf wieder öffnen
  35. Zwei neue Corona-Fälle in Rhön und Grabfeld
  36. Tourismus an der Mainschleife: Gute Umsätze trotz Corona
  37. Veitshöchheim: Weitere Testergebnisse nach Corona-Fall bekannt
  38. Fall Veitshöchheim: Warum kamen Kinder nicht in Quarantäne?
  39. Mellrichstadt: Ein Coronafall, zwei Lokale geschlossen
  40. Unvernünftige Badegäste: Droht dem Geomaris die Schließung?
  41. Sommertour von Anja Weisgerber: Corona-Sorgen und Politik-Frust
  42. Vom Lockdown bis heute: Wie die Krise Schweinfurt verändert hat
  43. Pflegestift und Corona: "Angst ist ein ganz schlechter Begleiter"
  44. Erstmal keine Verbote: Stadt Würzburg setzt auf Vernunft der Bürger
  45. Medizintechnik: Wie eine Wertheimer Firma durch Corona wächst
  46. Coronakrise: Kunstkaufhaus läuft gut, Pflasterklang abgesagt
  47. Wie die Würzburger Clubs unter der Coronakrise leiden
  48. Alte Mainbrücke: Kein Alkoholverbot, aber mehr Kontrollen
  49. Zeugnisse und Preise vom Fließband
  50. Diskussion in Würzburg: Was kann gegen Fake News getan werden?

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Giebelstadt
  • Ochsenfurt
  • Rimpar
  • Claudia Schuhmann
  • Arztbesuche
  • Christian Pfeiffer
  • Coronavirus
  • Hausärzte
  • Infektionskrankheiten
  • Infektionspatienten
  • Kassenärzte
  • Patienten
  • Probleme und Krisen
  • Risikogruppen und Risikoklassen
  • Urlaubsziele
  • Ärzte
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
4 4
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!