Würzburg

Das Massengrab vor dem Hauptfriedhof

Oberbürgermeister Christian Schuchardt, Dr. Hans-Peter Baum, Viviane Bogumil, Kulturreferent Achim Könneke und Dr. Axel Metz, Leiter des Stadtarchivs, (von links) bei der Vorstellung der neuesten Publikation des Stadtarchivs.
Oberbürgermeister Christian Schuchardt, Dr. Hans-Peter Baum, Viviane Bogumil, Kulturreferent Achim Könneke und Dr. Axel Metz, Leiter des Stadtarchivs, (von links) bei der Vorstellung der neuesten Publikation des Stadtarchivs. Foto: Claudia Lother

Dreitausend Menschen sind im Massengrab vor dem Würzburger Hauptfriedhof bestattet, für die Öffentlichkeit waren sie bislang weitgehend namenlos. Dr. Hans-Peter Baum hat für eine Publikation des Stadtarchivs in Recherchen seit 2016 fast die Hälfte ihrer Namen zusammengetragen, wie auch die Namen der weiteren Kriegstoten in Würzburg während der Endphase des Zweiten Weltkriegs und diese in der neuesten Publikation des Stadtarchivs veröffentlicht.

„Jeder hat jetzt die Chance, seine Angehörigen mit Namen zu finden. Es ist ein Buch der Namen. Dieses Buch ist eine wichtige und fundierte Dokumentation für die Angehörigen, entstanden durch akribische Recherche“, dankte Oberbürgermeister Christian Schuchardt dem Wirtschaftshistoriker, der 20 Jahre lang das Würzburger Dokumentationszentrum für jüdische Geschichte und Kultur in Unterfranken“ leitete.

Gesamtzahl der Opfer des Luftangriffs erfasst

Die Dokumentation wird laut einer Pressemitteilung eingeleitet durch ein Grußwort des Oberbürgermeisters sowie eine Einführung von Muchtar Al Ghusain, dem Initiator der Umgestaltung der Gedenkstätte, und seinem Nachfolger im Amt des Kulturreferenten Achim Könneke. Anschließend präsentiert Hans-Peter Baum die Ergebnisse seiner Recherchen zum Massengrab: Wenn es auch nach 75 Jahren nicht mehr möglich war, alle seinerzeit dort Bestatteten namhaft zu machen, so ist es Baum doch gelungen, die Mehrzahl der Menschen zu ermitteln, die im Massengrab ihre letzte Ruhe fanden.

Er schildert auch die Umstände der Bergung der Toten und ihrer Beisetzung im Massengrab. Darüber hinaus konnte er anhand von zeitgenössischen Unterlagen die Gesamtzahl der Opfer des Luftangriffs vom 16. März 1945 wie auch aller anderen Kriegshandlungen in Würzburg von Februar bis April 1945 präzisieren und ihre Namen in Listen, die im Band abgedruckt sind, erfassen.

Anlass für die Erstellung der Dokumentation war die Neugestaltung des Erinnerungsorts vor dem Würzburger Hauptfriedhof, der um Stelen mit den Namen der dort bestatteten Toten ergänzt wurde. Ein Beitrag von Viviane Bogumil über die Entstehung der Gedenkstätte vor dem Hauptfriedhof in den 1950er Jahren schließt die neue Publikation ab.

Publikation ist im Buchhandel und Stadtarchiv erhältlich

Dem Band ist eine CD-ROM mit den abgedruckten sowie weiteren Listen beigegeben, die die Recherche erleichtern sollen. Die Publikation ist im Buchhandel, direkt beim Verlag Ph. C. W. Schmidt und im Stadtarchiv für 19,95 Euro erhältlich.

Am 16. März 2020 sollte die Veröffentlichung der Publikation im Rahmen der zentralen Gedenkveranstaltung der Stadt Würzburg zum 75. Jahrestag des Luftangriffs auf Würzburg der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Aufgrund der Corona-Pandemie musste diese Veranstaltung kurzfristig abgesagt werden. Daher wurde der Band nun der Öffentlichkeit auf diesem Wege und mit Blick auch auf den 75. Jahrestag des Kriegsendes am 8. Mai 1945 präsentiert.

„Dreitausend Männer, Frauen und Kinder haben wir hier zur letzten Ruhe bestattet“. Eine Dokumentation zu den Toten des Massengrabs vor dem Würzburger Hauptfriedhof und zu den Kriegstoten in Würzburg während der Endphase des Zweiten Weltkriegs. Herausgegeben vom Stadtarchiv Würzburg (Sonderveröffentlichungen des Stadtarchivs Würzburg, Bd. 14), Würzburg 2020. 186 S., eine CD-ROM; ISBN: 978-3-87707-176-2.

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