Bergtheim

Corona: Wie Tagespflegegäste zu mehr Abwechslung kommen

Auch Tagespflegen mussten wegen der Coronakrise schließen. Damit ging auch Abwechslung im Leben vieler Besucher verloren. Wie sie dennoch durch den Alltag kommen.
Marianne Bieber (rechts) aus Rimpar freut sich über die Gesellschaft von Gerontofachkraft Juliana Scheer.
Marianne Bieber (rechts) aus Rimpar freut sich über die Gesellschaft von Gerontofachkraft Juliana Scheer. Foto: Sabine Schiedermeier

Am 21. März musste die "Caritas-Sozialstation St. Gregor Fährbrück e.V." wegen der Corona-Pandemie ihre vier Tagespflegen in Estenfeld, Güntersleben, Kürnach und Rimpar vorübergehend schließen. 97 Plätze sind das insgesamt. Nach einer ersten Schockstarre starteten die Leiterinnen der Tagespflegestätten eine fürsorgliche Initiative. Sie besuchen nun ihre Gäste zuhause.

"Von heute auf morgen konnten unsere Gäste und ihre Angehörigen unsere Dienste nicht mehr in Anspruch nehmen", beschreibt Geschäftsführerin Karin Eberth-Papp die nie dagewesene Situation. Die Tagespflege unterscheidet sich von der klassischen Pflege. Diese läuft über den ambulanten Pflegedienst weiter. Bei der Tagespflege geht es eher um eine Struktur, ein Beieinandersein, sinnvolle Abwechslung und nicht zuletzt um die Entlastung der Angehörigen.

Zahl der betreuten Personen wechselt

97 Plätze, das bedeutet mehr als 97 Tagesgäste. Etliche Plätze sind mehrfach belegt, weil viele nur bestimmte Wochentage in die Tagespflege gehen. Somit wechselt die Zahl der betreuten Personen. "Jeder, der zu uns kommt, hat einen Grund", erklärt Susanne Schiedermeier die "ganz dramatische Situation" der Schließung Ende März. "Unsere Gäste und wir sind acht Stunden am Tag zusammen, wir gehören zum täglichen Leben dazu", sagt die Pflegedienstleiterin der Tagespflege in Rimpar.

"Unsere Gäste und wir sind acht Stunden am Tag zusammen, wir gehören zum täglichen Leben dazu."
Susanne Schiedermeier

Auf ihre Initiative hin haben alle vier Tagespflegen der Caritas-Sozialstation schon bald nach der Schließung eine Telefonaktion gestartet. Die Geschäftsführung sprach mit allen 35 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Tagespflegebereich. Wer wird die Kollegen im ambulanten Pflegedienst unterstützen und wer kann stundenweise zur Betreuung nach Hause zu den Gästen gehen? Wie kann die Betreuung "in der Häuslichkeit" organisiert werden?

Auch kleine Spaziergänge im Garten gehören zum Programm.
Auch kleine Spaziergänge im Garten gehören zum Programm. Foto: Sabine Schiedermeier

"Bei unseren Mitarbeitern im Tagespflegebereich war eine gewisse Angst da", gesteht Geschäftsführerin Eberth-Papp. Aber letztendlich hätten alle das Konzept mitgetragen. Die Sorge um die ans Herz gewachsenen Menschen war einfach zu groß. Und die Resonanz der Gäste und ihren Angehörigen bei der zweitägigen Telefonaktion sei "wahnsinnig positiv" gewesen. Ungefähr die Hälfte nimmt seitdem die häusliche Betreuung der Tagespflege in Anspruch.

Viel Dankbarkeit

Dass die Hygiene wie gründliches Händewaschen eingehalten wird, versteht sich von selbst. Auch an das Tragen der Mund-Nase-Masken und der Handschuhe "gewöhnt man sich ein Stück weit", sieht Tagespflegeleiterin Schiedermeier diesen Aspekt gelassen. Die menschliche Nähe wiege das weit auf. "Es ist unglaublich, was man an Dankbarkeit zurück bekommt", sagt sie.

Weil die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter "ihre Pappenheimer" gut kennen, wissen sie, was ihnen gefällt. Manche machen auch Zuhause gern Brettspiele oder bekommen mit Vergnügen die Zeitung vorgelesen. Andere möchten ein Stückchen zu Fuß gehen oder vermissen die Hilfestellung beim Mittagessen. Die meisten Tagespflegegäste würden sich jedoch einfach unterhalten wollen, ein wenig erzählen und Neuigkeiten aus dem Dorf hören.

Hoffnung auf Wiedereröffnung

Marianne Bieber aus Rimpar freut sich zwar über die regelmäßigen Besuche der Gerontofachkraft Juliana Scheer und genießt die Abwechslung. Aber sie besucht gewöhnlich an fünf Tagen in der Woche die Tagespflege und würde es gern wieder tun. Nun ist ihr Mann Ludwig erleichtert, dass er zumindest drei Mal wöchentlich für zwei Stunden ein wenig durchatmen kann.

Begeisterung über die Termine

Drei Mal in der Woche werden auch Margarete und Horst Mrozik aus Rimpar "gut aufgefangen". "Ich bin total begeistert und meine Schwiegereltern freuen sich auf diese Termine", sagt Anja Mrozik. Ihre Schwiegermutter sitzt im Rollstuhl und spielt gern Mühle und Dame. Ihr Schwiegervater ist Diabetiker. Er will über tagesaktuelle Themen sprechen und sich bewegen. Diese Fähigkeit soll nicht verloren gehen.

Die "vielen Telefonate miteinander" könnten die persönliche Nähe nicht auffangen und wegen der Berufstätigkeit sind der Sohn und die Schwiegertochter auf Unterstützung von außen angewiesen. "Wir müssten darüber reden, ob es wirklich sinnig ist, die Senioren so wegzusperren", hat Leiterin Schiedermeier Kritik an der Staatsführung. Alle Gäste der Sozialstation würden darauf warten, dass die Tagespflegen wieder öffnen dürfen.

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