Damit Gras über den Müll wächst

HOPFERSTADT Wie auf einem anderen Planeten sieht es auf der Deponie bei Hopferstadt aus. Mit riesigen Plastikfolien verhüllen Arbeiter die Hügel, in deren Inneren tonnenweise Abfall liegt.
Schätzungsweise bis zu 25 Meter hoch sind diese Hügel. Die Fläche von gut und gerne vier Fußballfeldern muss mit den schwarzen und weißen Folien abgedichtet werden. Verpackungskünstler Christo hätte seine wahre Freude.

"Wir machen hier nur, was der Gesetzgeber von uns verlangt", relativiert Ferdinand Kleppmann. Er ist Geschäftsführer des Zweckverbandes Abfallwirtschaft Raum Würzburg, zu dem die Hopferstadter Deponie und das Müllheizkraftwerk in Würzburg gehören. Nach Kleppmanns Darstellung müssen die Abdichtungen der Deponie gegen Sickerwasser erweitert werden. Diese Rolle übernehmen in erster Linie die schwarzen Plastikfolien. Sie sind so dick (zwei Millimeter), dass man sie Plastikplatten nennen müsste. Auf sie kommt eine Bahn Vlies, dann eine Schicht Kies, dann wieder Vlies und schließlich ein Erde-Schlacke-Gemisch sowie Erde, die später bepflanzt wird. An manchen Stellen des Hügels kommen weitere Schichten dazu, so dass sich stellenweise acht schützende Hüllen auf den Abfall legen.

Schlacke im Untergrund

Eigentlich spricht Kleppmann nicht gerne von Müll oder Abfall. Was in den sanft geschwungenen Mulden und Hügeln nördlich von Hopferstadt liegt, das seien Reststoffe. Sie stammen aus Industrie, Gewerbe oder Kommunen, können nicht wiederverwertet werden und bauen sich nicht ab. Auch Schlacke und hochgiftiger Filterstaub - also das, was nach der Verbrennung im Müllheizkraftwerk in Würzburg übrig bleibt, wurde lange Zeit auf die Deponie gekippt. Mittlerweile gehen aber laut Kleppmann von den 90 000 Tonnen Schlacke pro Jahr 95 Prozent in den Straßenbau. Die Filterstäube werden seit einigen Jahren in alte Bergwerkgefüllt gepumpt.

Noch bis in den Oktober hinein sind auf dem weitläufigen Gelände 15 Arbeiter von Fachfirmen damit beschäftigt, Kunststoffbahnen sowie die weißen Vliese zu verlegen. Damit kein Regenwasser mehr durchsickert, werden die Bahnen an den Nähten miteinander verschweißt. Ein Techniker des Süddeutschen Kunststoff-Zentrums prüft sie.

Bislang wird das Sickerwasser in einem Behälter am nördlichen Rand des Geländes gesammelt und mehrmals pro Woche per Lastwagen zu einer Kläranlage gebracht. Durch die Modernisierung der Deponie entfällt dies in Zukunft, erklärt Kleppmann. Der Zweckverband könne sich dann die 250 Lkw-Fahrten pro Jahr sparen.

Und damit auch deren Kosten. Das wiederum trage entscheidend zur Amortisierung der aktuellen Investitionen bei. Alles in allem belaufen sich die Kosten nach Angaben des Zweckverbandes auf 830 000 Euro, die voraussichtlich in zehn Jahren durch den Spar-Effekt wieder hereingeholt würden.

Kleppmann sieht in den Kunststoffbahnen aber noch einen anderen Effekt. Sie machten die Deponie Hopferstadt sattelfest "für die nächsten 20 bis 50 Jahre". Denn wegen der immer strengeren Gesetze sei damit zu rechnen, dass von 2008 an drei Viertel der deutschen Deponien schließen müssen. Hopferstadt drohe dies nicht. Im Gegenteil: Das Areal sei künftig erst recht dafür geeignet, Kontingente von anderen Deponien zu übernehmen. Zudem könne es im Müllheizkraftwerk immer zu Notsituationen kommen, die dazu führen, dass der Zweckverband Schlacke nach Hopferstadt bringen muss.

Im Blickpunkt

Deponie Hopferstadt
Das Areal an der Grenze zum
Landkreis Neustadt/Aisch-Bad
Windsheim ist 400 Meter lang und
bis zu 250 Meter breit. Es wird seit
1984 als Deponie genutzt. Etwa
ein Drittel ist voll, die Abfall-Hügel
sind bepflanzt. Sie bilden den
größten Teil des "Verfüllabschnit-
tes 1". Es folgen drei weitere sol-
cher Abschnitte, die noch nicht
oder nur zum Teil zur Lagerung
genutzt werden. Weitere Infos im
Internet: www.zvaws.de

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