Kirchheim

Darum könnte ein Schülerhort in Kleinrinderfeld einen Schulneubau in Kirchheim verhindern

Das 'Gelbe Haus' in Kleinrinderfeld: Es wird geprüft, ob dort ein Schülerhort entstehen könnte.
Das "Gelbe Haus" in Kleinrinderfeld: Es wird geprüft, ob dort ein Schülerhort entstehen könnte. Foto: Ammon

Die Planungen für eine Erweiterung und einen Ausbau der Schule des Grundschulverbands Kirchheim zur Offenen Ganztagesschule stehen auf der Kippe. Ein Vorschlag aus Kleinrinderfeld und Geroldshausen, der bereits erledigt schien, sorgt für Diskussionen: die Einrichtung eines vom Schulgebäude getrennten Schülerhorts für die Nachmittagsbetreuung.

Auch einen Standort haben die Bürgermeister beider Gemeinden bereits ausgeguckt: das sogenannte "Gelbe Haus" in der Kleinrinderfelder Jahnstraße, einem Erweiterungsbau der inzwischen abgerissenen Hauptschule. Mit dem St. Johannes Verein gibt es auch schon einen interessierten Träger. Ausschlaggebend für diesen Vorstoß sind die zuletzt auf zehn bis zwölf Million Euro berechneten Kosten für einen Neubau beziehungsweise eine Sanierung der Kirchheimer Grundschule. Diese müssen die drei Verbandsgemeinden abzüglich der staatlichen Förderung anteilig tragen.

Eine Ganztagesschule sei zwar für die Eltern die beste Lösung, für die Gemeinde stelle sie jedoch eine "Goldrandlösung" dar, erklärt Kleinrinderfelds Bürgermeister Harald Engbrecht. Vor dem Hintergrund der "angespannten Lage" des Kleinrinderfelder Haushalts sei es richtig, die Diskussion nochmals aufzurollen. 2018, als die Entscheidung des Schulverbands für eine Ganztagesschule und gegen einen Hort getroffen wurde, sei zudem von "weitaus niedrigeren Zahlen" für den Umbau der Schule ausgegangen worden.

Engbrechts Amtsvorgängerin Eva-Maria Linsenbreder habe damals die Entscheidung nur unter dem Vorbehalt mitgetragen, dass eine belastbare Kostenaufstellung vorliegt. Engbrecht kommt zu dem Fazit: "Ich kann es nicht verantworten, die Gemeinde Kleinrinderfeld für nur ein Projekt auf Jahrzehnte annähernd finanziell handlungsunfähig in die Zukunft zu führen."

"Es ist Zeit, eine gut überlegte Entscheidung zu treffen."
Gunter Ehrhardt, Bürgermeister Geroldshausen

Auch für Geroldshausens Bürgermeister Gunter Ehrhardt stellt ein Hort zumindest eine "weitere Planungsvariante" dar. Für die Mitgliedsgemeinden seien "erhebliche Investitionen" zu erwarten. Andererseits könne es nicht sein, dass wieder mehrere Jahre ins Land ziehen und die Planungen wieder von vorne beginnen müssten: "Es ist Zeit, eine gut überlegte Entscheidung zu treffen."

Offen ist zudem noch, wie teuer ein Umbau beziehungsweise eine Anpassung des derzeit als kommunales Jugendzentrum genutzten, zweistockigen Gebäudes in Kleinrinderfeld genau käme. Errichtet 1997 als Erweiterung für die inzwischen abgerissene Hauptschule, befinde sich, so Engbrecht, in einem "guten" Zustand. Genauen Aufschluss darüber sollen jedoch weitere Planungen geben. Ebenso ist das frühere Schulhaus in Gaubüttelbrunn als Standort im Gespräch. Dort wird die Mittagsbetreuung in absehbarer Zeit enden.

Auch aus Kirchheim kommt grundsätzliches Verständnis für die erneut geführte Diskussion um einen Schülerhort. "Im Anbetracht der Gemengenlage kann ich die die erneute Betrachtung verstehen", stellt der Verbandsvorsitzender, Kirchheims Bürgermeister, Björn Jungbauer fest. Er bleibt gegenüber einer Hortlösung jedoch skeptisch. Zwar dürften die Baukosten sinken, die jährlichen Kosten seien jedoch höher. Ähnlich wie bei einem Kindergarten seien bei einer Hortbetreuung Fachkräfte nötig und Betreuungsschlüssel zu beachten, erklärt er.

Auch müssten die Eltern dafür anders als bei einer Nachmittagsbetreuung in der Ganztagesschule bezahlen. Je nach Anzahl der Belegungstage dürften Beiträge von bis zu 150 Euro im Monat anstehen. Es gelte daher "abzuwägen, welches Angebot ausgewählt wird, nicht dass es ein Angebot gibt, das am Ende von den Eltern nicht angenommen wird", so Jungbauer.

Die Einrichtung eines Schülerhorts hätte zudem Folgen: Für eine Offene Ganztagesschule ist es vorgeschrieben, dass Unterricht und Nachmittagsbetreuung in einem einzigen Gebäude stattfinden. Bei einem Hort kommt dagegen - ähnlich wie derzeit bei der Mittagsbetreuung des Schulverbands, die in Gaubüttelbrunn stattfindet – auch ein getrenntes Gebäude in Frage. Für das Kirchheimer Schulhaus würde es erreichen, es behutsam zu erweitern.

Auch könnte das Rathaus der Verwaltungsgemeinschaft Kirchheim-Geroldshausen an Ort und Stelle bleiben. Damit wäre eine angedachte Umgestaltung der Kirchheimer Ortsmitte nur schwer möglich. Fest steht: Die zu erwartenden größeren Schülerzahlen erfordern ein Handeln der drei Mitgliedsgemeinden Kirchheim, Kleinrinderfeld und Geroldshausen.

Auch das frühere Schulhaus Gaubüttelbrunn ist im Gespräch als Standort für einen Hort.
Auch das frühere Schulhaus Gaubüttelbrunn ist im Gespräch als Standort für einen Hort. Foto: Ammon

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